Nach Germanwings-Katastrophe

Mediziner und Piloten gegen Lockerung der Schweigepflicht

Frank Ulrich Montgomery
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Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery ist gegen eine Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht.

Seyne-Les-Alpes - In der Diskussion um Konsequenzen aus dem Absturz der Germanwings-Maschine haben sich Ärzte, Psychotherapeuten und Piloten gegen Forderungen nach einer Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht gewandt.

Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery kritisierte am Dienstag eine "gefährliche Diskussion" und warnte vor einer Ausgrenzung psychisch kranker Menschen. Derweil wurde am Absturzort bei Seyne-les-Alpes die Suche nach dem weiter verschollenen Flugdatenschreiber fortgesetzt.

Die Debatte über Konsequenzen aus dem Airbus-Absturz erhielt neue Nahrung, nachdem die Staatsanwaltschaft Düsseldorf am Montag Einzelheiten über die Erkrankung des deutschen Copiloten mitgeteilt hatte. Der 27-Jährige war demnach vor Erwerb des Pilotenscheines wegen Suizidgefahr behandelt worden. Der Copilot soll den Airbus absichtlich zum Absturz gebracht und 149 Menschen mit in den Tod gerissen haben.

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Montgomery bezeichnete es im Bayerischen Rundfunk als "hochgradige Stigmatisierung", wenn jemand "als Jugendlicher oder als Kind in einer psychotherapeutischen oder psychiatrischen Behandlung war und das für ihn impliziert, dass er nie in seinem Leben mehr Pilot werden könnte oder einen anderen wichtigen, von ihm geliebten Beruf ergreifen könnte". Die allermeisten dieser Kranken würden hundertprozentig geheilt. "Deswegen halte ich das für eine ganz gefährliche und ganz vorschnelle und viel zu leichtfertige Diskussion, die wir da im Moment führen."

Auch der Bundesvorsitzende der Deutschen Psychotherapeuten-Vereinigung, Dieter Best, verwies darauf, dass "den allermeisten psychisch Kranken" mit einer Psychotherapie geholfen werden könne. "Mit der Auflockerung der Schweigepflicht wäre nichts gewonnen, im Gegenteil, es würde großer Schaden angerichtet", erklärte Best in Berlin.

Der Präsident der Pilotengewerkschaft Cockpit, Ilja Schulz, lehnte Lockerungen bei der Schweigepflicht von Ärzten ebenfalls mit Nachdruck ab. Solche Anregungen könne es nur von Menschen geben, die mit der Branche nicht vertraut seien, sagte Schulz der "Rheinischen Post". Nur bei einer Schweigepflicht könne der Arzt "echte Hilfe anbieten".

Der Luftfahrtpsychologe Reiner Kemmler äußerte sich skeptisch zum Nutzen von psychologischen Standard-Tests bei Piloten. "Die Wahrheit ist, dass es auch mit regelmäßigen Untersuchungen keine hundertprozentige Sicherheit geben wird", sagte der langjährige Lufthansa-Psychologe der Zeitschrift "Stern". "Auf standardisierte Tests kann man sich vorbereiten und sie auf diese Weise unterlaufen - gerade intelligente Menschen wie Piloten."

Der Absturzort des Germanwings-Airbus in den französischen Alpen kann seit Dienstag über eine neu gebaute Straße erreicht werden. Experten und Polizisten setzten die Suche nach sterblichen Überresten der 150 Toten sowie nach dem zweiten Flugschreiber fort. "Mit Stangen wird in der losen Erde sondiert", hieß es bei der Polizei. "Wir vermuten, dass die Blackbox verschüttet wurde."

Nach dem Absturz der Maschine veranschlagte ein Versicherungskonsortium um die deutsche Allianz 300 Millionen Dollar (279 Millionen Euro) an Kosten für die Lufthansa-Gruppe. "Ich kann bestätigen, dass 300 Millionen Dollar zurückgestellt worden sind", sagte eine Sprecherin der Germanwings-Muttergesellschaft Lufthansa in Frankfurt am Main. Sie bestätigte damit einen Bericht des "Handelsblatts".

Germanwings-Absturz: Chronologie der Ereignisse

AFP

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