Epidemie in Westafrika

Ebola-Virus stammt wohl von Flughunden

Flughund, Ebola
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Der Flughund ist keine Fledermaus, gehört aber gemeinsam mit diesen zu den Fledertieren.

Monrovia - Eine verheerende Ebola-Epidemie sucht derzeit Westafrika heim. Wissenschaftler haben nun vermutlich die Ursache gefunden: Das Virus geht auf Kontakte mit Flughunden zurück.

Die Ebola-Epidemie in Westafrika mit mehr als 1200 Toten geht Wissenschaftlern zufolge wahrscheinlich auf Flughunde zurück. Entweder seien manche der Tiere in der Region schon seit langem Träger des Ebola-Virus gewesen, aber bisher nicht mit Menschen in Kontakt gekommen, oder ein infiziertes Tier sei aus Zentralafrika eingeflogen, berichten Forscher im Fachmagazin „PLOS Neglected Tropical Diseases“.

In Westafrika werden Flughunde häufig gejagt und verzehrt. Das Ebola-Virus wird beim Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen. Ebola war zunächst in der Bevölkerung Guineas ausgebrochen und hatte sich schnell nach Liberia und Sierra Leone ausgebreitet.

WHO schnürt 100-Millionen-Dollar-Hilfspaket gegen Ebola-Epidemie

Im Kampf gegen die Ebola-Epidemie wollen die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und westafrikanische Staaten ein Notfallprogramm in Höhe von 100 Millionen Dollar (74,8 Millionen Euro) auflegen. Wie die WHO am Donnerstag in Genf mitteilte, wird Generaldirektorin Margaret Chan dazu am Freitag an einem Krisengipfel der betroffenen Länder in Guineas Hauptstadt Conakry teilnehmen. Die WHO hat bisher mehr als 1300 Fälle der gefährlichen Krankheit in Westafrika registriert, mehr als 1200 Menschen starben an der Seuche.

Die "Ausmaße des Ebola-Ausbruchs" machten es nötig, dass die WHO gemeinsam mit den betroffenen Staaten die Gegenmaßnahmen "auf ein neues Niveau" hebe, erklärte WHO-Chefin Chan. Sierra Leone hatte am Donnerstag den nationalen Notstand wegen der Seuche verkündet, Liberia schloss alle Schulen. Das Ebola-Virus löst hämorrhagisches Fieber aus, das in vielen Fällen zum Tod führt.

In Conakry treffen am Freitag Vertreter Guineas, Liberias, Sierra Leones sowie der Elfenbeinküste zusammen. Sie sind Mitglieder der regionalen Wirtschaftsorganisation Mano-Fluss-Union.

Ebola! Sierra Leone erklärt nationalen Notstand

Auch Sierra Leone hat den nationalen Notstand erklärt. Präsident Ernest Bai Koroma will die Ebola-Seuche mit einem Maßnahmenpaket in den Griff bekommen. So sollen ganze Gebiete im Osten des Landes unter Quarantäne gestellt werden. „Die Lage ist außer Kontrolle“, sagt Mariano Lugli, Koordinator von Ärzte ohne Grenzen in Genf. Das Virus sei nicht zu stoppen, lokale Gesundheitsbehörden seien überfordert.

In Sierra Leone wurden größere Menschenansammlungen verboten. Die Sicherheitskräfte seien angewiesen worden, die Anordnungen durchzusetzen, berichtete der britische Sender BBC.

Gleichzeitig kritisierte Koroma die Weltgesundheitsorganisation (WHO) scharf. Als der Staatschef am Donnerstagmorgen das Landesbüro der Behörde in Freetown besuchen wollte, habe er dieses geschlossen vorgefunden, „ohne Rücksicht darauf, dass wir es in unserem Land mit einem Notfall zu tun haben“, hieß es in einer Mitteilung. Das WHO-Zentrum in Sierra Leone müsse aber „24 Stunden am Tag in vollem Einsatz sein“, sagte der Präsident.

