Erschossener Gastschüler

Fall Diren: War es eine tödliche Mutprobe?

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Trauer um Diren D.

Missoula - Was hatte Diren in der Garage zu suchen, als ihn der Hausbesitzer erschoss? Der Anwalt des Todesschützen belastet den Hamburger Gastschüler. Doch auch der Angeklagte steht nicht gut da.

Der 17-Jährige sei "bei mindestens drei oder vier verschiedenen Gelegenheiten" in Garagen in Missoula (US-Bundesstaat Montana) eingedrungen, erklärte Paul Ryan, der Anwalt des Todesschützen. Dabei berief er sich auf Aussagen des Mitschülers, der Diren an dem Abend begleitete, als dieser auf dem Privatgrundstück erschossen wurde. Der Jugendliche, ebenfalls ein Austauschschüler und aus Ecuador stammend, hatte der Polizei Rede und Antwort gestanden. 

Ryan sagte, die beiden hätten möglicherweise Alkohol gesucht. Das sogenannte „Garage Hopping“, bei dem aus Kühlschränken in fremden Garagen alkoholische Getränke geholt werden, sei eine bei Schülern aus der Big Sky High School der Universitätsstadt in den Rocky Mountains verbreitete Mutprobe, sagte Verteidiger Paul Ryan laut der Lokalzeitung "The Missoulian". Die Staatsanwaltschaft bestätigte die Angaben zunächst nicht.

Diren D. war Ende April in der Kleinstadt Missoula im US-Bundesstaat Montana nachts in eine offen stehende Garage gegangen und vom Hausbesitzer erschossen worden. Der Schütze Markus K. muss sich wegen vorsätzlicher Tötung verantworten. K. beteuert, er habe sich gegen einen Einbrecher wehren wollen. Die Staatsanwaltschaft hat aber den Verdacht, dass der 29-Jährige nicht aus Notwehr handelte, sondern mit dem Gewehr auf der Lauer lag.

Todesschütze nahm Marihuana

Die 30 Jahre alte Partnerin des Schützen habe nach den Schüssen versucht, den tödlich getroffenen Diren zu beruhigen und ihn mit Rettungsmaßnahmen am Leben zu halten. Sie und der Schütze, der zuvor als Feuerwehrmann gearbeitet hatte, drückten Direns Familie und Freunden ihr Mitgefühl aus.

K. bestreitet nach Angaben seines Verteidigers, die Garagentür offen gelassen zu haben, um einen Einbrecher anzulocken. Die Handtasche, die der Schütze als Köder ausgelegt haben soll, sei von draußen gar nicht sichtbar gewesen. Er und seine Lebensgefährtin hätten in der Garage Zigaretten geraucht und das Tor zur Lüftung aufgelassen.

Diese "Zigaretten" könnten aber auch etwas anderes gewesen sein. K. hat nämlich einem Pressebericht zufolge Drogen konsumiert. „The Missoulian“ schrieb am Dienstag (Ortszeit) unter Berufung auf einen Durchsuchungsbericht, in der Küche des 29-jährigen Tatverdächtigen sei ein Glas mit Marihuana gefunden worden. Der Hausbesitzer habe hin und wieder in der Garage Marihuana geraucht, bestätigte auch ein Nachbar der Polizei. Bei einem früheren Einbruch seien Marihuana-Utensilien gestohlen worden, hatte sich K.s Lebensgefährtin bei einer Nachbarin beklagt.

Jetzt wurde ein Bluttest angeordnet, um zu prüfen, ob der Schütze zur Tatzeit "high" war. Am 12. Mai findet eine Anhörung vor Gericht statt.

Deutscher Botschafter spricht von "tragischem Einzelfall"

Unterdessen betonte Deutschlands neuer Botschafter in Washington die Sicherheit von Austauschprogrammen in den USA. "Der Tod dieses deutschen Austauschschülers war ein tragischer Fall, aber er war ein tragischer Einzelfall", sagte Botschafter Peter Wittig der Nachrichtenagentur AFP. Das Schicksal des Hamburger Teenagers sei "nicht typisch" für die Erfahrungen junger Deutscher in den USA. Deutsche Schüler und Studenten seien hier "nicht nur herzlich willkommen, sondern auch sicher".

Die deutsche Botschaft habe am Tod von Diren D. Anteil genommen und die Angehörigen über das zuständige Konsulat vor Ort unterstützt, sagte Wittig. "Wir haben uns auch sehr intensiv mit den dortigen Behörden in Verbindung gesetzt." Da die Justiz im Bundesstaat Montana "sofort tätig" geworden sei, gebe es "keinen Grund, sich über die amerikanische Reaktion in irgendeiner Weise zu beklagen". Wittig hat sein Amt in der vergangenen Woche angetreten.

Der Leichnam von Diren D. war zunächst nach Hamburg überführt worden, wo am Wochenende eine Trauerfeier für den türkischstämmigen Jugendlichen stattfand. Am Montag wurde er dann in Bodrum im Südwesten der Türkei beigesetzt.

afp/dpa

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