Dutzende Vermisste

Himalaya-Schneesturm fordert 31 Todesopfer

Kathmandu - Durch einen heftigen Schneesturm im Himalaya sind nach jüngsten Angaben mindestens 31 Menschen ums Leben gekommen. Zunächst hieß es, ein Deutscher sei unter den Opfern.

Bei einem der schlimmsten Unglücke in der Geschichte des Bergwanderns im Himalaya sind mindestens 31 Menschen ums Leben gekommen. Ein plötzlicher Wintereinbruch hatte auch tiefere Lagen im Zentrum Nepals mit einer teils meterhohen Schneedecke bedeckt. Mindestens 150 Bergsteiger und Wanderer aus aller Welt waren von dem Schneesturm völlig überrascht worden. „Das ist ein trauriger Tag für Nepal“, sagte Sharad Pradhan, Sprecher der nepalesischen Tourismusbehörde, am Donnerstag in Kathmandu. Schon im April waren 16 Menschen am Mount Everest gestorben.

Nach offiziellen Angaben sind unter den Verstorbenen zahlreiche Nepalesen sowie Menschen aus Kanada, Polen, Israel, der Slowakei, Indien und Vietnam. Bislang gebe es keine verlässlichen Angaben über Tote oder Vermisste aus Deutschland, hieß es aus dem Auswärtigen Amt in Berlin. Die Angaben darüber, wie viele Menschen noch vermisst werden, variieren.

Auch am zweiten Tag nach dem Sturm waren zahlreiche Helfer mit Helikoptern in dem abgelegenen Gebiet unterwegs, um nach den Eingeschneiten zu suchen. Insgesamt wurden nach Behördenangaben 133 Menschen gerettet. Zehn Menschen würden in seinem Distrik Manang noch vermisst, sagte Distriktchef Devendra Lamichanne.

Satellitenbild des Zyklons "Hudhud".

„Ich danke Gott“, sagte Yakobh Megreli, ein Überlebender aus Israel. „Es war ein sonniger Tag. Wir liefen in Richtung des Thorong-Passes, als der Sturm plötzlich losbrach.“ Weil ihnen der Schnee ins Gesicht geblasen habe, hätten sie an einem Tee-Laden haltgemacht und dort auch die Nacht verbracht. „Am nächsten Tag hörten wir, wie schlimm der Sturm war, und konnten nicht glauben, dass wir es geschafft hatten.“ Megreli wurde zusammen mit fünf anderen Israelis von der Armee ausgeflogen.

Unter den Opfern sind auch drei Yak-Hirten - Yaks sind eine Rinderart in Zentralasien. Laut örtlichen Behörden wurden fünf Deutsche gerettet. Einer davon habe einen Beinbruch erlitten, die anderen hätten nur leichte Verletzungen davongetragen. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes ist die deutsche Botschaft in Kathmandu eingeschaltet, um herauszufinden, ob Deutsche betroffen sind.

Grund für den plötzlichen Schneesturm am Dienstag waren die Ausläufer des Zyklons „Hudhud“, der sich über dem Indischen Ozean gebildet hatte. Nach Recherchen der nepalesischen Zeitung „Kathmandu Post“ wurden nur Bergsteiger ganz im Westen des Landes darüber informiert, dass schlechtes Wetter heranziehe. „Doch der Zyklon hat plötzlich seine Richtung geändert“, sagte Suman Regmi, Chef des Wettervorhersage-Instituts, dem Blatt.

Dadurch wurde vor allem das Gebiet um den Achttausender Annapurna getroffen, wo eine beliebte Trekking-Rundtour jeden Herbst Wanderer aus aller Welt anzieht. Ein Mitarbeiter des Annapurna-Naturschutz-Projekts ACAP erklärte der Zeitung „Kantipur“, in der Hochsaison im Oktober und November würden täglich Eintrittskarten für 280 bis 300 Menschen für die Region ausgestellt.

2014 ist eines der schlimmsten Jahre in der Geschichte des Bergsteigens und Wanderns in Nepal. Im April waren bei einem Eisfall am Mount Everest 16 Nepalesen gestorben - danach reisten Hunderte Bergsteiger, die auf den höchsten Berg der Welt wollten, vorzeitig ab.

„Wir sind auf eine Tragödien von solchem Ausmaß nicht vorbereitet“, sagte Pradhan von der Tourismusbehörde. Die Menschen müssten bei ihren Planungen bedenken, dass der Klimawandel das Wetter auch in den Bergen verändere. Ein Sprecher des Summit Club des Deutschen Alpenvereins sieht ebenfalls ein verändertes Klima. „Früher war die Saison stabiler und trockener“, sagte er.

Nepal ist ein verarmtes Entwicklungsland, gebeutelt von maoistischen Aufständen und einer lähmenden Politik. Es ist auf die Einnahmen aus dem Tourismus angewiesen. Eigentlich wollte Nepal bis 2020 die Marke von zwei Millionen Touristen erreichen. Nun fürchten viele, dass die Besucher bald wegbleiben.

dpa/afp

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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