Bürgerkrieg und Artensterben drohen

UN-Klimareport: Wir müssen dringend handeln!

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Die Erderwärmung wird drastische Auswirkungen haben, wenn der Mensch sie nicht stärker bremst als bisher.

Yokohama - Jetzt steht es Schwarz auf Weiß im neuen UN-Klimareport: Die Erderwärmung wird drastische Auswirkungen haben, wenn der Mensch sie nicht stärker bremst als bisher.

Der vom Menschen verursachte Klimawandel hat schon jetzt schwerwiegende Auswirkungen auf alle Kontinente und Meere. Wie viel schlimmer es für Mensch und Natur noch wird, hängt davon ab, was die Menschheit in naher Zukunft gegen die Erderwärmung unternimmt. Das ist die Kernbotschaft des zweiten Teils des neuen Weltklimaberichts, dessen Zusammenfassung der Weltklimarat IPCC am Montag im japanischen Yokohama vorlegte.

Bei der Einschätzung der Risiken mache es einen deutlichen Unterschied, ob der Mensch in einer Welt mit zwei Grad Erwärmung lebe oder mit vier. In einer um vier Grad erwärmten Welt seien die Risiken noch sehr viel höher, heißt es in dem Bericht. „Wir bewegen uns auf schmalem Grat“, sagte die Greenpeace-Klimaexpertin Kaisa Kosonen. „Aber wenn wir mutig handeln und die Treibhausgasemissionen schneller (als geplant) senken, können größere Bedrohungen für die menschliche Sicherheit noch vermieden und lebenswichtige Meeressysteme, Wälder und Arten geschützt werden.“

Das kann passieren, wenn wir nichts tun

Der Weltklimarat warnt auch einem Anstieg des Meeresspiegels und der "erheblich" steigenden Gefahr von Überflutungen insbesondere an den Küsten Europas und Asiens. Immer mehr Menschen verlören so ihren Lebensraum. Ebenso steige das Risiko von Krankheiten, die durch Mücken und Wasser übertragen werden. Eine weitere Folge des Klimawandels könnte laut dem Bericht der Rückgang der Artenvielfalt sein, da der Lebensraum zahlreicher Tiere zerstört werde.

Zudem warnen die Klimaexperten vor einer Verschärfung der Wasserknappheit in bestimmten Regionen. Tropische und subtropische Regionen treffe diese Entwicklung am härtesten. Armut, Hunger und Obdachlosigkeit könnten auch gewaltsame Auseinandersetzungen wie Bürgerkriege verschärfen.

Der Klimawandel wird nach Einschätzung der Experten auch die wirtschaftliche Entwicklung beeinträchtigen. Bei einem Temperaturanstieg von rund zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter könnte die weltweite Wirtschaftsleistung um 0,2 bis zwei Prozent zurückgehen.

Auswirkungen schon jetzt spürbar

Ob in den Tropen oder an den Polen, auf kleinen Inseln oder großen Kontinente, in reichen Länder oder den ärmsten - schon jetzt lassen sich die Auswirkungen des Klimawandels überall beobachten, so etwa bei veränderten Niederschlagsmustern, dem Rückgang der Permafrost-Zonen und der Gletscherschmelze. Außerdem hätten bereits viele Tierarten im Wasser und auf dem Land ihre Lebensräume verlagert. Das Klima habe sich auch schon negativ auf die Gesundheit der Menschen ausgewirkt, etwa durch Hitzewellen.

Wetterextreme hätten auch die Versorgung mit Trinkwasser und Nahrungsmitteln beeinflusst, vor allem was das Angebot an Getreide und Fisch betrifft. So könnten die Erträge von Reis, Mais und Weizen pro Jahrzehnt um zwei Prozent zurückgehen. Erstmals habe der Weltklimarat anerkannt, dass eine Zunahme der Extremwetterlagen auch extreme Nahrungspreise bedeute, so Oxfam.

Das muss geschehen

Der Weltklimarat fordert, den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren. So ließen sich die negativen Folgen und die Kosten des Klimawandels in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts erheblich verringern. Viele Gegenmaßnahmen wie ein Rückgang der Wasserverschwendung und Recycling seien sogar vergleichsweise einfach und günstig.

Darüber hinaus müssten eine Ansiedlung in durch Hochwasser oder Erdrutsche gefährdeten Regionen vermieden, Überflutungsgebiete erhalten und Grünflächen in Großstädten angelegt werden. Zudem mahnt der Klimarat einen besseren Katastrophenschutz an und fordert den Aufbau internationaler Institutionen, um den Streit um Ressourcen zwischen Staaten zu entschärfen.

Noch ist es nicht zu spät

Zwar gibt es dem Report zufolge für den Menschen noch Möglichkeiten, sich auf die Risiken infolge des globalen Klimawandels einzustellen. Eine Anpassung funktioniere aber nur, wenn die Erderwärmung deutlich gebremst werde. Sonst werde es schwierig, warnte Chris Field, Co-Vorsitzender der Arbeitsgruppe Zwei des Weltklimarats. „Selbst ernsthafte, fortgesetzte Investitionen in die Anpassung werden ihre Grenzen haben.“

„Ohne schnelle Taten bei der Anpassung und der Emissionsreduzierung könnte das Ziel, dass jeder genug zu essen hat, für immer verfehlt werden“, warnte Gore. „Die politischen Lenker sollten sich die Frage stellen, ob ihre Generation diejenige sein soll, die das zulässt.“

Zähes Ringen um Einigung

Nach tage- und nächtelangem Ringen hatten sich die Wissenschaftler mit Vertretern von Regierungen aus aller Welt in Yokohama auf eine fast 50-seitige Zusammenfassung des neuen, rund 2000 Seiten dicken zweiten Teil des Klimaberichtes geeinigt. Sie dient als Grundlage für Politiker und internationale Konferenzen.

Der dritte und letzte Teil des neuen Klimareports über Möglichkeiten und Wege, die Erderwärmung zu bremsen, soll am 13. April in Berlin vorgestellt werden. Der Weltklimarat hat fast 200 Mitgliedsländer. Die UN-Organisation mit Sitz in Genf erhielt 2007 für ihren Kampf gegen den Klimawandel den Friedensnobelpreis.

dpa/AFP

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