"Ohne Hilfe ist Westafrika verloren"

Ebola: Liberia fleht Deutsche um Spenden an

Ebola, USA
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Ein Reinigungstrupp verlässt die Wohnung des Ebola-Patienten in den USA.

Dallas - Die Spendenbereitschaft für die Ebola-Opfer ist hierzulande bislang gering. Deswegen richtete jetzt die liberianische Botschafterin einen dringenden Appell an die deutsche Bevölkerung.

"Noch nie wurde so wenig gespendet", sagte Manuela Roßbach von "Aktion Deutschland hilft", einem Bündnis deutscher Hilfsorganisationen, am Montag in Berlin. Bisher seien bei "Aktion Deutschland hilft" erst 90.000 Euro gesammelt worden. Das sei weitaus weniger als bei anderen Katastrophen.

Die liberianische Botschafterin Ethel Davis richtete einen dringenden Appell an die deutsche Bevölkerung. "Ohne Hilfe ist Westafrika verloren", sagte sie bei der gemeinsamen Pressekonferenz. Zur Ursache der mangelnden Spendenbereitschaft sagte Davis, in Deutschland glaubten viele, die Krankheit sei "weit weg". Das sei falsch. "Ebola kann Grenzen und Kontinente überwinden", warnte die Botschafterin.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO)sind in Westafrika bereits mehr als 3300 Menschen an der Krankheit gestorben. Davis sagte, das Gesundheitssystem von Liberia sei mit der Katastrophe überfordert. "Nach 20 Jahren Bürgerkrieg haben wir das System gerade erst aufgebaut." Ein weiteres Problem sei die Verknappung von Nahrungsmitteln, weil nichts mehr produziert werde. Auch hier benötige Liberia Unterstützung.

Nach Ansicht des Vorstandssprechers des Medikamentenhilfswerks Action Medeor, Bernd Pastors, ist die "schleichende Entwicklung" der Krankheit ein Grund für die geringe Spendenbereitschaft. Bei der Flutkatastrophe auf den Philippinen habe Action Medeor in kurzer Zeit eine Million Euro an Spenden erhalten. Für Ebola seien es erst 300.000 Euro. Auch überlagerten die Krisen im Irak und Syrien die Katastrophe in Afrika.

Der medizinische Leiter der Katastrophen-Hilfsorganisation Isar, Thomas Laackmann, berichtete vom Aufbau zweier Isolierstationen am Rand der liberianischen Hauptstadt Monrovia in den vergangenen Wochen, in denen insgesamt 44 Patienten untergebracht werden können. Mangels Spendengeldern wurden die Stationen zum Großteil von der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung finanziert, die eigentlich auf Forschung spezialisiert ist. Die beiden Zelte kosteten zusammen etwa 600.000 Euro. Laackmann sagte, weitere Isolierstationen seien dringend nötig, außerdem sogenannte Screening Kits zur Erstuntersuchung von möglichen Patienten, die je 5000 Euro das Stück kosten.

Sierra Leone meldet weiteren Anstieg von Ebola-Todesfällen

Der Ebola-Epidemie in Sierra Leone fallen immer mehr Menschen zum Opfer. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Freetown vom Montag stieg die Zahl der bestätigten Ebola-Todesfälle bis zum 5. Oktober auf 678. Das sind 103 solcher Fälle mehr, als die Behörde bis zum 1. Oktober der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf gemeldet hatte.

Für Verwirrung sorgte, dass das Ministerium am 4. Oktober in einer Lagemitteilung die Zahl der Ebola-Toten noch mit 557 angegeben hatte. Demnach wären innerhalb eines Tages 121 Patienten gestorben, was von der WHO bislang nicht verifiziert werden konnte. Wie die Diskrepanz bei den Zahlenangaben entstanden ist, ließ sich zunächst nicht klären.

Zum 1. Oktober hatte Sierra Leone der WHO 575 bestätigte Ebola-Todesfälle sowie 48 Todesfälle mit Verdacht oder hoher Wahrscheinlichkeit auf Ebola als Ursache gemeldet (insgesamt 632). Insgesamt hat die WHO bisher in den drei besonders stark betroffenen Ländern Liberia, Sierra Leone und Guinea 3431 bestätigte sowie Todesfälle mit Verdacht auf Ebola registriert - mit 2069 die weitaus meisten davon in Liberia. Neue WHO-Statistiken zur Entwicklung der Epidemie werden am Dienstag erwartet.

Ebola-Patient schwebt weiter in Lebensgefahr

Der Ebola-Patient in den USA schwebt weiter in Lebensgefahr. Sein Zustand habe sich nicht verbessert, teilte das Texas Health Presbyterian Krankenhaus in Dallas am Sonntag mit. Der Mann werde derzeit nicht mit experimentellen Medikamenten wie „ZMapp“ behandelt, sagte der Direktor der US-Gesundheitsbehörde CDC, Thomas Frieden, bei einer Pressekonferenz. „Es gibt davon nur sehr wenig auf der Welt und soweit ich das richtig verstehe, ist das alles aufgebraucht. Es dauert sehr lange, mehr davon herzustellen, also wird es noch eine ganze Weile lang nicht vorhanden sein.“

Seine Behörde bekomme derzeit rund 800 Anrufe und Emails zum Thema Ebola pro Tag, sagte Frieden. Vor der Ebola-Diagnose des Patienten in Dallas seien es etwa 50 pro Tag gewesen. Ein Ebola-Verdachtsfall in Washington habe sich unterdessen nicht erhärtet, teilten die Betreiber des Howard University Krankenhauses in der US-Hauptstadt per Kurznachrichtendienst Twitter mit.

Mit Ebola infizierter US-Kameramann in Heimat eingetroffen

Ein US-Kameramann, der sich im westafrikanischen Liberia mit dem Ebola-Virus infizierte, ist zur Behandlung in seiner Heimat eingetroffen. Das Spezialflugzeug mit dem 33-jährigen Freiberufler an Bord landete am Montag im Bundesstaat Nebraska, wie US-Medien berichteten. Der Mann, der zuletzt vor allem für den US-Fernsehsender NBC tätig war, hatte am vergangenen Mittwoch erste Symptome gezeigt.

Der Kameramann ist der vierte US-Bürger, der sich in Liberia mit Ebola infizierte. Bei den anderen drei Patienten handelte es sich um humanitäre Helfer, die in medizinischen Einrichtungen arbeiteten. Ein weiterer US-Bürger steckte sich in Sierra Leone mit dem Virus an.

Erstmals war in der vergangenen Woche auch bei einem Menschen in den USA selbst Ebola diagnostiziert worden. Der Patient Thomas Eric Duncan, der aus Liberia stammt, wird im Bundesstaat Texas behandelt. Sein Zustand galt zuletzt als "sehr ernst". Der Mann hatte sich in seinem Heimatland infiziert und hielt sich zu einem Familienbesuch in der texanischen Metropole Dallas auf.

Neuer Ebola-Verdacht bei US-Arzt nicht bestätigt

Ein neuer Ebola-Verdacht bei einem zuvor von dem Virus geheilten US-Arzt hat sich nicht bestätigt. Die Laborergebnisse seien negativ gewesen, teilte die zuständige US-Gesundheitsbehörde am Sonntag mit. Der Arzt und christliche Missionar Rick Sacra, der sich in Liberia mit Ebola infiziert hatte, war Ende September zunächst geheilt aus der behandelnden Klinik in den USA entlassen worden. Allerdings wurde er am Samstag erneut mit Symptomen eingeliefert und unter Quarantäne gestellt. Diese sei nun aufgehoben worden, hieß es.

dpa/AFP

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