Geglücktes Bremsmanöver: Pfarrer wurde zum rettenden Engel auf Autobahn

Bad Homburg. Nur wenige Sekunden hatte Sönke Krützfeld Zeit, zu entscheiden, was er tut. Der Kopf der Frau im Audi neben ihm lag auf der Seite, das hatte er durch die Scheibe gesehen.

Blitzschnell reagierte der Pfarrer am Mittwoch auf der A 5 bei Bad Homburg. Mit seinem Kleinwagen setzte er sich vor das Auto der bewusstlosen Frau und bremste das Fahrzeug aus. So brachte der 56-Jährige den außer Kontrolle geratenen Audi sicher an der Mittelleitplanke zum Stehen. Die Autofahrerin blieb unverletzt. Und auch Krützfeld passierte bei dem Manöver nichts.

Gestern konnte sich der evangelische Geistliche vor Medienanfragen nicht retten. Immer wieder erzählte er die Geschichte: Aufgefallen war ihm die Notlage der Frau dadurch, dass der Wagen vor ihm plötzlich von der rechten auf die mittlere und dann auf die linke Spur driftete. Das Auto prallte nach seinen Erinnerungen gegen einen Betonpoller und hob dadurch leicht ab. Anschließend fuhr die Frau auf der linken Spur weiter, ohne die Kontrolle über ihren Wagen zu haben.

„Ich muss helfen“

Als der Pfarrer sie überholte, sah er durch das Fenster, dass der Kopf der 32-Jährigen auf der Seite lag. „Ich habe nur gedacht: Ich muss der Frau helfen“, sagt Krützfeld. „Ich habe an nichts anderes gedacht. Das war die einzige Chance.“

Die Idee mit dem Ausbremsen hatte er sich von einem anderen Helden abgeschaut. „Ich hatte vor einigen Monaten von einem ähnlichen Fall gehört, wo sich ein Autofahrer vor ein anderes Fahrzeug gesetzt und es so zum Stehen gebracht hatte. Das hatte ich womöglich im Hinterkopf“, sagte er zur Frankfurter Neuen Presse. Warum die Frau bewusstlos wurde, war gestern noch unklar. Krützfeld und andere Helfer riefen den Notruf, nachdem das Auto stillstand. Der Pfarrer konnte die Frau ansprechen, sie war allerdings nicht in der Lage, zu antworten. „Sie war wie weggetreten“, sagt Krützfeld. Die 32-Jährige aus Offenbach wurde ins Krankenhaus gebracht, teilte die Polizei in Friedberg mit. Nach 90 Minuten sei sie wieder wohlauf gewesen.

Krützfeld ist ein erfahrener Autofahrer. Er lebt in der Nähe von Mainz und muss täglich nach Darmstadt. Dort arbeitet er als Oberkirchenrat für den Bereich Schule und Religionsunterricht bei der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Am Mittwoch war er unterwegs zu einem Termin nach Marburg. Als er am Nachmittag wieder zuhause ankam, sei er ziemlich durch den Wind gewesen, sagt Krützfeld. „Autofahren wollte ich an dem Tag auf jeden Fall nicht mehr.“

Mit Blick auf seine schnelle Entscheidung sagt der Pfarrer: „Ich bin einfach darauf gepolt, zu handeln - von kleinauf. Ich denke nie lange nach.“ Am Tag danach ist ihm vor allem eines wichtig: Er möchte anderen Autofahrern Mut machen, genauso zu handeln.

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