Haftstrafe für Verstecken von Patienten

Ebola-infizierter Brite kommt nach London

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Dr. Thomas Geisbert, Professor für Mikrobiologie und Immunologie an der Universität in Texas, arbeitet für die US-Armee an der Erforschung des Ebola-Virus.

London - Großbritannien hat seinen ersten Ebola-Fall. Ein in Sierra Leone infizierter Brite soll jetzt in London medizinisch behandelt werden.

Ein britischer medizinischer Helfer ist in Sierra Leone an dem Ebola-Virus erkrankt. Er soll zur Behandlung nach London geflogen und in einer speziellen Isolierstation im Royal Free Hospital werden, teilte das britische Gesundheitsministerium am Sonntag mit. Der erste Fall der Erkrankung eines Briten an dem Virus war am Wochenende in London bestätigt worden.

In einer Mitteilung des Ministeriums hieß es, dem Mann gehe es „gegenwärtig nicht ernsthaft schlecht.“ Er soll an Bord eines speziell ausgerüsteten Transfortflugzeugs der Royal Air Force auf einen Stützpunkt bei Oxford ausgeflogen werden. Für den weiteren Transport nach London seien alle erforderlichen Schutzmaßnahmen getroffen. Die Gefährdung der Bevölkerung durch den Virus bleibe weiterhin äußerst gering, erklärte das Ministerium. Der Infizierte hatte schon seit längerem in Sierra Leone gelebt.  

Verstecken von Ebola-Kranken soll mit Gefängnis bestraft werden

Sierra Leone ergreift unterdessen Maßnahmen gegen jene, die Infizierte verstecken. Das Verstecken von Ebola-Kranken soll einem Medienbericht zufolge unter Strafe gestellt werden. Das Verbergen eines Infizierten werde mit mindestens zwei Jahren Haft geahndet, berichtete die Online-Zeitung „Awoko“ am Samstag. Das Parlament des Landes hatte ein entsprechendes Gesetz demnach am Freitag in einer Sondersitzung beschlossen. Präsident Ernest Bai Koroma muss dem Gesetz noch zustimmen.

Vier Länder Westafrikas kämpfen derzeit gegen die schlimmste jemals registrierte Ebola-Epidemie. Deren Ausmaß ist laut Weltgesundheitsorganisation unterschätzt worden, weil zahlreiche Infizierte von ihren Familien versteckt wurden. Die Menschen seien davon ausgegangen, dass es für Ebola ohnehin keine Heilung gebe und es für die Todkranken besser sei, wenigstens zu Hause sterben zu können.

UNO will "starke Rolle" im Kampf gegen Ebola einnehmen

Die Vereinten Nationen haben Liberia und seinen Nachbarländern im Kampf gegen Ebola derweil massive Unterstützung zugesagt. Das Ausmaß der Epidemie erfordere ein "höheres Level an Koordinierung" als Reaktionen auf frühere Fälle und die UN-Mission in Liberia werde dabei eine "starke Rolle spielen", erklärte die UNO am Samstag. Die Elfenbeinküste riegelte wegen der Epidemie die Grenzübergänge zu Liberia und Guinea ab.

Ebola müsse in Liberia bekämpft werden, um eine "stabile Wirtschaft, Zukunft und Gesellschaft" zu garantieren, erklärte die UN-Sondergesandte Karin Landgren. Ihr UN-Kollege, der Ebola-Gesandte David Nabarro, äußerte sich ähnlich. Die "außergewöhnliche Epidemie" erfordere eine noch nie dagewesene Mobilisierung. Die UNO werde sicherstellen, dass die benötigten Ressourcen "dorthin fließen, wo sie am meisten gebraucht werden".

Nabarro hält sich seit Donnerstag in Liberia auf, das derzeit am schlimmsten von Ebola betroffen ist. Danach wollte er sich in Sierra Leone, Guinea und Nigeria ein Bild von der Lage machen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte am Freitag davor gewarnt, dass es noch "mehrere Monate" dauern könnte, die Virusepidemie unter Kontrolle zu bekommen. Der WHO zufolge starben seit März bereits 1427 Menschen an Ebola, davon allein 624 in Liberia.

Elfenbeinküste schließt Grenzen zu Liberia und Guinea

In Kanada wurde nach Angaben der Gesundheitsbehörden ein Patient isoliert, der kürzlich aus Guinea zurückgekehrt war und an starkem Fieber litt. Demnach wurden Blutproben entnommen, es sei aber sehr unwahrscheinlich, dass er sich infiziert habe. Auch in Bolivien wurde ein indischer Patient, der sich kürzlich in mehreren Städten in Westafrika aufgehalten hatte, unter Quarantäne gestellt, nachdem er Ebola-Symptome gezeigt hatte. Auch hier liefen die Untersuchungen noch.

Aus Furcht vor dem tödlichen Virus schloss die Elfenbeinküste ihre Grenzen zu Liberia und Guinea. Die "außergewöhnliche" Entscheidung diene dem Schutz der einheimischen Bevölkerung und der in der Elfenbeinküste lebenden Ausländer, erklärte Regierungschef Daniel Kaban Duncan am Samstag. Die Maßnahme trat demnach am Freitag in Kraft. Im Südosten Liberias nahe der Grenze zur Elfenbeinküste waren am Freitag die ersten Ebola-Fälle registriert worden.

Die WHO teilte zudem am Samstag mit, sie wolle in Liberia weitere Behandlungsplätze für Ebola-Patienten schaffen. In der Hauptstadt Monrovia sollen demnach weitere Gesundheitszentren errichtet werden, um in den kommenden sechs Wochen die Zahl der Betten um 500 zu erhöhen. Die bisherige Bettenzahl sei angesichts der erwarteten weiteren Zunahme an Ebola-Patienten unzureichend, hieß es.

dpa/AFP

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