Geklautes Obst: Früher Mundraub, heute Diebstahl

+
Selbst wer nur einen Apfel vom einem fremden Baum pflückt, begeht streng juristisch genommen Diebstahl. Foto: Patrick Seeger

Ein Apfelast hängt verlockend nah am Straßenrand, schnell ist die Frucht gepflückt. Was für viele eine unverhoffte Wegzehrung ist, gilt gesetzlich mittlerweile streng genommen oft als Diebstahl.

Heidelberg (dpa) - Wer von den Trauben am Obststand probiert oder vom Obstbaum am Straßenrand nascht, begeht damit meist Diebstahl - wenn auch in geringem Umfang.

Bis Mitte der 1970er Jahre galt das Entwenden von "Nahrungs- und Genussmitteln in geringer Menge oder von unbedeutendem Wert zum alsbaldigen Verzehr" als Mundraub und war im Strafgesetzbuch geregelt. Da es sich juristisch gesehen nur um eine "Übertretung" handelte, war auch nur eine geringe Strafe vorgesehen.

Heute spielt es keine Rolle mehr, was entwendet wird: Egal, ob Apfel oder Armbanduhr, es handelt sich um Diebstahl, der nach Paragraf 242 Strafgesetzbuch zu ahnden ist. Werden allerdings Dinge von geringem Wert gestohlen - die Grenze liegt bei etwa 50 Euro - werden Polizei und Staatsanwaltschaft nur aktiv, wenn ein Strafantrag vorliegt.

Um beim Pflücken oder Sammeln von Obst und Gemüse auf der sicheren Seite zu sein, raten Experten, den Eigentümer ausfindig zu machen und um Erlaubnis zu fragen. Andernfalls droht juristischer Ärger. Denn herrenlose Bäume sind in Deutschland nahezu ausgeschlossen.

Wer Obst direkt vom Baum genießen will, muss nicht gleich zum Mundräuber werden. Manche Kommunen bieten ganz legale Pflückmöglichkeiten an. In der Gemeinde Kressbronn am Bodensee gibt es beispielsweise einen "Naschgarten", der in einen Rundweg integriert ist. Beim Wandern können sich Interessierte über Hopfen, Wein, Obst und Beeren informieren - und die angebauten Früchte in dem Garten gleich selbst kosten.

Infos darüber, wo man legal Obst pflücken kann, gibt es auch auf der Internetplattform Mundraub.org. Eine Karte zeigt beispielsweise an, wo das Sammeln von Bärlauch, Brombeeren oder Walnüssen erlaubt ist. "Die Vision von Mundraub ist es, heimische Obstbäume, Streuobstwiesen und Obstbaumalleen zu erhalten, um so ein fruchtiges Grundauskommen für alle zu schaffen", heißt es bei den Organisatoren der Seite.

Strafgesetzbuch

Rechtslage

Stiftung Warentest

mundraub.org

Naschgarten Kressbronn

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.