Australien in Trauer

Geiseldrama in Sydney: Warum war der Täter frei?

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Am Tatort legen Passanten im Gedenken an die toten Geiseln Blumen nieder.

Sydney - Einen Tag nach dem Geiseldrama in Sydney herrscht in Australien Trauer und Fassungslosigkeit. Viele Fragen um den Täter und die Geschehnisse sind offen.

+++ Der in Australien geborene Hollywood-Star Hugh Jackman ("X-Men", "Prestige", "Australia") hat sich von den Geschehnissen auf Twitter bestürzt gezeigt.

Warum war der Geiselnehmer überhaupt auf freiem Fuß?

+++ Australien sucht nach dem blutigen Geiseldrama nach Erklärungen. Premierminister Tony Abbott stellte am Dienstag die Frage, wie der 50-jährige Geiselnehmer - laut Medienberichten ein Iraner namens Man Haron Monis - angesichts seiner schillernden kriminellen Vergangenheit auf freiem Fuß sein konnte.

"Wie konnte jemand, der solch eine lange und kontroverse Vorgeschichte hatte, nicht auf den entsprechenden Beobachtungslisten stehen, und wie konnte so jemand völlig frei in der Gesellschaft unterwegs sein?", fragte Abbott. Diesen Fragen müsse nun eingehend nachgegangen werden. Den Geiselnehmer beschrieb Abbott als einen den Behörden bekannten kriminellen Extremisten, der "psychisch labil" gewesen sei.

AfD-Vergleich mit Sydney in der Kritik

+++ Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner hat Äußerungen des AfD-Sprechers Konrad Adam zum Anti-Islam-Bündnis „Pegida“ als „ungeheuerliche Entgleisung“ kritisiert. Adam hatte die Geiselnahme im australischen Sydney als Rechtfertigung für „Pegida“ herangezogen.

+++ Ein verdächtiges Paket hat im australischen Außenministerium am Dienstag vorübergehend Bombenalarm ausgelöst. Die Polizei räumte das Gebäude in Canberra, doch erwies sich das Paket schnell als harmlos, wie die Polizei mitteilte.

+++ Mehrere Straßen waren in der Umgebung des australischen Außenministeriums vorsorglich gesperrt worden. Der Alarm erfolgte wenige Stunden nach dem Ende der blutigen Geiselnahme in Sydney.

Die Opfer: der Café-Manager und eine Anwältin

+++ Bei der Geiselnahme sind eine Anwältin und der Manager des besetzten Cafés ums Leben gekommen. Die Polizei veröffentlichte am Dienstag ihre Namen: Katrina D. (38) und Tori J. (34). Vier weitere Geiseln sind verletzt worden.

Die 38-jährige Anwältin und dreifache Mutter Katrina kam bei der Geiselnahme ums Leben.

Die 38-jährige Katrina D. „war eine unserer besten und intelligentesten Anwältinnen“, teilte die Anwaltskammer von New South Wales mit. „Sie war eine hingebungsvolle Mutter von drei kleinen Kindern.“ Die Frau war mit zwei Kollegen in dem Café, das in unmittelbarer Nähe von Gerichten liegt, als ein vorbestrafter Iraner hereinstürmte und die Anwesenden als Geiseln nahm. Die beiden Kollegen überlebten.

Der 34-Jährige arbeitete nach Angaben des Senders ABC seit 2012 in dem Café. Ehemalige Mitarbeiter bezeichneten ihn als selbstlosen Chef. „Andere kamen bei ihm immer zuerst“, sagte Peter Manettas der Zeitung „Australian“. Medien berichteten, er sei gestorben, als er versuchte, dem Geiselnehmer die Waffe zu entreißen. Die Polizei bestätigte das zunächst nicht. Die Eltern von Tori J. haben in einer bewegenden Mitteilung Abschied von ihrem Sohn genommen. "Wir sind so stolz auf unseren wundervollen Sohn Tori, der zwar von uns gegangen ist, aber als erstaunlichster Lebensgefährte, Sohn und Bruder immer in unserer Erinnerung bleiben wird.

Trauer am Tatort in Sydney

Sydney am Tag nach dem Geiseldrama

Lindt zutiefst erschüttert

+++ Nach der Geiselnahme in einem Lindt-Café im Zentrum von Sydney hat sich der Schweizer Schokoladenhersteller bestürzt über den blutigen Ausgang des Dramas gezeigt. "Wir sind am Boden zerstört", erklärte Lindt am Montagabend angesichts mehrerer Toter und Verletzter, die ein derartiges "Trauma" erlebt hätten.

Blumenmeer am Tatort

+++ Am Tatort der Geiselnahme haben zahlreiche Passanten im Gedenken an die toten Geiseln Blumen niedergelegt. „In einer Großstadt vergisst man es leicht, aber wir sind doch eine Gemeinschaft“, sagte Emily Haigh am Dienstag Reportern am Martin Place. „Ich hoffe, die Menschen zeigen, dass sie dies bewegt.“ Eine Frau sang dort mit Passanten spontan das Lied „Amazing Grace“.

Motiv des Täters unklar

Die Polizei rätselt weiter über die Motive des Täters. Der 50-jährige Iraner habe eine lange Geschichte mit gewalttätigen Verbrechen, sagte der australische Premierminister Tony Abbott am Dienstag. Er sei von Extremismus besessen und psychisch labil gewesen. „Er hüllte seine Aktion in Symbole des IS-Totenkults“, sagte Abbott unter Verweis auf die IS-Terrormiliz, die im Irak und Syrien kämpft.

Marcia M. wurde bei der Geiselnahme verletzt. Nach Medienberichten zwang der Täter Marcia, auf ihrer Facebook-Seite zu veröffentlichen, es spiele sich eine Attacke der Terrormiliz auf Australien ab.

Der Mann hatte bei den Verhandlungen mit der Polizei dem Vernehmen nach eine IS-Flagge verlangt. Nach Medienberichten zwang er eine Geisel im Café, auf ihrer Facebook-Seite zu veröffentlichen, es spiele sich eine Attacke der Terrormiliz auf Australien ab.

Sydney-Geiselnahme: Was passiert war

Am Montag hatte ein als Extremist bekannter selbst ernannter Prediger - Medienberichten zufolge handelte es sich um den Iraner Man Haron Monis - 17 Geiseln im Lindt-Café in seine Gewalt gebracht. Die Polizei stürmte das Café, in dem er sich mit den Geiseln verschanzt hatte, in den frühen Morgenstunden. Zwei Geiseln kamen ums Leben, ebenso der Geiselnehmer.

Terroralarm nach Geiselnahme in Sydney

Terroralarm nach Geiselnahme in Sydney

dpa/AFP/vh

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