14 Menschen sterben bei Kämpfen

MH17: Leichenteile an Absturzstelle geborgen

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Ukrainische Streitkräfte fahren mit Panzern nahe dem Dorf Novoselovka auf einer Straße.

Kiew - Forensiker haben an der Absturzstelle des Malaysia-Airlines-Flugzeugs im Osten der Ukraine weitere Leichenteile geborgen. Unterdessen sind bei Kämpfen in der Nähe der Absturzstelle 14 Menschen getötet worden.

Unter den Toten der Kämpfe in der Stadt Schachtarsk seien mindestens zehn Regierungssoldaten, teilte ein Sprecher der Streitkräfte am Morgen mit. Vier Leichen seien noch nicht identifiziert, bei ihnen könne es sich "um ukrainische Soldaten oder Terroristen" handeln, wie die Separatisten von Kiew bezeichnet werden.

Schachtarsk liegt rund 25 Kilometer von der Stelle entfernt, an der die Malaysia-Airlines-Maschine mit 298 Menschen an Bord am 17. Juli abgestürzt war. Nachdem eine Vorhut internationaler Experten am Donnerstag erstmals seit einer Woche zu der Absturzstelle vordringen konnte, sollten ab Freitag bewaffnete Polizisten aus den Niederlanden und Australien damit beginnen, das Gebiet abzusichern. Beide Länder hatten die höchste Zahl von Opfern bei dem Absturz zu beklagen: An Bord von Flug MH17 waren 193 Niederländer und 28 Australier.

Bei einem Treffen der Kontaktgruppe aus der Ukraine, Russland und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) im weißrussischen Minsk war am Donnerstag vereinbart worden, an einer Feuerpause entlang des Zugangswegs zu der Absturzstelle festzuhalten. Die ukrainische Armee hatte auf Bitten der UNO am Donnerstag einen "Tag der Ruhe" während ihrer Offensive gegen die Separatisten eingelegt, um den Ermittlern den Zugang zu ermöglichen. Am Freitag wurde die Offensive aber wieder aufgenommen.

Internationale Experten haben nach australischen Angaben an der Absturzstelle des Malaysia-Airlines-Flugzeugs im Osten der Ukraine weitere Leichenteile geborgen. Das Team aus Niederländern und Australiern sei wohlbehalten zurückgekehrt, sagte der australische Ministerpräsident Tony Abbott am Freitag vor Reportern in Sydney. Ein größeres Team wolle innerhalb von 24 Stunden erneut zur Absturzstelle. Die Boeing mit 298 Menschen an Bord war am 17. Juli abgestürzt. Prorussische Rebellen werden verdächtigt, sie mit einer Rakete abgeschossen zu haben. Noch immer liegen im Trümmerfeld Opfer.

Steinmeier lobt Ergebnisse der Ukraine-Kontaktgruppe in Minsk

Den Experten war es am Donnerstag nach tagelangen vergeblichen Versuchen erstmals möglich, zur Absturzstelle zu gelangen. Heftige Gefechte zwischen ukrainischen Regierungseinheiten und prorussischen Kämpfen in der Region hatten dies zuvor verhindert.

Die Konfliktparteien in der Ukraine kämpfen seit Mitte April gegeneinander. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) begrüßte, „dass nach langem diplomatischen Ringen endlich ein direktes Treffen der trilateralen Kontaktgruppe mit den Separatisten stattgefunden hat“. In der weißrussischen Hauptstadt seien am Donnerstag Absprachen über den sicheren Zugang zur Absturzstelle der Boeing mit der Flugnummer MH17 und zur sofortigen Freilassung von Geiseln getroffen worden, teilte die stellvertretende Sprecherin des Auswärtigen Amtes, Sawsan Chebli, mit. „Dass auch die so dringend erforderliche beiderseitige Waffenruhe Thema des Gesprächs war, ist nach Wochen des Stillstands ermutigend.“ Demnach trafen sich die Vertreter von Russland, der Ukraine und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) auch mit Vertretern der prorussischen Separatisten in der Ostukraine. Steinmeier bezeichnete dies als "gute Nachricht".

Wirtschaftssanktionen gegen Russland sollen am Freitag in Kraft treten

Den Angaben zufolge soll in der kommenden Woche ein weiteres Treffen der Kiewer Kontaktgruppe mit Separatistenvertretern stattfinden. Am Donnerstag war lange unklar, ob die Separatisten einen Vertreter nach Minsk entsandt hatten oder per Videokonferenz zugeschaltet waren.

Der Druck auf Moskau wächst derweil weiter. Die von den 28 EU-Regierungen beschlossenen Wirtschaftssanktionen sollen am Freitag in Kraft treten. Kernstück ist eine Behinderung des Zugangs fünf großer russischer Banken zu den wichtigen Kapitalmärkten der EU. Zu den neuen Sanktionen gehören auch ein Waffenembargo, ein Ausfuhrverbot für zivil und militärisch nutzbare Güter an das russische Militär und ein Lieferstopp für Spezialgeräte zur Ölförderung.

Erler warnt vor direktem Eingreifen Russlands in Ukraine-Krise

Damit soll Russlands Präsident Wladimir Putin dazu gebracht werden, die moskautreuen Separatisten in der Ostukraine nicht länger zu unterstützen. Zudem sieht sich Moskau nun binnen weniger Tage zum zweiten Mal im Zusammenhang mit der Zerschlagung des früheren russischen Ölkonzerns Yukos mit Schadenersatzforderungen in Milliardenhöhe konfrontiert.

Der Russlandbeauftragte der Bundesregierung, Gernot Erler (SPD), hat vor einer Eskalation der Krise in der Ukraine gewarnt. "Der russische Präsident Wladimir Putin steht unter sehr starkem Druck, die von ihm unter Schutz genommenen russischsprachigen Bewohner der Ostukraine nicht im Stich zu lassen", sagte Erler der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Freitagsausgabe). "Wenn die Separatisten in die Nähe einer militärischen Niederlage kommen, dann kann niemand ein direktes Eingreifen Russlands über die Grenze hinweg ausschließen."

Angesichts von Hinweisen auf Artilleriebeschuss von russischem Gebiet aus und Berichten über neue Militärmanöver im Süden Russlands gebe es "ein Fenster zum Schlechteren", warnte Erler. "Es wäre eine schreckliche Eskalation, wenn es zu einer direkten Intervention käme."

Ukraine bittet Bürger mit umstrittener Kriegssteuer zur Kasse

Die Ukraine griff am Donnerstag derweil zu drastischen Maßnahmen: Die Bürger werden nun für den blutigen Konflikt im Osten des Landes zur Kasse gebeten. Nach langem Zögern beschloss das Parlament in Kiew eine umstrittene Kriegssteuer. Mit dieser will Kiew die umstrittene „Anti-Terror-Operation“ finanzieren. Die Abgabe von 1,5 Prozent auf alle steuerpflichtigen Privateinkommen im Land soll bis zum 1. Januar 2015 gelten. Noch vor einer Woche lehnten die Abgeordneten neue Steuergesetze zur Finanzierung des Bürgerkrieges ab. Deshalb erklärte Regierungschef Arseni Jazenjuk seinen Rücktritt.

Die Finanzierung des Bürgerkrieges kostet das klamme Land aktuell umgerechnet rund 4,5 Millionen Euro am Tag. Die Freigabe frischen Geldes für die Militäroperation hatte Jazenjuk als Bedingung für seinen Verbleib im Amt genannt. Das Parlament sprach ihm nun das Vertrauen aus.

dpa/AFP

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