WHO will ZMapp prüfen

Ebola: Was kann das nicht zugelassene Mittel?

Ebola
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Die Ebola-Seuche in Westafrika hat bisher 932 Todesopfer gefordert.

Genf - Den beiden Ebola-Patienten aus den USA geht es besser. Doch liegt das wirklich an ZMapp? Die WHO will den eventuellen Einsatz des bislang nicht zugelassenen Mittels prüfen. US-Präsident Obama ist dagegen.

Der Ausbruch habe die Organisation in eine ungewöhnliche Situation gebracht, hieß es am Donnerstag am Rande einer Sitzung des Notfall-Komitees der Organisation. Darauf müsse unter Umständen auch mit ungewöhnlichen Maßnahmen reagiert werden.

Beratungen über eine eventuelle Freigabe von Mitteln, die zum Beispiel in US-Labors noch in einer frühen Entwicklungsphase sind, will die WHO in der kommenden Woche aufnehmen. Zunächst werde dazu der Rat von Medizin-Ethikern eingeholt, erklärte dazu die Stellvertretende WHO-Generaldirektorin Marie-Paule Kieny am Mittwochabend.

„Wir haben hier eine Krankheit mit hoher Sterberate, ohne dass es eine bewährte Behandlung oder Impfung gibt“, sagte sie. Die Ethiker müssten einschätzen, was für Ärzte in dieser Situation verantwortbar ist. Zwei aus den USA stammende Ebola-Patienten waren mit dem Mittel „ZMapp“ behandelt worden. Dieses war zuvor an Affen, noch nicht aber in den üblichen klinischen Testreihen erprobt worden.

Den US-Amerikanern geht es zwar besser, jedoch ist unklar, ob dies nicht auch ohne das Mittel erreicht worden wäre und welche längerfristigen Nebenwirkungen es möglicherweise hat.

Den am Mittwoch veröffentlichten neuen Zahlen der WHO zufolge erkrankten bis zum 4. August 1711 Menschen an dem Virus, 932 starben daran. Hilfsorganisationen warnen, die Krankheit sei inzwischen außer Kontrolle geraten.

Obama lehnt Einsatz von Ebola-Serum ab

US-Präsident Barack Obama hat Hoffnungen in Westafrika auf ein experimentelles Serum gegen die Ebola-Epidemie gedämpft: Der Einsatz des Serums ZMapp in Afrika wäre "voreilig", es gebe noch keine ausreichenden Informationen über seine Wirkung, sagte Obama am Mittwochabend (Ortszeit) in Washington. Angesichts der mittlerweile mehr als 900 Ebola-Toten in Afrika hatte Nigerias Gesundheitsminister Onyebuchi Chukwu am Mittwoch erklärt, er sei in Kontakt mit den US-Behörden, um über eine mögliche Lieferung des Serums zu beraten.

"Wir müssen uns von der Wissenschaft leiten lassen", sagte Obama mit Blick auf das erhoffte Mittel, das bislang nur bei Tieren getestet wurde. Statt auf das Mittel zu setzen, müssten die Gesundheitsbehörden in Westafrika die Ausbreitung der Epidemie wirksamer bekämpfen, sagte Obama. Die Gesundheitssysteme seien nicht in der Lage gewesen, die Ebola-Fälle rechtzeitig zu identifizieren und schnell genug zu isolieren, deswegen habe sich das Virus ausbreiten können. Er sagte den vier betroffenen Ländern Guinea, Liberia, Sierra Leone und Guinea die Hilfe der USA, der europäischen Partner und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei der Eindämmung der Epidemie zu.

US-Behörden genehmigen Ebola-Test des Militärs

Die US-Gesundheitsbehörden haben ein vom amerikanischen Militär entwickeltes Verfahren zur Ermittlung von Ebola-Infektionen genehmigt. Der Test namens „DoD EZ1 Real-time RT-PCR Assay“ soll helfen, das hochansteckende Virus in Westafrika einzudämmen. Der Test sei für den Einsatz in den betroffenen Gegenden zugelassen, teilte die Gesundheitsbehörde FDA mit.

Angesichts der in Afrika wütenden Krankheit setzte die Seuchenbehörde CDC ihre Warnstufe unterdessen auf die höchstmögliche Kategorie 1. Der Schritt sei eine Reaktion auf das mögliche Übergreifen der Seuche nach Nigeria, teilte CDC-Direktor Tom Frieden auf Twitter mit. Stufe 1 bedeutet, dass mehr Personal und Mittel zur Verfügung gestellt werden.

Liberia verschärft  Notstand

Liberia hat im Zusammenhang mit der Ebola-Epidemie den Notstand verschärft. Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf verhängte am Mittwochabend einen dreimonatigen Ausnahmezustand. Dies bedeute, dass einige Bürgerrechte unter Umständen eingeschränkt werden könnten, sagte die Politikerin in einer landesweit übertragenen Ansprache laut Medienberichten aus der Hauptstadt Monrovia. Die Epidemie bedrohe nun die Gesellschaft. Dies erfordere Sondermaßnahmen. Der vor Wochen ausgerufene Notstand („national emergency„) habe nicht ausgereicht, um Ebola einzudämmen.

dpa/Afp

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