Waldbrand auf Atlantik-Insel

Flammen bedrohen Hotels: Drei Tote auf Madeira

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Ein Waldbrand wütet auf der zu Portugal gehörenden Atlantik-Insel Madeira. Foto: Gregório Cunha

Funchal - Die bei Touristen beliebte portugiesische „Blumeninsel“ Madeira kämpft gegen einen Waldbrand, es gibt Tote und Verletzte. Der regionale Regierungschef sprach von einer „Entspannung“ der Situation, doch die Bewohner trauen ihm nicht.

Ein verheerender Waldbrand hat auf der zu Portugal gehörenden Atlantik-Insel Madeira die Hauptstadt Funchal eingekesselt. Mindestens drei Menschen seien ums Leben gekommen, teilte die Regionalregierung am Mittwoch mit. Außerdem seien rund 300 Menschen wegen verschiedener Verletzungen und Rauchvergiftungen in Krankenhäuser gebracht worden, ein Mensch werde vermisst. Bei den Todesopfern handele es sich um Bewohner von zwei in einem Außenbezirk von Funchal niedergebrannten Häusern, hieß es.

Der in Funchal geborene und aufgewachsene Fußball-Weltstar Cristiano Ronaldo will seiner Heimatinsel finanzielle Hilfe zur Beseitigung der vom Feuer verursachten Sachschäden zukommen lassen. Wie der TV-Sender „SIC Noticias“ berichtete, telefonierte der Stürmer von Real Madrid mit dem regionalen Regierungschef Miguel Albuquerque. Die Höhe der angebotenen Hilfe wurde zunächst nicht bekannt.

Seit Beginn der Brände am Montag mussten nach Behördenangaben mehr als tausend Menschen vor den Flammen in Sicherheit gebracht werden. Darunter waren auch mehr als 300 Gäste verschiedener Hotels sowie Dutzende Patienten von zwei evakuierten Krankenhäusern. Der portugiesische Ministerpräsident António Costa und Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa flogen am Mittwochabend nach Madeira, um sich vor Ort ein Bild der komplizierten Lage zu machen.

Dutzende Häuser, Fabrikanlagen, ein Einkaufszentrum und auch das auf einem Hügel in einem Vorort Funchals gelegene traditionsreiche Hotel Choupana Hills seien vom Feuer zerstört worden, berichteten Medien. Die Höhe des Sachschadens können noch nicht geschätzt werden, sagten Sprecher der Regionalregierung.

Zwei Hundertschaften der Feuerwehr bekämpften die Flammen. Mehr als 100 Einsatzkräfte aus der portugiesischen Hauptstadt Lissabon unterstützten die örtlichen Teams. Starke Winde, extreme Trockenheit und für Madeira sehr ungewöhnliche Temperaturen von 37 Grad Celsius erschwerten die Löscharbeiten. Ein 23-Jähriger wird verdächtigt, das Feuer absichtlich gelegt zu haben. Der vorbestrafte Mann sei in Untersuchungshaft gekommen.

Die Zeitung „Público“ schrieb in ihrer Onlineausgabe von einem „Inferno“. In Funchal herrschten seit Dienstagabend Panik und Chaos, hieß es. Albuquerque meinte, die Lage sei zwar schwierig, aber nicht katastrophal. Er sprach von einer Entspannung der Lage am Mittwoch - aber Medien meinten, die Bevölkerung traue den Worten des Regierungschefs überhaupt nicht. Es werde vermutet, Albuquerque wolle Stornierungen von Reisen verhindern.

Auch auf dem portugiesischen Festland loderten am Mittwoch Dutzende Waldbrände. Nach Angaben des Zivilschutzes war vor allem der Norden des Landes betroffen. Insgesamt waren am Mittwoch im ganzen Land nach Medienberichten mehr als 5000 Feuerwehrleute im Einsatz.

Die schlimmste Katastrophe der jüngeren Geschichte erlebte Madeira im Februar 2010: Vor sechseinhalb Jahren hatten Erdrutsche und Überschwemmungen rund 50 Menschenleben gefordert und große Zerstörungen verursacht.

Die „Blumeninsel“ oder die „Insel des ewigen Frühlings“ hat zwar kaum Badestrände, ist aber vor allem bei Wanderern, Tauchern und Naturliebhabern auch aufgrund des milden Klimas beliebt. Vor allem Briten machen hier Urlaub. 2015 waren es insgesamt 1,8 Millionen Besucher. 550.000 kamen mit Kreuzfahrtschiffen auf die Insel.

Mit 270.000 Einwohnern und einer Fläche von 740 Quadratkilometern ist Madeira die größte Insel des gleichnamigen Archipels etwa 980 Kilometer südwestlich von Lissabon. Zu diesem gehören noch die kleine Insel Porto Santo sowie zwei unbewohnte Inselgruppen.

dpa

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