Mexiko

Drogenkartelle: Spektakuläre Schläge ohne Wirkung

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Joaquin Guzman Loera alias "El Chapo" wird geschnappt.

Mexiko-Stadt - Im Krieg gegen die Drogen sind den mexikanischen Sicherheitskräften im zu Ende gegangenen Jahr eine ganze Reihe dicker Fische ins Netz gegangen. An der Gewalt im Land ändert das allerdings nichts.

Der Tätigkeitsbericht der mexikanischen Sicherheitskräfte kann sich 2014 sehen lassen. Zahlreiche hochrangige Drogenhändler gingen der Polizei und den Streitkräften ins Netz, allen voran der legendäre Chef des mächtigen Sinaloa-Kartells, Joaquín „El Chapo“ Guzmán. Auf dem Papier war es ein gutes Jahr im Krieg gegen die Drogen, allerdings haben die spektakulären Schläge gegen das organisierte Verbrechen nichts an der katastrophalen Sicherheitslage im Land geändert.

Die Drogenkartelle in Mexiko sind längst so gefestigt und gut vernetzt, dass die Festnahme eines Chefs den kriminellen Strukturen kaum etwas anhaben kann. Oft nimmt die Gewalt kurzfristig sogar zu, wenn den Ermittlern ein dicker Fisch ins Netz geht. Wird ein Kartellboss gefasst, brechen in den Organisationen häufig interne Machtkämpfe um die Nachfolge aus.

Die wichtigsten Schläge gegen das organisierte Verbrechen 2014 in Mexiko:

- Joaquín „El Chapo“ Guzmán Loera: Marineinfanteristen nehmen den wohl mächtigsten Drogenhändler der Welt am 22. Februar in Mazatlán im Westen des Landes fest. Der Chef des Sinaloa-Kartells hatte es mit einem geschätzten Vermögen von einer Milliarde US-Dollar bis in die Liste der reichsten Menschen der Welt der US-Zeitschrift „Forbes“ geschafft. Bereits 1993 war er in Guatemala gefasst worden, doch 2001 gelang ihm die Flucht aus einem Hochsicherheitsgefängnis in Mexiko. Das Sinaloa-Kartell ist vor allem im Westen des Landes aktiv und unterhält enge Beziehungen zu Drogenhändlern in Kolumbien.

- Nazario „El Chayo“ Moreno González: Als Soldaten den Gründer des Verbrechersyndikats „Familia Michoacana“ am 9. März im Westen des Landes erschießen, bringen sie ein Phantom zur Strecke. Die Regierung hatte „El Chayo“ bereits 2010 nach einem Gefecht zwischen Sicherheitskräften und Kartellmitgliedern für tot erklärt. Allerdings wurde seine Leiche nie gefunden. Nach seinem angeblichen Tod gingen die „Caballeros Templarios“ (Tempelritter) aus der „Familia Michoacana“ hervor. Die pseudoreligiöse Bande kontrollierte bald weite Teile des Bundesstaats Michoacán und presste den Bürgern Schutzgelder ab. Im Laufe des Jahres drängten Sicherheitskräfte und Bürgerwehren das Kartell zurück.

- Enrique „Kike“ Plancarte Solís: Einer der beiden Chefs des Verbrechersyndikats „Caballeros Templarios“ kommt am 31. März bei einer Schießerei mit Marineinfanteristen im Bundesstaat Querétaro ums Leben. Die Tempelritter haben ihre Basis in Michoacán und sind in Drogenhandel, Schutzgelderpressung sowie illegalen Bergbau verwickelt. Sie präsentieren sich aber auch als soziale Bewegung, die Schulen baut und Kleinkriminelle verfolgt. Seit Plancartes Tod führt sein Co-Chef Servando Gómez Martínez alias „La Tuta“ die „Caballeros Templarios“.

- Fernando Sánchez Arellano: Die Falle schnappt zu, als der Chef des Tijuana-Kartells am 23. Juni gerade das WM-Spiel zwischen Mexiko und Kroatien verfolgt. „El Ingeniero“ gehörte zur zweiten Führungsgeneration des Kartells, das Ende der 1980er Jahre von den Brüdern Arellano Félix gegründet worden war. Die Organisation verfügt über ausgezeichnete Kontakte zu Behörden und Sicherheitskräfte bis hinein in die USA. Der Druck vonseiten der Polizei und des verfeindeten Sinaloa-Kartells hatte die Bande zuletzt erheblich geschwächt. Die Festnahme von Sánchez Arellano könnte das endgültige Ende des Tijuana-Kartells bedeuten, schreiben die Analysten von „Insight Crime“.

- Héctor Beltrán Leyva: Mit der Festnahme von „El H“ am 1. Oktober im Zentrum des Landes geht eine kriminelle Familientradition zu Ende. Der 49-Jährige war der letzte der Gründer des Beltrán-Leyva-Kartells auf freiem Fuß. Die Bande ist vor allem im Westen und Zentrum des Landes aktiv. Sie schmuggelt Kokain, Marihuana, Heroin und Metamphetamine in die Vereinigten Staaten sowie Waffen und Munition aus den USA nach Mexiko. Im Kampf gegen das Sinaloa-Kartell verbündete sich der Familienclan zuletzt mit der kriminellen Organisation „Los Zetas“.

- Vicente Carrillo Fuentes: Der Chef des Juárez-Kartells geht der Polizei am 9. Oktober an einem Kontrollposten auf einer Landstraße im Norden des Landes ins Netz. „El Viceroy“ führte die Bande seit dem Tod seines Bruders Amado im Jahr 1997. Der legendäre „Señor de los Cielos“ (Herr der Lüfte) hatte mit einer eigenen Flugzeugflotte den Drogenschmuggel einst revolutioniert und tonnenweise Kokain in die USA geschafft. Das Juárez-Kartell ist eines der ältesten Verbrechersyndikate des Landes und beherrscht den Drogenschmuggel zwischen den Städten Ciudad Júarez in Mexiko und El Paso in den USA. Die Bande konkurriert vor allem mit dem mächtigen Sinaloa-Kartell um Einfluss und Schmuggelrouten.

dpa

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