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Germanwings-Absturz: War der Co-Pilot  flugtauglich?

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Ein Zettel mit der Aufschrift "Wir trauern mit allen Angehörigen, die ihre Lieben durch das Unglück des Flugs 4U9525 verloren haben" hängt  in Haltern am See in einem Ladenlokal.

Hannover - Beim verhängnisvollen Germanwings-Flug 4U9525 gibt es mehr Fragen als Antworten. Im Fokus steht momentan vor allem die Frage der Flugtauglichkeit des Copiloten.

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Nach den bisherigen Erkenntnissen zur Erkrankung des Copiloten an Bord des Germanwings-Flug 4U9525 werden Fragen nach Systemschwächen bei den Piloten-Eignungstests gestellt. Die Lufthansa hat bekanntgegeben, dass der junge Flieger die Airline bereits 2009 während seiner Ausbildung über eine „abgeklungene schwere depressive Episode“ informiert habe.

Braucht die Luftfahrt neue psychologischen Tests für Piloten?

Ja und nein - sogenannte Psycho-Tests sind die Norm bei den meisten Airlines zu Beginn der fliegerischen Ausbildung, um die psychische Stabilität des Kandidaten zu ergründen. Sie finden in der Regel beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln statt. Wie bei allen anderen Menschen gibt es aber auch im Leben von Piloten Höhen und Tiefen, die regelmäßige Tests nur bedingt entdecken können. Dennoch ist nach Ansicht von Experten die Frage berechtigt, das bisherige System auf den Prüfstand zu heben, um mögliche Schwachstellen zu entdecken. In der Welt der Fliegerei ist das „Debriefing“ - die nach einem Flug oder Ereignis einsetzende konstruktive Manöverkritik - fester Bestandteil des „Glaubensbekenntnisses“ der Piloten-Branche.

War es ein Fehler, den Germanwings-Copiloten trotz seiner überstandenen Depression weiter auszubilden?

Es gibt keine rechtliche Handhabe, sobald der Flugschüler ein gültiges Tauglichkeitszeugnis von einem Facharzt vorlegt. Denn der wird sich genau anschauen, ob die Folgen der Erkrankung die Fliegertauglichkeit beeinträchtigen oder nicht. Durch einen entsprechenden Vermerk wird er gegebenenfalls Nachfolge-Untersuchungen anordnen. Viele Ausbilder werden allerdings in solchen Fällen beim Training sogar besonders genau auf mögliche Schwachstellen eines solchen Schülers achten.

Warum äußern sich so wenig andere Airlines zu ihrer Praxis?

Der Verdacht eines Pilotensuizids - bestätigt oder nicht - lastet schwer auf der Branche. Einige Piloten fühlen sich mittlerweile schon unter Generalverdacht. Er belastet weltweit das Kernelement des Airline-Transportgeschäfts: das Vertrauen der Passagiere. Viele von ihnen haben bereits beim Besteigen des Flugzeugs eine potenzielle Grundangst und das Gefühl des Ausgeliefertseins. Keine Fluggesellschaft will daher auch nur indirekt in die Nähe des Absturzes in den Alpen gerückt werden. Denn noch mehr als beim Straßen- oder Schienenverkehr müssen Passagiere der Cockpit-Crew in der Luft Vertrauen entgegenbringen.

Könnte eine Meldepflicht bei Depressionen das Problem lösen?

Viele Experten bezweifeln das. Denn eine derartige Pflicht könnte Piloten dazu bewegen, anders als bisher medizinische Hilfe zu meiden und ihre Probleme zu verheimlichen. Arbeitsmediziner weisen zudem darauf hin, dass nur einige wenige psychische Erkrankungen auf Dauer von der Flugtätigkeit ausschließen - das Krankheitsbild ist extrem vielschichtig. Zudem könnte eine solche Meldepflicht das auf Vertraulichkeit basierende Arzt-Patienten-Verhältnis zudem nachhaltig schädigen, so die Befürchtungen.

dpa

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