Reisewarnung des Auswärtigen Amts für Ebola-Gebiete

Das Auswärtige Amt rät seit Donnerstag von verzichtbaren Reisen nach Guinea, Sierra-Leone und Liberia ab. "Trotz internationaler Bemühungen ist ein Ende der Ausbreitung nicht absehbar", heißt es in den aktualisierten Reisehinweisen des Ministeriums. Betroffen sei zwar vor allem die Lokalbevölkerung im größtenteils abgelegenen Grenzgebiet der drei Länder. Allerdings seien durch Reisen von Erkrankten auch vereinzelte Fälle in anderen Regionen und in der jeweiligen Hauptstadt aufgetreten.

Vor wenigen Tagen war der wichtigste Ebola-Experte des Landes im Alter von 39 Jahren an dem Virus gestorben. Sheik Umar Khan hatte mehr als 100 Patienten behandelt und sich dabei selbst angesteckt. In seinem Heimatland galt er als Nationalheld.

Die USA haben eine Reisewarnung für drei afrikanische Staaten herausgegeben, in denen sich das Ebola-Virus ausbreitet. Es handele sich um Guinea, Liberia und Sierra Leone, teilte das Center for Disease Control am Donnerstag in Washington mit. Bereits zuvor hatte das US-Friedenscorps angekündigt, Hunderte Helfer aus den drei betroffenen Ländern abzuziehen.

Zwei Amerikanern, die ebenfalls an Ebola leiden, soll es etwas besser gehen. Bei den Patienten handelt es sich um einen Arzt, der für die Hilfsorganisation Samaritan's Purse tätig ist, und eine Missionarin. Ihr Zustand sei jedoch ernst, teilte die Organisation auf ihrer Webseite mit. Zahlreiche Mitarbeiter sollen wegen der prekären Lage aus der Region abgezogen werden, hieß es. Medizinisches Personal werde aber vor Ort weiter Infizierte betreuen.

Liberia liegt seit dem Ebola-Ausbruch lahm

Das Nachbarland Liberia hatte bereits am vergangenen Wochenende den Notstand ausgerufen und seine Grenzen geschlossen. Ausnahmen sind lediglich zwei Flughäfen und drei andere Grenzpunkte, an denen aber Zentren eingerichtet wurden, um Ein- und Ausreisende auf eine mögliche Erkrankung zu prüfen.

Am Mittwoch hatte Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf die Schließung aller Schulen des Landes angeordnet. Auch sollen die Märkte in Grenzregionen geschlossen werden. Der Freitag (1. August) wurde offiziell zum Ferientag erklärt, um alle öffentlichen Gebäude desinfizieren zu können.

Auch Nigeria hatte vor einigen Tagen nach dem Tod eines Ebola-Kranken aus Liberia seine Sicherheitskräfte an Flughäfen, Seehäfen und Landesgrenzen in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Die Luftaufsichtsbehörde verbot der Fluglinie ASky, Ziele in dem Land anzusteuern. Die Airline habe fahrlässig gehandelt, hieß es. Der infizierte Mann war in einer ASky-Maschine eingereist.

US-Friedenscorps flüchtet, Ärzte ohne Grenzen bleiben

Das US-Friedenscorps kündigte unterdessen an, Hunderte Helfer aus den drei betroffenen Ländern abzuziehen. Man wolle die Lage mit der Gesundheitsbehörde (CDC) und dem Außenministerium in Washington beobachten, teilte das Peace Corps mit. Sein Team bleibe, sagte Mariano Lugli von Ärzte ohne Grenzen. „Wir stellen uns auf weitere zwei bis sechs Monate ein.“

Erste Ebola-Fälle waren in Guinea im März registriert worden, rückblickend wurde darauf geschlossen, dass es schon im Dezember 2013 erste Infektionen gab. Rasch wurden auch Liberia und Sierra Leone erfasst. Es handelt sich um den schwersten Ausbruch der Krankheit seit ihrer Entdeckung im Jahr 1976. Auch ist es die erste Epidemie mit dem gefährlichen Zaire-Ebolavirus in Westafrika.

Etwa 730 Menschen sind dem Erreger nach WHO-Daten bis zum 27. Juli zum Opfer gefallen - mehr als jeder zweite erfasste Infizierte. Es gibt noch keine zugelassene Impfung gegen Ebola und keine Therapie. Die einzigen Gegenmittel sind bisher Aufklärung der Bevölkerung, Isolierung der Kranken und die hartnäckige Überwachung aller Menschen, die mit Patienten Kontakt hatten.

dpa

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