Mit Fieber im Flugzeug

Infizierte Krankenschwester schürt Ebola-Angst

+
Die zweite mit Ebola infizierte US-Krankenschwester wurde nach ihrer Ankunft in Atlanta (US-Bundesstaat Georgia) sofort ins Krankenhaus gebracht.

Dallas - Nachdem sich eine zweite US-Krankenschwester bei der Versorgung eines Ebola-Patienten angesteckt hat, wächst die Angst: Kurz bevor die Frau Symptome zeigte, reiste sie noch in einem Flugzeug.

In den USA hat sich eine zweite Krankenschwester mit Ebola angesteckt. Sie habe sich - ebenso wie eine Kollegin zuvor - in einer Klinik in Dallas bei der Versorgung eines aus Liberia eingereisten Mannes infiziert, teilte die Gesundheitsbehörde von Texas am Mittwoch mit. Die Frau wurde nach Angaben des Krankenhauses in Dallas in eine Spezialklinik in Atlanta gebracht. Vor ihrer Einweisung auf eine Isolierstation hatte sie nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC mit mindestens drei anderen Menschen Kontakt. Wenige Stunden vor den ersten Symptomen hatte sie demnach einen Inlandsflug von Cleveland nach Dallas absolviert. Alle 132 Passagiere sollen nun vorsichtshalber ausfindig gemacht werden.

Der Fall sei sehr besorgniserregend, sagte der CDC-Chef Tom Frieden. Die Behörde arbeite rund um die Uhr mit dem Krankenhaus in Dallas zusammen und informiere und schule erneut das Personal. 

Die zuerst infizierte Krankenschwester war am Sonntag als erster Fall einer Übertragung von Mensch zu Mensch innerhalb der USA bekanntgeworden. Nach Angaben der Klinik hatte sie die vorgeschriebene Schutzkleidung aus Anzug, Handschuhen, Brille und Gesichtsmaske getragen. Ersten Vermutungen zufolge könnte sie sich beim Abnehmen der Maske angesteckt haben.

Bilder: Ebola-Patient aus Afrika kommt in Hamburg an

Bilder: Ebola-Patient aus Afrika kommt in Hamburg an

CDC-Chef Frieden hatte bereits am Sonntag gewarnt, dass der Infektion der Krankenschwester weitere Fälle folgen könnten. Die nun erkrankte Pflegekraft meldete am Dienstag Fieber, ein Test bestätigte die Infektion. Sie sei sofort isoliert und zu Kontakten befragt worden. Alle Menschen, mit denen sie in Verbindung gewesen sei, stünden unter Beobachtung. Der Zustand der Krankenschwester ist nach Angaben des Krankenhauses vom Mittwoch weiter gut.

Auch in Spanien hatte sich eine Frau bei einem Ebola-Kranken angesteckt. Gesundheitsministerin Ana Mato gab bekannt, dass sich der Zustand der Patientin inzwischen gebessert habe, aber weiter ernst sei. Die Pflegehelferin hatte sich in einer Klinik in Madrid bei einem Geistlichen infiziert, der in Afrika gearbeitet hatte.

Toter in Leipzig eingeäschert

Der Leichnam des in Leipzig gestorbenen Ebola-Patienten wurde inzwischen eingeäschert. Der Tote wurde in der Nacht zu Mittwoch in einem Krematorium verbrannt, wie ein Sprecher der Stadtverwaltung mitteilte. „Wir werden jetzt in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt und der UN einen Weg finden, die sterblichen Überreste seiner Familie zu übergeben.“

Der 56 Jahre alte UN-Mitarbeiter war nach fünftägiger Behandlung in der Sonderisolierstation des Klinikums Sankt Georg gestorben. Er war aus Liberia nach Leipzig geflogen worden. Der UN-Mitarbeiter war Muslim. Der Islam sieht eine Feuerbestattung nicht vor - im Ebola-Fall gehe aber die Sicherheit vor, wurde entschieden.

Obama warnt vor weltweitem Ebola-Ausbruch

US-Präsident Obama sagte am Mittwoch zwei Wahlkampfauftritte in den Bundesstaaten New Jersey und Connecticut ab. Stattdessen setzte er sich mit seinem Ebola-Krisenteam zusammen, sagte Sprecher Josh Earnest. Obama schätzte die Gefahr eines umfassenden Ebola-Ausbruchs in den USA als gering ein, warnte zugleich aber vor einer weltweiten Verbreitung der lebensgefährlichen Epidemie gewarnt. Sollte die Krankheit in Afrika außer Kontrolle geraten, könne sie sich wegen des Reiseverkehrs auf dem ganzen Globus verbreiten. „Wir nehmen das auf höchster Regierungsebene sehr ernst“, sagte Obama am Mittwoch nach einem Treffen mit dem Chef der US-Seuchenbehörde CDC, Tom Frieden, und seinen Top-Beratern beim Thema Gesundheit.

