Terror-Ermittlungen laufen

Flugzeug verschollen: Gibt es eine erste Spur?

Malaysia Airlines
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Flugzeuge sichteten einen Ölteppich auf dem Meer, nachdem die Maschine der Malaysia Airlines spurlos verschwunden war.

Hanoi - Nach dem mutmaßlichen Absturz eines Passagierflugzeugs mit 239 Menschen an Bord laufen  Terror-Ermittlungen. Unterdessen wurde ein "ungewöhnlicher Gegenstand" gesichtet.

Ersten Ermittlungen zufolge haben mindestens drei Insassen beim Einchecken falsche persönliche Daten angegeben. Bereits zuvor war bekannt geworden, dass zwei der Passagiere mit gestohlenen Pässen unterwegs waren. Ein Italiener und ein Österreicher, deren Namen auf der Passagierliste standen, meldeten sich in ihren Heimatländern und berichteten, dass ihnen Pässe vor ein bis zwei Jahren gestohlen worden waren.

Die Pässe waren von der internationalen Polizeibehörde Interpol registriert. Keine Behörde habe eine Nutzung dieser Pässe signalisiert, seitdem sie 2012 und 2013 in Thailand gestohlen worden waren, erklärte Interpol-Generalsekretär Ronald K. Noble am Sonntag. Die Tickets auf ihre Namen wurden zusammen erworben, wie der Sender CNN berichtete. Sie sollen über die chinesische Fluggesellschaft Southern Airlines gekauft worden sein. Das Unternehmen äußerte sich auf Anfrage dazu nicht.

Terror-Ermittlungen eingeleitet

Angesichts der fehlenden Informationen über den Verbleib der Maschine war dieses Detail von Beobachtern als mögliches Indiz für einen Anschlagsplan interpretiert worden. Laut Malaysias Transportminister Hishammuddin Hussein wurden inzwischen Terrorermittlungen eingeleitet. Auch eine Flugzeugentführung werde grundsätzlich nicht ausgeschlossen.

Die Identität weiterer europäischer Passagiere werfe Fragen auf, sagte Hussein. „Wir überprüfen die gesamte Passagierliste“, sagte er bei einer Pressekonferenz in Kuala Lumpur.

Weitere Details lassen den Flug MH370 mysteriös erscheinen. Behördenchef Rahman sagte, dass fünf Passagiere zwar eingecheckt waren, aber nicht auftauchten. Ihr Gepäck sei vor dem Abflug aus der Maschine entfernt worden. Ob unter ihnen jene Fluggäste waren, die mit den gestohlenen Pässen des Italieners und Österreichers Tickets gekauft hatten, war unklar.

FBI unterstützt Ermittlungen

Zur Unterstützung hätten die Vereinigten Staaten FBI-Agenten abgestellt, erklärte der Minister weiter. Ein Regierungsvertreter aus Washington sagte der US-Zeitung "Los Angeles Times", dass ein möglicher Terrorhintergrund untersucht werden solle. Die Tatsache, dass offenbar auch drei US-Staatsbürger an Bord der Maschine gewesen seien, gebe Washington "Zugang zu dem Fall".

Laut dem von der "LA Times" zitierten Regierungsmitarbeiter sollen die FBI-Agenten dabei helfen, Überwachungsvideos vom Startflughafen in Kuala Lumpur auszuwerten und Passagier-Aufnahmen mit bestehenden Datenbanken abzugleichen, um mögliche Mitglieder des Terrornetzwerks Al-Kaida oder anderer Extremistengruppen zu erkennen. Dass zwei Pässe gestohlen worden seien, heiße aber noch lange nicht, dass die damit gereisten Flugzeuginsassen auch einen Anschlag im Sinn hatten, betonte ein Beamter des Heimatschutzministeriums.

