Salz und Geschmacksverstärker in hoher Dosierung

Öko-Test-Studie: Fleisch-Alternativen sind oft ungesund

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Vegetarische Ersatzprodukte: Pflanzliche Fleischbällchen, Tofusteaks und -Würstchen oder fleischlose Burger wie auf diesem Bild sind im Trend. Viele pflanzliche Produkte sind nach Prüfungen von Öko-Test nicht gesund. Unser Bild wurde symbolisch ausgewählt und zeigt keines der getesteten Produkte.

Die Zahl derer, die sich fleischlos ernähren, steigt stetig. Damit sind auch Fleischersatzprodukte im Trend. Diese sind laut Öko-Test jedoch keineswegs gesünder.

Bilder von tausenden Tieren auf engstem Raum in der sogenannten Intensivhaltung schrecken auf, Berichte über Antibiotika vor allem im Geflügelfleisch ängstigen. Auch aus rein ethischen Gründen verzichten mittlerweile viele Menschen auf Wurst und Fleisch. Sie wollen mit ihrem Konsumverhalten nicht für den Tod von Tieren verantwortlich sein. Auf den Geschmack eines saftigen Steaks oder einer leckeren Salami wollen viele aber auch nicht verzichten.

Das hat sich die Industrie zunutze gemacht und massenweise Fleischersatzprodukte auf den Markt gebracht. Diese kommen von Aussehen und Geschmack dem „Original“ sehr nahe. Um das zu erreichen, werden die an sich pflanzlichen Produkte mit Geschmacksverstärkern, vielfach auch mit Fett, Salz und Zucker behandelt und sind damit nicht gesund. Das zumindest ist das Ergebnis einer Erhebung der Zeitschrift „Öko-Test“, die 22 fleischlose Produkte untersucht hat. Nur eines davon bekam die Note gut.

Plastikverpackung 

Der Sieger stammt aus dem Sortiment von „Aldi Nord“: Das „Gut Bio Soja-Schnitzel“. Knapp die Hälfte der getesteten Produkte bekam die Noten mangelhaft oder ungenügend. Hauptgrund, so Öko-Test, sei die hohe Belastung mit gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH). Diese Verbindungen gehen oftmals aus der Plastikverpackung in die Lebensmittel über. In Tierversuchen habe MOSH, das sich im Körper anreichere, zu Organschäden geführt.

Zu hoher Salzgehalt 

In zwölf der 22 getesteten Produkte lag der Salzgehalt zu hoch. Er betrug über zwei von 100 Gramm Vegan-Lebensmittel. Damit kann über eine einzige Mahlzeit schnell mehr als die Hälfte des empfohlenen Salzgehaltes für einen ganzen Tag aufgenommen werden.

Der natürliche Geschmack des Fleischersatzes ist neutral. Teigrohlinge schmecken eher wie ein Stück Pappe. Mittlerweile gibt es Fleischersatzprodukte auf unterschiedlicher Basis. Verbreitet sind vor allem Tofu, das Weizeneiweiß Seitan oder Lupine, eine eiweißreiche Hülsenfrucht.

Recht neu auf dem Markt ist Quorn – ein aus Pilzkulturen gewonnenes Mykoprotein. Um aus diesen Grundstoffen etwas herzustellen, das in Geschmack und Konsistenz an Fleisch erinnert, werden Verdickungsmittel wie Guarkernmehl, Carrageen oder modifizierte Stärke eingesetzt, Füllstoffe sorgen zudem für Stabilität. Zuckercouleur und Carotin verleihen braune oder rosa Farbe, damit das Produkt auch optisch etwas hermacht. Bei Bio-Produkten ist die Liste der Zusatzstoffe meistens kürzer.

Farbstoffe und Geschmacksverstärker wollen viele gesundheitsbewusste Vegetarier und Veganer nicht auf dem Teller haben. Der Geschäftsführer des Deutschen Vegetarierbundes (Vebu), Sebastian Joy, forderte die Industrie auf, mehr gesunde, naturnahe Produkte herzustellen.

Hintergrund: Fleischlos leben - Vegetarier und Veganer

Fleischlose Ernährung wird zunehmend beliebter, doch den Begriff Vegetarismus gibt es bereits seit dem 19. Jahrhundert. Im Jahr 1847 wurde in England die erste vegetarische Gesellschaft gegründet. Heute gibt es viele Formen der fleischlosen Ernährung. Ein Überblick:

• Vegetarier: Sie essen vereinfacht ausgedrückt keine Produkte, für deren Verzehr Tiere getötet werden müssen, also kein Fleisch, keine Wurst, keinen Fisch. Dabei gibt es verschiedene Abstufungen: Zusätzlich zu pflanzlicher Nahrung bezieht die ovolacto-vegetarische Kost Eier und Milchprodukte ein. Die lacto-vegetarische Kost nimmt nur Milchprodukte. Die ovo-vegetarische Kost wird lediglich durch den Konsum von Eiern ergänzt.

• Veganer: Sie essen keinerlei tierische Produkte, also auch keine Eier, keine Milchprodukte wie Käse, keinen Honig und keine Gerichte mit tierischen Zusatzstoffen. Auch bei der Kleidung sind Tierprodukte wie Wolle und Leder tabu.

• Frutarier: Sie sind Extrem-Veganer, die sich nur auf der Basis von Früchten ernähren. Sie nehmen dabei nur pflanzliche Produkte zu sich, bei deren Ernte die Stammpflanze nicht beschädigt wird. Manche Frutarier essen nur Obst, das bereits vom Baum gefallen ist.

• Neu im Trend: Flexitarier. Eine große Gruppe von Abnehmern fleischloser Produkte bilden die Flexitarier. Diese essen nur wenig Fleisch, wollen aber nicht ganz darauf verzichten. Nach Schätzungen der Gesellschaft für Konsumforschung ist bereits fast jeder Vierte (24 Prozent) der Deutschen Flexitarier

Zahlen und Fakten

• Fast 7,8 Millionen Menschen in Deutschland ernähren sich nach Zahlen des Instituts für Demoskopie in Allensbach vegetarisch, fast eine Million Bürger lebt vegan.

• Der Verkauf fleischloser Lebensmittel hat sich im ersten Quartal dieses Jahres nach Angaben des Marktforschungsunternehmens GfK um 14,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesteigert.

• Im Jahr 2015 wurden bundesweit für Fleischersatzprodukte und pflanzliche Brotaufstriche 311 Millionen Euro ausgegeben.

• Nach Berechnungen des Deutschen Vegetarierbundes ist der Durchschnittsbürger in seinem Leben über 1000 Tiere.

Weblinks

• Der Bericht von Öko-Test mit allen Produkten

• Vom Vegetarierbund bewertete vegetarische Grundprodukt

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