Klinik hatte ihn abgewiesen

US-Ebola-Patient hatte Kontakt zu 80 Menschen

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Rick Perry, Gouverneur von Texas (am Rednerpult) am Mittwoch bei seiner Ansprache zum Thema Ebola.

Dallas - Der Ebola-Patient in den USA hatte Kontakt zu etwa 80 Personen. Sie wurden jetzt unter Beobachtung genommen. Eine Klinik hatte ihn zunächst abgewiesen.  

Nach der ersten Ebola-Diagnose in den USA haben die Behörden im Bundesstaat Texas Medienberichten zufolge bis zu 80 Menschen unter Beobachtung genommen. Keiner von ihnen habe bislang Symptome einer Erkrankung gezeigt, berichtete der Nachrichtensender CNN am Donnerstag.

Die Gruppe umfasst demnach die direkten Kontakte des Patienten sowie deren Kontakte der letzten Tage. Freunde berichteten der „Washington Post“, für den Liberianer sei ein Festessen gegeben worden - dabei sei er mit vielen Menschen in Kontakt gekommen, darunter fünf Kindern im Schulalter. Schüler ihrer Schule hätten einen Brief mitbekommen, der die Eltern über die Umstände informiere. Sie sollten auf Symptome achten, Grund zur Sorge gebe es aber nicht.

Die Behörden wiesen nach eigenen Angaben zudem vier "enge Familienmitglieder" des Mannes an, ihre Häuser nicht zu verlassen und keinen Besuch zu empfangen. Die Kontaktsperre gilt bis zum 19. Oktober. Die Angehörigen müssen Blutproben abgeben und sich regelmäßig untersuchen lassen.

Klinik hatte ihn nicht ernst genommen

Der 42-Jährige war für einen Familienbesuch aus Liberia gekommen und hatte in Texas Krankheitssymptome gespürt - war aber von der Klinik zunächst nicht ernst genommen worden. Erst zwei Tage später habe das Krankenhaus ihn tatsächlich auf Ebola untersucht. Das Virus wurde im Körper des Mannes eindeutig nachgewiesen.

Trotz Fiebers und Schmerzen sei sein Onkel vom Krankenhaus abgewiesen worden, sagte sein Neffe dem Sender NBC. „Ich musste die (Bundesgesundheitsbehörde) CDC anrufen, damit etwas passierte. Ich hatte Angst um sein Leben und er hat nicht die angemessene Hilfe bekommen.“ Von Atlanta aus habe die Behörde dann die Einweisung des 42-Jährigen angewiesen. Er habe zudem befürchtet, dass sein Onkel andere Menschen anstecken werde, solange dieser nicht in eine Klinik kommt, sagte der Neffe.

Er hatte einer erkrankten Schwangeren geholfen

Nach Recherchen der "New York Times" war der Patient in seiner Heimat Liberia am 15. September mit einer an Ebola erkrankten Frau in Kontakt gekommen. Der Mittvierziger habe geholfen, eine 19-Jährige mit einem Taxi in ein Krankenhaus der Hauptstadt Monrovia zu bringen. Die junge Frau sei dort abgewiesen worden, weil es nicht genügend Platz gegeben habe. Auf dem Rückweg half er demnach, die im siebten Monat schwangere Frau zu tragen. Später an diesem Abend sei die Frau verstorben.

Keine Ansteckungsgefahr für seine Mitreisenden

Der 42-Jährige war dann von Monrovia über Brüssel und Washington nach Dallas geflogen. Krankheitssymptome wurden aber erst in den USA festgestellt. Sein Zustand wird als ernst beschrieben.

Im Flugzeug ist von dem Patienten nach Einschätzung des Hamburger Virusexperten Jonas Schmidt-Chanasit noch keine Ansteckungsgefahr ausgegangen. „Der Mann war nicht erkrankt, als er im Flieger war. Da ist das Risiko null“, sagte der Leiter der Virusdiagnostik des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin. Mitreisende könnten sich nur bei erkrankten Personen infizieren, die Fieber haben oder andere Beschwerden zeigten. Durch den internationalen Flugverkehr sei es möglich, „dass mal so ein Fall nach Deutschland importiert wird“. „Es wird aber niemals bei uns zu so einem Ausbruch kommen wie in Westafrika. Unser Gesundheitssystem und unsere kulturellen Voraussetzungen sind ganz andere.“

WHO: Zahl der Neuinfektionen sinkt

Unterdessen sieht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) leichte Anzeichen für eine Besserung der Ebola-Situation in Westafrika. In den drei am stärksten betroffenen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone sei die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen die zweite Woche in Folge gesunken, teilte die Organisation in Genf mit. Grund für den Rückgang sei in erster Linie Monrovia. In der vergangenen Woche sei in der Hauptstadt Liberias keine einzige Neuerkrankung gemeldet worden. Allerdings würden nicht alle Infektionen den Behörden mitgeteilt, hieß es weiter.

Mindestens 1500 Dosen eines experimentellen Ebola-Impfstoffes sollen Anfang 2015 für medizinisches Personal und andere Helfer in Westafrika eingesetzt werden. Kanada spendete der Weltgesundheitsorganisation die Substanz, die erstmals in den nächsten Tagen in den USA an gesunden Probanden getestet werden soll. Tests mit einem zweiten erfolgversprechenden Impfstoff laufen bereits seit September in den USA und Großbritannien.

dpa

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