Bei Suchaktion "ungewöhnlichen Gegenstand" gesichtet

Die internationale Suchaktion nach dem verschollenen Malaysia-Airlines-Flugzeug mit Insassen aus 14 Ländern wurde derweil fortgesetzt. Vietnamesische Schiffe erreichten einen schwimmenden Ölteppich am mutmaßlichen Absturzort im südchinesischen Meer, fanden dort aber keine Hinweise auf die vor mehr als 30 Stunden vom Radar verschwundene Maschine, wie Generalleutnant Vo Van Tuan der Nachrichtenagentur AFP sagte.

Aufklärer haben allerdings einen „ungewöhnlichen Gegenstand“ rund 100 Kilometer vor der Insel Tho Chu an der Südspitze Vietnams im Meer treiben sehen. Das teilten die vietnamesischen Such- und Rettungsbehörden am Sonntag mit. Dort könnte die Maschine gewesen sein, als der Funkkontakt am Samstagmorgen abbrach. Um was es sich bei dem Gegenstand im Meer handelte, war unklar. Malaysia habe Vietnam gebeten, schnellstmöglich ein Schiff und einen Hubschrauber in die Region zu schicken.

China, die USA, Malaysia, die Philippinen und Singapur hatten ebenfalls Schiffe und Flugzeuge zur Suche nach der Boeing 777-200 abgestellt. Nach vietnamesischen Angaben wird ein inzwischen ein Meeresgebiet von rund 10.000 Quadratkilometer Größe durchkämmt.

Kehrte die Maschine um, bevor sie verschwand?

Laut Malaysia Airlines waren insgesamt 227 Passagiere und zwölf Crew-Mitglieder an Bord von Flug MH370, der in der Nacht zum Samstag (Ortszeit) von Kuala Lumpur nach Peking gestartet war. Es gebe Anzeichen auf den Radaraufzeichnungen, dass die Maschine vor ihrem Verschwinden umgekehrt sei, berichteten Ermittler am Sonntag vor der Presse in Kuala Lumpur. Die Erkenntnis ist überraschend, weil der erfahrene Pilot nach bisherigen Erkenntnissen in den Minuten vor dem Verschwinden über Funk keinerlei Probleme an Bord meldete. Es wurde kein Notsignal und auch kein schlechtes Wetter gemeldet, bevor die Maschine rund eine Stunde nach dem Start plötzlich von den Radarschirmen verschwand.

Am planmäßigen Zielflughafen harrten verzweifelte Angehörige auch am Sonntag weiter aus und warfen der Airline respektlose Informationspolitik vor. Die Familien der Passagiere hätten viel zu spät von der mutmaßlichen Hiobsbotschaft erfahren, schimpfte eine Frau, die ihren mitgeflogenen Schwager vermisste.

Airline will Angehörige nach Malaysia bringen

Malaysia Airlines will Angehörige der Passagiere des verschwundenen Fluges MH370 von Peking nach Kuala Lumpur bringen. Bis zu fünf Verwandte pro Fluggast würden in die malaysische Hauptstadt geflogen, kündigte Ignatius Ong Ming Choy von Malaysia Airlines laut Nachrichtenagentur Xinhua am Sonntag in Peking an. Eine erste Maschine soll am Montag starten. Ein früherer Abflug sei wegen der Ausreiseformalitäten nicht möglich. Ein 93-köpfiges Team von Malaysia Airlines sei in die chinesische Hauptstadt gereist, um sich um die Familien der Passagiere zu kümmern und deren Pässe sowie Visa für die Flüge vorzubereiten.

Verschwundene Maschine war 2012 in Unfall verwickelt

Die in Südostasien verschollene Passagiermaschine mit 239 Menschen an Bord war im August 2012 in Shanghai in einen Unfall auf dem Rollfeld verwickelt. Das bestätigte der Chef der Fluggesellschaft Malaysia Airlines, Ahmad Jauhari Yahya, am Sonntag vor der Presse in Kuala Lumpur.

Bei einer Kollision mit einer anderen Maschine riss damals etwa ein Meter an der Spitze einer Tragfläche ab. Der Schaden sei von Boeing repariert worden und die Maschine von den Luftfahrtbehörden anschließend wieder für völlig flugtauglich befunden worden, sagte Yahya.

afp/dpa

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