Zugführer kann sich nicht erinnern

Vor Unglück: Zug beschleunigte sogar vor Bahnhofs-Einfahrt

+
Als der Zug gegen den Prellbock prallte, wurde auch das Dach des Bahnhofs stark beschädigt.

Hoboken - Ungebremst raste Zug 1614 im Berufsverkehr in den Bahnhof von Hoboken. Nun zeigt sich, dass er kurz vor dem tödlichen Unglück sogar noch beschleunigte.

Der Zug in Hoboken im US-Staat New Jersey war vor dem Unglück mit einer Toten und 108 Verletzten mit dem Doppelten der zulässigen Geschwindigkeit unterwegs und beschleunigte kurz vor dem Aufprall sogar noch. Das habe die A uswertung der Datenrekorder nach dem Unfall von vor einer Woche ergeben, teilte die Behörde für Transportsicherheit NTSB am Donnerstag mit. Weniger als eine Sekunde vor dem Aufprall habe der Zugführer die Notbremse gezogen.

Den Ermittlern zufolge beschleunigte der Zug knapp 40 Sekunden vor dem Unglück von etwa 13 Kilometern pro Stunde auf bis etwa 34 Kilometer pro Stunde. Mit diesem Tempo war er unterwegs, als er am Donnerstag vor einer Woche im Kopfbahnhof in New Jersey mit einem Prellbock kollidierte und auf die Plattform sprang. Dadurch stürzte das Dach des Bahnhofs teilweise ein. Die Geschwindigkeitsbegrenzung liegt im Gleisgelände umgerechnet bei etwa 16 Kilometern pro Stunde, im Bereich der Bahnsteige bei etwa 8 Kilometern pro Stunde.

Weiterhin Unklarheiten

Ob ein technischer Defekt oder menschliches Versagen eine Rolle gespielt haben könnten oder der Zugführer das Unglück möglicherweise sogar absichtlich herbeiführte, blieb weiter unklar. Sowohl die beiden Datenrekorder als auch die Video-Aufzeichnung in Fahrtrichtung samt der Tonspur eines externen Mikrofons seien von guter Qualität, teilte die NTSB mit.

„Ein großer Blitz wurde beobachtet, als der Waggon mit der Vertäfelung kurz hinter dem Prellbock zusammenstieß“, schrieben die Ermittler. Zu hören sei außerdem die Hupe des Zugs etwa eine Minute vor dem Aufprall, der Passagiere aus ihren Sitzen warf und durch den Trümmer von der Dachkonstruktion fielen, die eine Frau töteten.

Zugführer will sich nicht mehr erinnern können

Der 48 Jahre alte Zugführer hatte Ermittlern gesagt, vor dem Unfall mit sechs Minuten Verspätung unterwegs gewesen zu sein. Er habe sich noch daran erinnern können, bei der Einfahrt in den Bahnhof gehupt und seine Geschwindigkeit kontrolliert zu haben. Seine nächste Erinnerung sei der Moment nach dem Aufprall, als er auf dem Boden der Fahrerkabine zu sich kam. US-Medien zufolge ist er seit dem Jahr 2000 als Zugführer tätig.

Seit dem Unglück vor einer Woche fahren Züge den historischen Bahnhof in Hoboken, den sonst täglich rund 50 000 Menschen nutzen, nicht mehr an. Wann er für den Zugverkehr wieder geöffnet wird, ist unklar.

dpa

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.