Geldwäsche und Mafia: Behörden ermitteln gegen Vatikanbank

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Der Vorstandsvorsitzende der Vatikanbank, Ettore Gotti Tedeschi. Auch gegen ihn wird ermittelt.

Rom - Die Vatikanbank hat mit einem handfesten Skandal zu kämpfen - es geht um Geldwäsche, geheime Transaktionen und die mögliche Zusammenarbeit mit der Mafia.

Im September hatten die italienischen Behörden 23 Millionen Euro von einem Konto der Vatikanbank beschlagnahmt und Ermittlungen gegen den Vorstandsvorsitzenden der Bank, Ettore Gotti Tedeschi, und den Generaldirektor Paolo Cipriani eingeleitet. Der Vatikan sprach von einem Missverständnis.

Laut den Gerichtsunterlagen beschuldigte die Staatsanwaltschaft die Bank, sich über Regelungen zur Geldwäsche hinweggesetzt zu haben, “mit der Absicht, den Besitz, das Ziel und den Ursprung des Kapitals zu verstecken“. Aus den Unterlagen geht auch hervor, dass Ermittler vermuten, katholische Geistliche könnten als Strohmänner für korrupte Geschäftsmänner und die Mafia agiert haben.

In einem anderen Fall erklärte die Finanzpolizei auf Sizilien Ende Oktober, sie habe einen Fall von Geldwäsche aufgedeckt, in dem ein Konto der Vatikanbank benutzt worden sei. Inhaber des Kontos sei ein in Rom ansässiger Priester, dessen Onkel wegen einer Verbindung zur Mafia verurteilt worden war.

Die neuerlichen Vorwürfe kommen für den Vatikan zu einer denkbar ungünstigen Zeit. Der Heilige Stuhl hat bereits mit Vorwürfen zu kämpfen, pädophile Priester geschützt oder zumindest zu lasch behandelt zu haben.

Bank war bereits mehrmals in einen Skandal verwickelt

Es ist auch nicht das erste Mal, dass die Bank in einen Skandal verwickelt ist. 1986 starb der sizilianische Finanzier Michele Sindona, nachdem er mit Gift versetzten Kaffee getrunken hatte. Sindona war vom Papst mit der Verwaltung der ausländischen Investitionen des Vatikans beauftragt worden. Wegen Verbindungen zur Mafia wurde Sindona zu einer Haftstrafe verurteilt.

In einem weiteren Skandal ging es um den mysteriösen Tod des Präsidenten der Banco Ambrosiano, Robert Calvi, der 1982 nach dem Zusammenbruch der Institution erhängt unter einer Londoner Brücke gefunden wurde. Die Banco Ambrosiano war zusammengebrochen, nachdem Kredite in Milliardenhöhe verschwunden waren, die an Scheinfirmen in Lateinamerika ausgestellt worden waren. Der Vatikan hatte der Bank Kreditbriefe dafür zur Verfügung gestellt. Die Umstände des Todes von Calvi und Sindona sind bis heute nicht geklärt.

Die Fälle belasteten nicht nur das Ansehen der Vatikanbank, sie riefen auch den Verdacht hervor, die Institution habe Verbindungen zur Mafia.

Vatikan will sich an EU-Richtlinien orientieren

Der Vatikan kündige an, sich an die von der EU vorgegebenen finanziellen Standards zu halten. Er wolle zudem eine Behörde schaffen, die für die Beobachtung der finanziellen Geschäfte zuständig sein soll.

Er sei nicht optimistisch, dass der Vatikan künftig mehr Licht in seine finanziellen Angelegenheiten bringen werde, sagte der Autor Gianluigi Nuzzi, der in seinem Buch “Vatican SpA“ über fragwürdige Geschäfte der Vatikanbank schreibt. “Ich vertraue ihnen nicht“ , sagt Nuzzi. “Nach den vorherigen großen Skandalen sagten sie 'wir werden uns verändern', und sie taten es nicht.“ Dies sei schon zu oft der Fall gewesen.

dapd

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