EHEC: Lübeck im Zentrum der Ermittler

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Küchenchef Frank Michel steht in der Küche des Restaurants "Kartoffelkeller" in der Innenstadt von Lübeck. Das Lokal, das ins Visier der EHEC-Fahnder geraten ist, sieht sich selbst als Opfer der EHEC-Krise.

Berlin - Bei der Suche nach dem Auslöser der EHEC-Infektionswelle führt eine Spur nach Lübeck. Mehrere Menschen infizierten sich dort nach einem Restaurant-Besuch.

Bei der Fahndung nach der Quelle des aggressiven Darmkeims EHEC führt eine mögliche Spur nach Lübeck: Bei drei Gruppen, die in demselben Restaurant gegessen haben, sind später EHEC-Fälle aufgetreten. Das Lokal wurde von den Gesundheitsbehörden bereits untersucht - nach Angaben von Gastronom Joachim Berger ohne Befund. Bundesweit gibt es inzwischen rund 2500 Menschen, bei denen der Durchfallerreger EHEC vermutet wird oder bereits nachgewiesen wurde. Die EU will den Kampf gegen die Infektionswelle unterstützen.

Nach Informationen der “Lübecker Nachrichten“ könnten sich bis zu 17 Patienten in Bergers Traditionslokal “Kartoffelkeller“ angesteckt haben. Der Gastronom sagte am Samstag dem ZDF, bei den drei Gruppen handele es sich um eine dänische Reisegruppe, eine Gewerkschaftsgruppe und eine Familie, die Mitte Mai in seinem Lokal zu Gast gewesen seien. Serviert worden sei damals unter anderem Steak und Salat. Aus der Gewerkschaftsgruppe ist eine Frau gestorben, zwei sind schwer erkrankt.

Anfang der Woche seien bereits Hygiene- und Reinigungspläne sowie Lieferwege kontrolliert worden, berichtete Bergers Küchenchef Frank Michel der dpa. Nach Bergers Worten stehen noch die Ergebnisse von Stuhlproben aus, die alle Mitarbeiter hätten abgeben müssen. Sie sollen Montag vorliegen. Michel betonte, die Belegschaft werde mit demselben Essen versorgt wie die Gäste, und niemand sei erkrankt.

EHEC: Was die Bauern mit ihrer Ware machen

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Beide schließen nicht aus, eine verseuchte Lieferung bekommen zu haben. Die Ware komme über Zwischenhändler vom Großhandel in Hamburg, berichtete Berger. “Wir sind als Restaurant selbst Endverbraucher und von unseren Lieferanten abhängig“, sagte Michel.

Das Kieler Verbraucherministerium sieht in dem Lokal bislang “keine heiße Spur“, wie Ministeriumssprecher Christian Seyfert der dpa sagte. Untersuchungsergebnisse des zuständigen Robert Koch-Instituts (RKI) lägen bislang nicht vor. Eine RKI-Sprecherin bestätigte, dass ein Team zu Kontrollen in Lübeck war.

Selbst mehrere Wochen nach einer EHEC-Infektion könne der gefährliche Darmkeim an einer Quelle noch nachgewiesen werden, erklärte der Vorsitzende des Bundesverbandes der Lebensmittelkontrolleure, Martin Müller. Solange die Umgebung das Wachstum eines Erregers begünstige, sei er nachweisbar.

Vermutungen, nach denen Großveranstaltungen wie der Hamburger Hafengeburtstag als Ausbreitungsort für die EHEC-Welle infrage kommen, wiesen die Behörden am Samstag zurück. Die Hamburger Gesundheitsbehörde berichtete auf Nachfrage, RKI-Experten hätten bereits vor zehn Tagen das Hafenfest als Auslöser der EHEC-Welle ausgeschlossen. Auch das RKI betonte, “Pressemeldungen, wonach EHEC-Infektionen mit Großveranstaltungen in Verbindung gebracht werden, decken sich nicht mit den Erkenntnissen des RKI und stehen im Widerspruch zu dem epidemiologischen Profil des Ausbruchs“.

EHEC: Die wichtigsten Fragen und Antworten

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Die EU-Kommission will Deutschland bei der Suche nach dem EHEC-Ausbruchsort helfen und künftig stärker zusammenarbeiten. EU-Gesundheitskommissar John Dalli bot an, EU-Experten zu schicken. Außerdem soll eine eigene EHEC-Internetplattform bis Montag auf die Beine gestellt werden, über die Behörden gezielt Informationen austauschen können. Unter anderem sollen zudem Hinweise auf Behandlungsformen vom RKI ins Englische übersetzt und den EU-Staaten bereitgestellt werden. Der Ausbruch soll am Montag auch eines der Themen beim Treffen der EU-Gesundheitsminister in Luxemburg werden.

Bundesweit stieg die Zahl der EHEC-Infektionen am Wochenende weiter. Allein in Niedersachsen wurden am Samstag 458 Fälle und Verdachtsfälle gezählt - 40 mehr als am Vortag. Mindestens 520 Patienten leiden im ganzen Land an dem lebensgefährlichen HU-Syndrom (HUS). Daran sind in Deutschland mindestens 18 Menschen gestorben.

Unter führenden Wissenschaftlern ist inzwischen Streit über das Krisenmanagement ausgebrochen. Der Ärztliche Direktor der Berliner Charité kritisierte die Arbeit des RKI. Das Universitätsklinikum habe erst in dieser Woche Fragebögen für die Patienten bekommen, sagte Ulrich Frei dem “Tagesspiegel“ (Samstag). “Das reicht nicht. Man hätte die Patienten interviewen sollen.“ Laut “Tagesspiegel“ wies eine RKI-Sprecherin die Vorwürfe zurück. Das Institut habe nach Ausbruch des Darmkeims zügig reagiert.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert die Einrichtung eines zentralen EHEC-Krisenstabs im Bundesgesundheitsministerium. Bislang seien die Zuständigkeit zwischen Gesundheitsämtern, Kliniken und dem Robert Koch-Institut nicht klar genug geregelt, sagte Lauterbach der in Berlin erscheinenden “BZ am Sonntag“.

Bei der Einfuhr in die USA werden aus Sicherheitsgründen Tomaten, Gurken und Salat aus Deutschland und Spanien streng kontrolliert. Russland hatte den Import von Gemüse aus der EU komplett gestoppt.

In Italien gibt es mittlerweile einen ersten EHEC-Verdachtsfall. Ein deutscher Tourist leide an einer schweren Durchfallerkrankung. Nach Erkenntnissen der Weltgesundheitsorganisation gibt es EHEC-Infektionen zudem in Österreich, Tschechien, Dänemark, Frankreich, den Niederlanden, Norwegen, Spanien, Schweden, Schweiz, Großbritannien und den USA. Von den meisten Patienten ist bekannt, dass sie zuvor in Deutschland waren.

dpa

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