Am 20. März schiebt sich der Mond vor die Sonne

Sonnenfinsternis: Freitag wird es dunkel

Kassel. Zum astronomischen Frühlingsbeginn wird sich am Freitag, 20. März, für kurze Zeit der Himmel verdunkeln.

Neben großer Freude auf das seltene Spektakel gibt es Befürchtungen, dass es wegen fehlender Solarenergie zu Stromausfällen kommen könnte. Wir haben alle Fragen und Antworten zum Thema zusammengestellt.

Was passiert bei einer Sonnenfinsternis genau?

Dabei schiebt sich der Mond zwischen Erde und Sonne. Das kann nurbei Neumond passieren, erklärt Dirk Ewers vom Astronomischen Arbeitskreis Kassel. Der Hofgeismarer Hobby-Astronom reist seit fast 20 Jahren Sonnenfinsternissen hinterher. Er weiß: Nicht bei jedem Neumond ist eine Sonnenfinsternis zu sehen. Nur wenn die Bahnen von Erde und Mond übereinstimmen - die Mondbahn ist um fünf Grad gegen die der Erde geneigt - kann der Mondschatten auf die Erde fallen. Am 20. März wird das von Deutschland aus als partielle Sonnenfinsternis zu sehen sein, bei der fast 80 Prozent der Sonne verdeckt sein werden.

Wann ist die Sonnenfinsternis in der Region zu sehen? 

Das Spektakel beginnt um 9.30 Uhr und endet etwa um 12 Uhr. Solange benötigt der Mond, um von Westen über die Sonnenscheibe zu ziehen und wieder auszutreten. Zwischen Kassel und Göttingen ist der Bedeckungsgrad mit 76 Prozent zwischen 10.35 Uhr und 10.45 Uhr am größten.

Wie ist es an anderen Orten der Welt? 

Während sich die Sonne hier teilweise verfinstert, wird sie andernorts völlig verdeckt. Der Kernschatten des Mondes wird über das Nordpolarmeer ziehen, auf den Färöer Inseln und Spitzbergen bedeckt der Mond die Sonne fast komplett. Bei klarem Wetter sind dann Sterne am Himmel zu sehen. Auch bei uns wird man bei wolkenlosem Himmel etwa 40 Grad östlich der Sonne eventuell die Venus erkennen können, sagt Ewers.

Hat die Finsternis Auswirkungen auf Mensch oder Tier? 

Dort, wo er eine totale Sonnenfinsternis erlebt hat, haben die Vögel währenddessen aufgehört zu zwitschern, sagt Astronomie-Experte Dirk Ewers, „es war eine große Stille über der Landschaft“. Er glaube aber nicht, dass eine Verdeckung von 80 Prozent Auswirkungen hat: „Diese Art Verdunkelung kann auch mal auftreten, wenn sehr dunkle Wolken aufziehen.“

Wie oft kommt es zu einer Sonnenfinsternis? 

Im Durchschnitt kann man irgendwo auf der Erde alle 1,5 Jahre eine totale Sonnenfinsternis beobachten. Zählt man partielle Finsternisse mit, ist der Abstand noch kürzer, erklärt Ewers. Die nächste mit einer ähnlich starken Verfinsterung gibt es über Deutschland erst wieder 2026.

Kann es in Zeiten der Energieeinspeisung durch Solaranlagen zu einem Stromausfall kommen? 

Nach Angaben der Stromversorger stellt die Sonnenfinsternis eine Herausforderung dar. Währendessen bricht die Energieproduktion der 1,4 Millionen Solaranlagen in Deutschland abrupt ein, konventionelle Kraftwerke müssen den Wegfall ausgleichen. Nach der Finsternis müssen die Kraftwerke ebenso schnell wieder heruntergefahren werden, damit das Netz stabil bleibt. Die Versorger haben sich aber vorbereitet, ein Stromausfall ist unwahrscheinlich.

Wie beobachtet man die Sonnenfinsternis? 

Ein Blick in die Sonne ist nur mit professionellem Schutz ungefährlich. Sonnenfinsternisbrillen mit Filterfolien gibt es bei guten Optikern und im Internet. Für ein besonderes Erlebnis empfiehlt Dirk Ewers, Sonnenfilterfolien vor ein Fernglas oder Teleskop zu montieren: „Dann lassen sich sogar Sonnenflecken erkennen.“ Wer ohne Filter in die Sonne schaut, riskiert ernste Augenschäden. Gleiches gilt für „Hausmittel“ wie berußtes Glas, eine Sonnenbrille oder Rettungsfolie.

Das sagt der Experte: Ruf des Kernschattens folgen 

Dirk Ewers

In Deutschland schauen wir unter dem Mond hindurch, weshalb eine Sonnensichel sichtbar bleiben wird, sagt Dirk Ewers. Seit 1998 reist der 46-jährige Hofgeismarer Elektromeister und Hobby-Astronom Sonnenfinsternissen hinterher. 15 hat er schon gesehen, zehn davon waren totale. Trotz des reizvollen Anblicks einer partiellen Sonnenfinsternis über Nordhessen wird er selbst dem „Ruf des Kernschattens folgen“ und die Sonnenfinsternis auf einem Flug über dem Nordpolarmeer beobachten, „dort kann man die maximale Verfinsterung etwa 2.45 Minuten erleben“. Doch nicht nur das: Das Flugzeug wird dem Kernschatten des Mondes mit etwa 900 Kilometern pro Stunde hinterherfliegen, „dadurch wird das Zeitfenster um eine Minute verlängert“, sagt Ewers. (sib)

Sonnenfinsternis-Brillen werden knapp

In Hessen werden drei Tage vor der Sonnenfinsternis die Schutzbrillen rar. Mehrere Optiker gaben auf Nachfrage an, keine "Sofi-Brillen" mehr im Lager zu haben.

In Kassel sind die Brillen zum Teil bei Optikern  ausverkauft. “Unser Bestand war innerhalb weniger Tage ausverkauft und wir bekommen bis Freitag keine mehr rein”, sagt eine Mitarbeiterin von Heini Weber an der Wilhelmstraße. Bei Hess-Optik an der Treppenstraße beispielsweise sind noch Spezialbrillen für 2,50 Euro zu bekommen.

Auch in anderen Städten gibt es Engpässe: "Die sind alle schon weg, wir hatten auch Anfragen von einigen Schulen", sagte eine Mitarbeiterin von Augenoptik Rau in Gießen. Auch bei Apollo Optik im Frankfurter Hessencenter sind die Brillen schon ausverkauft. Zwar habe man noch versucht, Brillen zu ordern, "aber wir konnten nicht mehr nachbestellen", sagte eine Optikerin.

Fielmann hatte die Brillen gar nicht erst im Programm. Wie ein Mitarbeiter sagte, seien die in Deutschland erhältlichen Brillen bei internen Kontrollen durchgefallen. (dpa/chr/sib)

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