Kritik an Ebola-Vorbereitungen wächst

In den USA wächst die Kritik an den Vorbereitungen des Gesundheitssystems des Landes auf mögliche Ebola-Patienten. Hunderte Krankenschwestern und Pfleger hätten sich beschwert, dass ihre Krankenhäuser nicht ausreichend auf Ebola vorbereitet seien, teilte der Krankenpfleger-Verband National Nurses United (NNU) mit, dem mehr als 4000 Pfleger angehörten.

Ab sofort soll deshalb eine schnelle Eingreiftruppe der CDC dafür sorgen, dass auch schlecht vorbereitete Krankenhäuser bei neuen Ebola-Fällen richtig handeln. Diese Teams sollen so schnell wie möglich zu betroffenen Krankenhäusern geschickt werden, um für eine Einhaltung der Sicherheitsvorschriften zu sorgen. „Diese Protokolle funktionieren“, sagte Obama. Mitarbeiter an einigen Kliniken seien nur nicht ausreichend geschult und müssten deshalb den Prozess deshalb Schritt für Schritt mit Experten durchlaufen.

Die Regierung wolle nun „viel aggressiver“ bei neuen Erkrankungen vorgehen.

EU erörtert Maßnahmen

In einer Video-Konferenz berieten am Mittwoch Obama, der französische Präsident François Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel, der britische Premierminister David Cameron und der italienische Ministerpräsidenten Matteo Renzi über die Ebola-Krise. Die Staats- und Regierungschefs sprachen sich gemeinsam dafür aus, die internationale Gemeinschaft bei der Unterstützung der betroffenen Länder zu mobilisieren. Dies solle in enger Abstimmung zwischen Vereinten Nationen, Europäischer Union, Weltgesundheitsorganisation WHO und betroffenen Ländern erfolgen, teilte der Élyséepalast in Paris nach dem Schaltgespräch mit. Hochrangige Vertreter der EU-Staaten wollten am Donnerstag in Brüssel über bessere Abstimmungen bei Vorkehrungen gegen Ebola beraten.

Star-Kicker Beckham engagiert sich im Ebola-Kampf

Prominente Unterstützung im Kampf gegen Ebola kommt auch aus dem Sport: FIFA-Präsident Joseph Blatter lobte den Einsatz des früheren Fußballstars David Beckham. Der Chef des Fußball-Weltverbandes schrieb via Twitter: „Schöner Zug, David Beckham, an der Unicef-Kampagne gegen Ebola teilzunehmen.“

Der ehemalige englische Nationalspieler ist als Botschafter das Gesicht des Projekts der Kinderhilfsorganisation. In einer Video-Botschaft erklärt der 39-Jährige die Wichtigkeit von Hygiene. Außerdem besuchte Beckham Sierra Leone und spielte mit Kindern Fußball.

UN-Sicherheitsrat fordert mehr Engagement gegen Ebola

Obama rief die Welt erneut auf, im Kampf gegen Ebola mehr zu tun. Es gebe eine Reihe von Staaten, die sich noch nicht engagiert hätten, obwohl sie über die nötigen Kapazitäten verfügten. Auch der UN-Sicherheitsrat forderte die internationale Gemeinschaft eindringlich zu mehr Einsatz im Kampf gegen die Ebola-Epidemie auf. „Bislang ist die Reaktion der internationalen Gemeinschaft dem Ausmaß des Ebola-Ausbruchs und seinen Konsequenzen nicht gerecht geworden“, hieß es in einer Mitteilung des Gremiums.

Ebola-Immune sollen helfen

Tausende Menschen in Westafrika, die Ebola überlebt und jetzt gegen das Virus immun sind, sollen im Kampf gegen die Seuche helfen. Entsprechende Pläne werden bei der ersten Konferenz von Ebola-Überlebenden erörtert, die an diesem Donnerstag und Freitag mit Unterstützung des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (Unicef) in Sierra Leone stattfindet. Unicef geht davon aus, dass in den nächsten sechs Monaten bis zu 2500 Überlebende für Aufgaben zur Bekämpfung der Seuche ausgebildet werden könnten.

Liberias Gesundheitshelfer im Ebola-Einsatz haben unterdessen einen am Montag begonnenen Streik für höhere Gefahrenzulagen beendet. Im gesamten Land seien sie wieder im Einsatz, teilte die Gewerkschaft der Gesundheitshelfer mit.

WHO: Neue Ebola-Prognose

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte zuvor eine neue Prognose veröffentlicht. Sie erwartet bis Dezember pro Woche zwischen 5000 und 10 000 neue Ebola-Fälle in Westafrika. Fast 9000 Menschen sind nach WHO-Angaben mittlerweile an Ebola erkrankt. Die Zahl der Todesfälle ist auf 4493 gestiegen, die Dunkelziffer dürfte jedoch deutlich höher liegen.

dpa/afp

Schlagworte zu diesem Artikel

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.