"Das heiße Wasser tut so gut´"

Projekt: In diesem Bus können Obdachlose duschen

Lava Mae, Bus, Dusche
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Dieser Bus ist eine Dusche auf Rädern. In San Francisco steigt die Zahl der Obdachlosen - und die mobilen Sanitäranlagen sollen diesen Menschen helfen. Das „Lava Mae“-Projekt könnte weltweit Nachahmer finden.
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Dieser Bus ist eine Dusche auf Rädern. In San Francisco steigt die Zahl der Obdachlosen - und die mobilen Sanitäranlagen sollen diesen Menschen helfen. Das „Lava Mae“-Projekt könnte weltweit Nachahmer finden.
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Dieser Bus ist eine Dusche auf Rädern. In San Francisco steigt die Zahl der Obdachlosen - und die mobilen Sanitäranlagen sollen diesen Menschen helfen. Das „Lava Mae“-Projekt könnte weltweit Nachahmer finden.

San Francisco - In San Francisco steigt die Zahl der Obdachlosen - und diese mobilen Sanitäranlagen in Bussen sollen diesen Menschen helfen. Das „Lava Mae“-Projekt könnte weltweit Nachahmer finden.

April Grams sitzt geduldig vor einem knallblauen Bus, der auf der Polk Street in San Franciscos Tenderloin-Viertel parkt. Sie hat eine Pyjamahose an, ihre Haare stecken unter einer Wollmütze. Die 34-Jährige wartet auf eine Dusche. Hier leben viele Obdachlose, auch Grams schläft in Hauseingängen und Straßenecken der US-Westküstenstadt. Duschen war für sie ein seltener Luxus, bis sie den Bus mit der Aufschrift „One Shower at a Time“ entdeckte. „Das heiße Wasser tut so gut“, strahlt Grams. Einmal pro Woche sucht sie nun die mobile Dusche des Lava-Mae-Projekts auf.

Den Namen Lava Mae, abgeleitet aus dem Spanischen lavame (wasch mich), und das gesamte Pilotprojekt für Obdachlose in San Francisco hat sich die frühere PR-Fachfrau Doniece Sandoval (53) ausgedacht. „Mir lief eine junge Frau über den Weg, die weinend erzählte, dass sie sich ständig schmutzig fühle.“ Das war der Anstoß zu helfen, statt die Nase zu rümpfen. „Es gibt so viele Berichte über Schmutz, Kot und Obdachlose auf den Straßen, aber keiner macht sich Gedanken, wie wenige Toiletten und Duschen es für diese Menschen gibt.“

Nach Schätzungen der Stadt leben über 7000 Obdachlose in San Francisco. Nur eine Handvoll Notunterkünfte bieten ihnen Duschen an. Nach den Statistiken der US-Bundesbehörden führen New York und Kalifornien die Liste der Staaten mit den meisten Obdachlosen an.

In San Francisco und dem benachbarten Silicon Valley, einer Region mit vielen Internet-Konzernen, fällt der krasse Gegensatz von Arm und Reich immer mehr auf. Der Boom der gut zahlenden Technikfirmen treibt die Mietpreise in die Höhe. Ein normaler Job ist längst keine Garantie mehr, dass man sich eine Wohnung leisten kann.

Sandoval hakte bei der Stadt und bei Hilfsorganisationen nach, sie klopfte bei Tech-Firmen wie Google und Salesforce an, mit Geldsammeln im Internet und Spenden brachte sie ihr Projekt im vorigen Jahr ins Rollen.

Zwei ausrangierte Stadtbusse wurden umgerüstet, je zwei geräumige Duschkabinen mit Toilette und Waschbecken eingebaut. Sie sind an fünf Tagen pro Woche in verschiedenen Stadtvierteln mit einem Busfahrer und freiwilligen Helfern im Einsatz.

Steve Ogren tritt frisch gewaschen und gekämmt auf den Bürgersteig. Handtücher, Shampoo und frische Socken gibt es gratis dazu. „Nun sieht man mir nicht an, dass ich seit elf Monaten auf der Straßen lebe“, meint der 54-Jährige. Er ist auf Jobsuche, zehnmal hat er in den vergangenen paar Wochen in dem Bus geduscht. Und davor? „Ab und zu mal bei Freunden oder wochenlang gar nicht“, berichtet der Arbeitslose. Seine Habseligkeiten hat er in einer Reisetasche bei sich.

Mehr als 30 Männer und Frauen stehen an manchen Tagen auf der Warteliste. „Das ist oft der einzige Ort, wo sie für sich sind und ihre Würde zurückbekommen“, sagt Sandoval. „Wir wollen ihnen wieder auf die Sprünge helfen. Wer sauber ist, kann sich besser für einen Job bewerben.“

Die Dankbarkeit der Menschen treibt Sandoval und ihr kleines Team an. Einige haben seit Monaten nicht mehr geduscht, obdachlose Eltern bringen ihre Kinder. „Wir sehen jedes Alter und jede Hautfarbe. Neulich kam eine 94-jährige Frau, die ihre Wohnung verloren hatte. Manche weinen, andere sind einfach nur überglücklich.“

Lisa Olswing ist seit einem Jahr als freiwillige Helferin dabei. Sie kennt viele Obdachlose beim Namen, einige fallen ihr um den Hals. Sie hört sich ihre Geschichten an. „Früher habe einfach weggeguckt und Bettler auf der Straße ignoriert. Doch nun sehe ich, was diese Leute durchmachen“, sagt die 53-jährige Geschäftsfrau. Olswing packt mit an. Warteliste checken, Handtücher bereitlegen, nach jedem Besucher die Sanitäranlage putzen. „Es gab schon mal ein paar schmutzige Momente, doch das macht mir nichts aus“, grinst die Helferin.

Die Stadt San Francisco gibt Lava Mae Rückendeckung. Die Busse werden mit Wasser von Straßenhydranten gespeist, das Schmutzwasser läuft über Schläuche in die Kanalisation.

Sandoval hat ehrgeizige Ziele. Bis 2020 sollen Dusch-Busse für 30 000 Obdachlose durch ganz Kalifornien rollen. Das Projekt erregt auch weltweit Aufmerksamkeit. „Wir haben Anfragen für unser Know-how aus Afrika, Südkorea und der Mongolei bekommen“, erzählt die Leiterin.

Lava Mae wird auch von der Londoner Organisation ICSF (International Centre for Social Franchising) unterstützt. Die Gruppe hilft, soziale Initiativen weltweit zu verbreiten. „Obdachlosigkeit ist weltweit ein wachsendes Problem“, berichtet ICSF-Mitarbeiterin Cho Kim in San Francisco.

April Grams macht es nichts aus, eine Weile auf ihre Dusche zu warten. Sie scherzt mit Helfern und hört vor dem Bus Musik. Vor allem redet sie gerne darüber, wie wichtig dieser Service ist. „Leute mit Wohnungen verstehen das sicher nicht. Auch Obdachlose wollen mal duschen, wenigstens einmal pro Woche, und dann zehn Minuten lang.“

dpa

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