Kurioses Sozial-Projekt in Amsterdam

Für fünf Bier und Tabak: Trinker kehren Straßen

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Zwei Dosen Bier bekommen die Teilnehmer schon zum Frühstück.

Amsterdam - Alkoholkranke kehren die Straßen, im Gegenzug gibt's Dosenbier und Tabak: Diesen kuriosen Deal macht ein Amsterdamer Stadtbezirk seinen Trinkern.

Eine Stiftung in der niederländischen Hauptstadt Amsterdam beschäftigt 19 Trinker als Straßenreiniger – und bezahlt sie dafür mit Bier. Die Suchtkranken arbeiten drei Tage pro Woche jeweils von 9 Uhr bis 15.30 Uhr und halten so Straßen und Grünanlagen sauber. Als Lohn gibt es pro Arbeitstag zehn Euro, eine halbe Packung Tabak - und fünf Dosen Bier: zwei am Morgen, zwei zum Mitagessen und nach Feierabend nochmal eine. „Wir brauchen Alkohol, um zu funktionieren“, sagte Frank, einer der Teilnehmer, der Nachrichtenagentur AFP. Das sei der Nachteil am Alkoholismus.

Organisiert wird das Projekt von der "Rainbow Foundation", die durch den Staat und Spenden finanziert wird. „Es ist unser Ziel, die Suchtkranken in einer Beschäftigung zu halten, damit sie keinen Ärger mehr machen“, erklärte die Stiftungs-Vorsitzende Gerrie Holterman der AFP. Ärger, der früher an der Tagesordnung war: Schlägereien, Lärm, wilde Pinkelei und so weiter.

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Saufen bis zum Umfallen? Keine Chance: Das Bier steht im Kühlschrank, und der Kühlschrank hat ein Schloss. Es herrsche eine Atmosphäre des Vertrauens, sagt Gerrie. Wenn sie als betreuende Solzialarbeiterin woanders hinmüsse, trage die Gruppe den Getränkekonsum eben in eine Liste ein. "Ich glaube, ich kann für die Gruppe sprechen, wenn ich sage: Wir würden hier nicht mitmachen, wenn sie uns kein Bier gäben", zitiert die AFP Frank, einen 45-jährigen Teilnehmer.

Gerrie Holterman jedenfalls ist vom Projekt überzeugt. „Jeder hat doch etwas davon: Die Teilnehmer lungern nicht im Park herum, trinken weniger, bekommen ein warmes Mittagessen und sie haben den Tag über etwas zu tun.“ Heroin-Abhängige bekämen in Fixerstuben schließlich auch Drogen verabreicht. "Warum sollten wir den Leuten kein Bier geben dürfen?"

Auf die vier Tage in der Woche, an denen die Gruppe nicht arbeitet, hatte das Projekt – zumindest bis jetzt – allerdings noch keinen Einfluss, sagt Frank: „Wenn der Supermarkt um 8 Uhr öffnet, sind wir die ersten, um uns mit ein paar Getränken einzudecken.“

std

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