Forscher: Viel Nestwärme kann träge machen

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Familie beiem Ausflug: Jugendliche, die viel Nestwärme bekommen, engagieren sich offenbar später seltener bürgerschaftlich als andere Altersgenossen. Foto: Frank Leonhardt/Symbol

Viel elterliche Wärme führt nicht zwangsläufig dazu, dass Jugendliche später auch selbst ein großes Herz für bedürftige Menschen haben. Wissenschaftler stellen bisherige Vorstellungen in Frage.

Jena/Berlin (dpa) - Jugendliche, die viel Nestwärme von ihren Eltern bekommen, engagieren sich einer Studie zufolge später seltener bürgerschaftlich als andere Altersgenossen - zum Beispiel in sozialen Projekten.

Das haben Forscher der Universität Jena und Kollegen der Universitäten Jyväskylä und Helsinki in Finnland anhand einer Befragung von mehr als 1500 Finnen im Jugend- und Erwachsenenalter herausgefunden.

Eine Untersuchung in Sachsen-Anhalt von 2013 habe ähnliche Ergebnisse gezeigt, sagte die Psychologin Maria K. Pavlova von der Friedrich-Schiller-Universität Jena am Montag. Die Ergebnisse aus Finnland ließen sich daher auf Deutschland übertragen. Sie wurden jetzt im "Journal of Youth and Adolescence" veröffentlicht.

Die Tatsache, dass positives Erziehungsverhalten sich nicht zwangsläufig auf alle Lebensbereiche auswirkt, ist aus Sicht der Forscher überraschend und stellt entsprechende Vorstellungen in Frage. Laut Pavlova könne zu viel Nähe und elterliche Unterstützung möglicherweise zu einer Falle werden, weil die Jugendlichen sich dann nicht mehr für die Welt außerhalb ihres eigenen Kreises interessierten. Eine weitere mögliche Erklärung sei, dass Eltern bürgerschaftliches Engagement weder als notwendig für Erfolg auf dem Arbeitsmarkt noch als moralisch verpflichtend sähen und die Verantwortung dafür eher auf den Staat schöben.

Die Möglichkeiten, sich zu engagieren, sind vielfältig. Sie reichen von Einsätzen in Krisenregionen und in sozialen Projekten bis hin zu Demonstrationen und politischen Debatten. "Solche Aktivitäten sind für das Funktionieren einer jeden Demokratie wichtig, selbst wenn es im Inhalt des Engagements von Land zu Land Unterschiede gibt", betonte Pavlova.

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