Streit um Südstaatenflagge

Erster Gottesdienst nach Bluttat in Charleston

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Trauer in Charleston.

Charleston - Sie wollen wieder in den Alltag übergehen. Vier Tage nach dem rassistisch-motivierten Attentat auf eine Kirche in Charleston gab es dort nun am Sonntag wieder einen Gottesdienst.

Vier Tage nach der rassistischen Bluttat in einer Kirche in Charleston ist in dem Gebetshaus erstmals wieder ein Gottesdienst gefeiert worden. Mehrere hundert Menschen versammelten sich am Sonntag in und vor der Kirche, einige weinten. Die Predigt wurde von einem Gast-Pastor gehalten, nachdem der eigentliche Pastor der Kirche ebenfalls von dem Attentäter erschossen worden war. Derweil entbrannte in den USA ein Streit über die Südstaaten-Flagge.

Der 21-jährige Weiße Dylann Roof soll Mittwochabend in der Emanuel African Methodist Episcopal Church von Charleston neun Schwarze erschossen haben. Medienberichten zufolge gestand er nach seiner Festnahme die Tat. Ihm wurde bei einer ersten Anhörung am Freitag neunfacher Mord vorgeworfen.

Nach Totenwachen für die erschossenen sechs Frauen und drei Männer wurde am Sonntag in der Episcopal Church ein feierlicher Gottesdienst abgehalten. "Sie waren hier im Haus des Herrn, studierten seine Worte, beteten miteinander", sagte Gast-Pastor John Gillison. "Aber der Teufel kam auch herein", sagte er. Dem Täter sei es aber nicht gelungen, den Geist von Liebe und Glauben der Menschen zu brechen.

Forderung nach Abhängen der Südstaatenflagge  

Als Reaktion auf die Bluttat waren die US-Flagge und die Flagge des Staates South Carolina vor dem Parlament in Columbia auf Halbmast gesetzt worden - nicht aber die rote Südstaaten-Flagge mit dem blauen Sternenkreuz. Dazu hätte das Parlament von South Carolina seine Zustimmung geben müssen, lautete die offizielle Begründung.

Tausende Menschen zogen am Samstag zu der Flagge und verlangten ihre Entfernung. "Wir können uns nicht länger leisten, diese Flagge hier stehen zu lassen", sagte die 95-jährige Aktivistin Sarah Leverette. Die Fahne sei ein Leuchtsignal für diejenigen, die "bösen Überzeugungen" verhaftet blieben - so wird sie etwa vom rassistischen Ku Klux Klan (KKK) genutzt. 370.000 Menschen hatten bis Samstagabend (Ortszeit) ihren Namen unter eine Onlinepetition gegen die Flagge gesetzt.

Weißer erschießt neun Afroamerikaner in US-Kirche

Der frühere republikanische US-Präsidentschaftsanwärter Mitt Romney schrieb auf Twitter: "Es ist Zeit, die Flagge in South Carolina abzuhängen." US-Präsident Barack Obama reagierte umgehend: "Ein wichtiger Hinweis, Mitt", schrieb er. Zugleich warb er erneut für schärfere Waffengesetze. "Die Rate, mit der wir uns gegenseitig mit Waffen töten, liegt 297 mal höher als in Japan, 49 mal höher als in Frankreich, 33 mal höher als in Israel."

Auch die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton sprach sich für schärfere Waffengesetze aus. Zwar sei der Waffenbesitz "Teil des Gefüges vieler gesetzestreuer Gemeinschaften", sagte sie in San Francisco. Das Ziel müsse aber sein, Kriminellen den Zugang zu Waffen zu versperren. Erst am Samstag gab es bei zwei Schießereien in Michigan und Philadelphia ein weiteres Todesopfer und 16 Verletzte, darunter ein anderthalb Jahre altes Kind.

Manifest des Attentäters entdeckt

US-Medien entdeckten am Samstag die Website lastrhodesian.com, auf der Roof auf Fotos mit Feuerwaffen und beim Verbrennen der US-Flagge zu sehen ist. "Ich habe Charleston ausgewählt, weil die Stadt (...) zeitweise den landesweit höchsten Anteil von Schwarzen im Vergleich zu Weißen hatte", heißt es in einem Text. "Wir haben keine Skinheads, keinen wirklichen KKK, niemand, der irgendetwas tut außer im Internet reden. Jemand muss den Mut haben, es in der wirklichen Welt zu tun, und ich schätze, dass ich das sein muss." Es folgen Hasstiraden gegen Schwarze, Hispanics und Juden.

Ob es sich bei dem Verfasser um Roof handelt, wurde von den Behörden noch überprüft. US-Medien berichteten, die Internetseite sei im Februar unter seinem Namen registriert worden. Der Name "letzter Rhodesier" bezieht sich auf den vom südafrikanischen Apartheidregime unterstützten Staat Rhodesien, dem heutigen Simbabwe.

AFP

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