"Großmütter der Plaza de Mayo"

Oma findet geraubte Enkelin wieder? DNA-Analyse lässt zweifeln

Clara Anahi Teruggi (rechts) und ihre Großmutter María (Chicha) Mariani sind nach 39 Jahren wieder vereint.
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Clara Anahi Teruggi (rechts) und ihre Großmutter María (Chicha) Mariani sind nach 39 Jahren wieder vereint.

Buenos Aires - Ihre Geschichte klang wie ein Wunder: Eine der Gründerinnen der Menschenrechtsgruppe "Großmütter der Plaza de Mayo" hat nach 39 Jahren ihre während der Militärdiktatur in Argentinien verschwundene Enkelin wiedergefunden. Doch DNA-Tests lassen nun zweifeln.

Wie die argentinische Regierung am Freitag mitteilte, ist bei zwei Genanalysen herausgekommen, dass es sich bei der 39-jährigen Frau nicht um Enkelin der Gründerin der Menschenrechtsgruppe Großmütter der Plaza de Mayo, María "Chicha" Mariani, handeln kann.

Die von Mariani ins Leben gerufene Stiftung Anahí hatten die Wiedervereinigung von Großmutter und Enkelin am Heiligabend vermeldet. Nach 39-jähriger Suche seien Mariani und ihre Enkelin Clara Anahí endlich wieder vereint, erklärte die Stiftung auf ihrer Facebook-Seite. Sie stützte sich bei den Angaben auf einen DNA-Test eines Privatlabors, der mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,9 Prozent eine Verwandtschaft zwischen den beiden Frauen ergeben hatte.

500 Kinder wurden Regimekritikern in der Militärdiktatur geraubt

Am Freitag teilte die Behörde für die Suche nach vermissten Kindern jedoch mit, dass zwei offizielle DNA-Tests keine Verwandtschaft zwischen den beiden Frauen ergeben hätten. Es gebe keine Überstimmung zwischen dem genetischen Profil der angeblichen Enkelin und der Familie Mariani oder einer anderen nach einem vermissten Kind suchenden Familie, sagte Behördenchef Pablo Parenti. Der zweite Test wurde demnach von der Nationalen Genetischen Datenbank erstellt, die in Vermisstenfällen offiziell die biologische Abstammung klärt.

Mariani rief in einer Erklärung zur "Vorsicht" auf. Das Ergebnis des zweiten Tests müsse noch bestätigt werden. Sie kündigte für Samstag eine Pressekonferenz an.

Zunächst hatte es geheißen, die 92-Jährige María Isabel Chorobik de Mariani habe die 1976 im Alter von drei Monaten entführte und regimetreuen Pflegeeltern zugewiesene Clara Anahí wiedergetroffen. Das teilte die Stiftung Anahí mit. Die heute 39 Jahre alte Clara Anahí war ihren Eltern entrissen worden, die ermordet wurden. Ihre Großmutter hatte in Briefen, mit Fotos der Eltern und internationalen Petitionen nach ihr gesucht.

„Meine liebe Clara Anahí, das sind deine Eltern Diana Teruggi und Daniel Mariani“, hatte sie bei Facebook geschrieben. „Du wurdest in der Stadt La Plata am 12. August 1976 geboren. Mit drei Monaten, am 24. November, nahmen dich Militärs aus deinem Haus mit und Du wurdest an eine andere Familie übergeben.“

Großmütter der Plaza de Mayo klärten 119 Fälle auf

In der Zeit der argentinischen Militärdiktatur zwischen 1976 und 1983 raubte die Junta etwa 500 Kinder von Regimekritikern. Viele der Mütter kamen schwanger in die Junta-Gefängnisse und gebaren hinter Gittern. Die Babys wurden regimetreuen Familien zur "Adoption" zugewiesen, die leiblichen Eltern wurden getötet. Unzählige der Kinder wuchsen in dem Glauben auf, sie lebten bei ihren leiblichen Eltern.

Die Großmütter der Plaza de Mayo und die Schwesterorganisation Mütter der Plaza de Mayo konnten bei ihrer landesweiten Suche nach den zwangsadoptierten Kindern bislang 119 Fälle aufklären. Die 39-Jährige, deren Name bislang nicht bekanntgegeben wurde, wurde als das 120. gestohlene Baby präsentiert, dessen wahre Identität nun ausfindig gemacht worden sei. Im August 2014 hatte die langjährige Vorsitzende der Großmütter der Plaza de Mayo, Estela Carlotto, nach 36-jähriger Suche ihren von den Militärs geraubten Enkel wiedergefunden.

AFP/dpa

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