Experten warnen vor Panik

Exotische Mücken sind da: Sind Behörden und Kliniken gewappnet?

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Kassel/Hannover. Asiatische Tigermücke, Buschmücke und Co.: Die exotischen Insekten wurden inzwischen auch in Hessen und in Niedersachsen nachgewiesen. Sie können schlimme Krankheiten übertragen. Experten warnen aber vor Panik.

Nur lästiges Jucken und hässliche Quaddeln? Oder gefährliche Infektionen wie Dengue-Fieber oder Zika? Medienberichten zufolge breiten sich tropische Mücken auch in Deutschland aus. Mit ihren Stichen können sie schlimme Krankheiten auf die Menschen übertragen.

Das hat den niedersächsischen CDU-Fraktionsvize Frank Oesterhelweg auf den Plan gerufen. Mit einer Landtagsanfrage will er von der rot-grünenLandesregierung wissen, ob Behörden und Kliniken gewappnet sind. „Wir dürfen die Gefahr nicht unterschätzen“, warnt er, will aber keine Panik erzeugen.

Nach einem Spiegel-Bericht gibt es inzwischen auch Nachweise, dass aus den Tropen eingeschleppte Aedes-aegypti-Mücken (Gelbfiebermücke) in Deutschland den vergangenen Winter überlebt haben. Bisher gab es sie in Europa nur auf der portugiesischen Atlantik-Insel Madeira. Diese Art kann beim Stechen neben anderen Infektionen (Gelbfieber, Dengue) auch das tückische Zika-Virus übertragen, das insbesondere in Brasilien für Missbildungen bei Neugeborenen verantwortlich gemacht wird.

Soldaten gegen Plage 

In südamerikanischen Ländern wird die Gelbfiebermücke drastisch bekämpft, dennoch breitet sie sich dort weiter aus. Die brasilianische Regierung setzt Soldaten ein, um der Plage Herr zu werden.

Als Überträger von Krankheitserregern von Mensch und Tier gelten zudem die Asiatische Tigermücke und die Asiatische Buschmücke (siehe Hintergrund). Hauptgrund der Mückenwanderung ist die Globalisierung. Reisende, aber vor allem der weltweite Handel schleppen Mücken ein.

Eier in Autoreifen

Helge Kampen, Mückenexperte am Friedrich-Löffler-Institut für Tiergesundheit (FLI) nennt als ein Beispiel den Import von Reifen aus Asien. Vor dem Verschiffen lagern die Reifen oft im Freien, wenn sich nach Regen Wasser darin sammelt, bietet das Gummi perfekte Bedingungen für die Eiablage von Mückenweibchen.

Dort können die Eier über Monate im Trocknen liegen. Wenn die Reifen nach dem Transport nach Europa im Freien lagern und es hineinregnet, entstehen in Wasserpfützen aus den Eiern die Larven und dann die Mücken.

Nach Ansicht von Experten wie etwa Professorin Stefanie Becker vom Institut für Parasitologie an der Tierärztlichen Hochschule Hannover gibt es in Deutschland zwar Grund zur Vorsicht, nicht aber zu Panik. Norbert Becker von der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) stellt klar, Voraussetzung für eine Krankheitsübertragung sei, dass die Mücke zuvor jemanden gestochen habe, der an einer solchen Krankheit leide.

Hintergrund: 

• Exotische Mücken sind mittlerweile auch in Teilen Hessens und Niedersachsens nachgewiesen.

• In Südhessen im Raum Bensheim taucht die Asiatische Tigermücke auf, die aus Südostasien stammt und Denguefieber übertragen kann.

• Die Asiatische Buschmücke (Aedes janonicus) wurde bereits 2013 im Raum Hildesheim und jetzt bei Hannover nachgewiesen. Sie kann Überträger des West-Nil-Virus sein.

Weder in Hessen noch in Niedersachsen sind aber Tropenkrankheiten bekannt, die hierzulande übertragen wurden. In ganz Deutschland gibt es laut Universitätsmedizin Göttingen 100 Fälle von Zika-Infektionen, ausschließlich bei Reiserückkehrern. (kle/ymp)

Hintergrund: Idealer Sommer für heimische Arten 

• Auch heimische Mückenarten finden in diesem Sommer ideale Lebensbedingungen vor. Nach Einschätzung des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit (FLI) auf der Ostsee-Insel Riems könnte Deutschland eine Mückenplage bevorstehen. Dafür hat das feuchtwarme Wetter mit starken Regenfällen und sommerlichen Temperaturen gesorgt.

• Die kommunale Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) mit Sitz im rheinland-pfälzischen Speyer, die auch in Teilen Südhessens aktiv ist, bekämpft vor allem die Überschwemmungsmücke, im Volksmund auch Rheinschnake genannt, mit einem 300 Mann starken Team und einem Hubschrauber. Dabei wird der biologische Eiweiß-Giftstoff BTI eingesetzt, der nur Mückenlarven angreift.

www.kabsev.de

• Wer von einer Mücke gestochen wurde, sollte die Stelle kühlen. Auf keinen Fall sollte man an der Wunde kratzen, weil man sonst Bakterien in die Wunde einreibt. (kle)

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