Bergwerks-Unglück in Soma

Todeskampf: Nur ein Schutzraum für 6500 Kumpel

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Hunderte Gräber wurden in Soma für die getöteten Kumpels ausgehoben.

Soma - In der Zeche von Suma soll es für 6500 Kumpel lediglich einen Schutzraum gegeben haben. Es gibt Hinweise, dass die eingeschlossenen Kumpel einen furchtbaren Todeskampf führen mussten.

Nach dem Grubenunglück von Soma sind Hinweise auf den furchtbaren Todeskampf der eingeschlossenen Kumpel bekanntgeworden. Die Nachrichtenagentur Dogan (DHA) berichtete am Donnerstag unter Berufung auf Rettungskräfte, 14 Kumpel hätten in dem einzigen Schutzraum in der Zeche Zuflucht gesucht. In dem nur fünf Quadratmeter großen Raum hätten sie sich an den Masken abgewechselt, bis der Sauerstoff aufgebraucht gewesen sei. Dann seien sie erstickt. Die Retter hätten die 14 Leichen übereinanderliegend gefunden. DHA berichtete, in der Zeche habe es für 6500 Kumpel nur diesen einen Schutzraum gegeben.

Hunderte Gräber für Gruben-Opfer ausgehoben

Zwei Tage nach dem verheerenden Unglück sind in Soma mehr als 200 Gräber ausgehoben und viele der getöteten Kumpel beerdigt worden. Mit Hilfe von Freiwilligen seien mehr als 200 Gräber ausgehoben worden, sagte ein Totengräber auf dem Friedhof des Ortes. Ein dpa-Reporter berichtete, mehrere Beerdigungen hätten am Donnerstag parallel stattgefunden. Zeitgleich wurden mehrere Reihen neuer Gräber gegraben. Die Särge seien mit Lastwagen zum Friedhof gebracht worden. Energieminister Taner Yildiz sagte am Donnerstag, von den bislang 282 Toten seien 217 identifizierte Leichen an die Familien übergeben worden.

Hartes Vorgehen gegen Demonstranten

Indes ist die Polizei in der westtürkischen Küstenmetropole Izmir mit Tränengas und Wasserwerfern gegen Tausende Demonstranten vorgegangen. Rund 20 000 Menschen hätten sich an der Demonstration am Donnerstag beteiligt, berichteten türkische Medien. Der Chef des linken Gewerkschaftsbündnisses DISK, Kani Beko, sei vorne bei dem Protestmarsch mitgelaufen und bei den Zusammenstößen kollabiert. Er sei in ein Krankenhaus gebracht worden. Mehrere Gewerkschaften haben für diesen Donnerstag zum Streik aufgerufen. Bereits am Mittwochabend war es in Istanbul und Ankara zu Zusammenstößen gekommen.

Özdemir fordert von Erdogan „Konsequenzen“

Grünen-Chef Cem Özdemir hat den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan zu einer konsequenten Aufklärung aufgefordert. „Es muss jetzt eine ernsthafte, neutrale Untersuchung des Unglückes und explizit auch der möglichen Versäumnisse und Verantwortung der Regierung geben, mit entsprechenden Konsequenzen“, erklärte Özdemir am Donnerstag. Erdogan sei „auch der Ministerpräsident der Bergarbeiter und nicht nur der Konzerne“, so Özdemir.

Verheerendes Unglück in türkischem Bergwerk

Verheerendes Unglück in türkischem Bergwerk

Gesetze müssten in die Tat umgesetzt werden und dürften nicht nur auf dem Papier bestehen. „Das Unglück zeigt auch, dass die Türkei in Sachen Sicherheit und Arbeitsschutz dringend aufholen muss“, erklärte der Grünen-Chef.

Ein Berater Erdogans hatte am Donnerstag für Empörung gesorgt, nachdem er einen am Boden liegenden Demonstranten am Ort des Grubenunglücks getreten hatte.

dpa

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