Dreijährige totgebissen - Ermittlungen gegen Tante

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Nach dem Unfal mit Kampfhunden am Freitag werden in Thürigen Stimmen nach politischen Konsequenzen laut.

Oldisleben-Sachsenburg  - Nach dem tödlichen Kampfhund-Angriff auf ein dreijähriges Mädchen im thüringischen Oldisleben ermittelt die Polizei wegen fahrlässiger Tötung gegen die Hundehalterin.

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Die 44-Jährige, die Tante des totgebissenen Kindes, stand am Samstag noch unter Schock und konnte nicht vernommen werden, wie Staatsanwältin Sandra Bock auf einer Pressekonferenz sagte.

Ob weitere Personen belangt werden könnten, werde noch geprüft. Die vier Staffordshire-Mixbull-Terrier hatten das Kind am Freitag im Haus der Tante unvermittelt angegriffen. Die Uroma, die es zu schützen versuchte, wurde schwerverletzt.

Das Mädchen hatte am Freitagnachmittag gegen 17.30 Uhr mit seiner 70-jährigen Urgroßmutter ihre Tante in Oldisleben-Sachsenburg im Kyffhäuserkreis besucht. Die Hunde waren zu der Zeit auf dem Grundstück in der Nähe der Tante, liefen ins Haus und stürzten sich auf das Kind. Die Urgroßmutter kam dem kleinen Mädchen zu Hilfe, konnte es gegen die vier 30 bis 40 Kilogramm schweren Tiere aber nicht schützen, wurde ebenfalls gebissen und dabei schwer verletzt. Sowohl die Uroma als auch das Kind, die im gleichen Dorf wie die Tante lebten, waren nicht das erste Mal zu Besuch im Haus der 44-Jährigen. Die Tante hatte sich während der Attacke im Garten befunden und nach eigenen Angaben nichts mitbekommen.

Erst als ein Hund mit Blutflecken am Hals zu ihr zurückgekehrt war, sei sie misstrauisch geworden. Sie habe die Tiere unter ihre Kontrolle gebracht und die Rettungskräfte alarmiert. Diese hätten aber nur noch den Tod des Kindes feststellen können. Die Hunde lebten nach Angaben von Polizeioberkommissar Michael Becker ohne Wissen der Behörden bei der Frau. Es gab keinen Zwinger. Ein Nachbar, der mehrfach seinen Zaun wegen der Hunde reparieren musste, soll sich mehrere Male über die aggressiven Tiere beschwert haben. Die Urgroßmutter des Mädchens kam mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus. Die Hunde wurden mit der Zustimmung der Halterin eingeschläfert

 Zuvor waren sie noch nicht auffällig geworden. Amtstierarzt Gunter Wolf sagte bei der Pressekonferenz, die Tiere hätten bei der Tat abnormales Verhalten offenbart. So hätten sie “ganz aggressiv“ in den Kopf gebissen und selbst kurz vor dem Tod nicht vom Opfer abgelassen. Ein erster Schnelltest nach der Obduktion der Tiere habe aber den Verdacht auf Tollwut nicht bestätigt. Die Eltern, die bei der Tat ihr einziges Kind verloren haben, wurden psychologisch betreut. Sie seien nicht ansprechbar. Auch die Einsatzkräfte, die das Kind gefunden hätten, würden betreut, sagte der Leiter der Polizeidirektion Nordhausen, Uwe Köppen. Sie seien von dem Ereignis sehr angeschlagen gewesen.

Ruf nach politischen Konsequenzen

 Nach der tödlichen Beißattacke der vier Kampfhunde wurden am Samstag erste Rufe nach politischen Konsequenzen laut. Der innenpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Wolfgang Fiedler, sagte im Sender MDR 1 Radio Thüringen, es bestehe dringender Handlungsbedarf. Es sei “ein Versäumnis der Vergangenheit“, dass in Thüringen nicht festgelegt sei, welche Rassen wie zu halten seien. Auch der SPD-Innenpolitiker Heiko Gentzel erklärte, die bisherige Praxis in Thüringen müsse überdacht werden. Er werde sich dafür einsetzen, dass eine Liste der gefährlichen Hunde erarbeitet werde, für die besondere Regeln gelten. Beide Politiker forderten zudem, die Hundehalter mehr in die Pflicht zu nehmen.

AP

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