Fährunglück

Lösten blinde Passagiere das Feuer aus?

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Das ausgebrannte Wrack der Fähre.

Rom - Die Aufklärung des Fährunglücks in der Adria wird lange dauern. Doch es gibt bereits eine ungeheuerliche Theorie, wie das Feuer ausgebrochen sein könnte.

Spekuliert wird weiter über die Ursache des Feuers, das im Fahrzeugdeck ausbrach. Dort waren laut Zeugen viele Laster mit Olivenöl geparkt. Mutmaßungen, wonach blinde Passagiere sich mit einem Feuer wärmen wollten und so den Brand auslösten, bestätigten die Behörden bisher nicht.

Alles sei voll mit Olivenöl gewesen, sagte auch die Münchnerin Kilger. Auch sie sei mit einem Bekannten aus München in Griechenland zur Olivenernte gewesen.

98 Schiffbrüchige bleiben verschwunden

Drei Tage nach dem Fährunglück in der Adria rätseln die italienischen Behörden noch über den Verbleib von fast 100 Schiffbrüchigen. „Es gibt 98 Personen, von denen es noch keine Nachrichten gibt“, sagte der ermittelnden Staatsanwalt von Bari, Giuseppe Volpe, am Mittwoch. Unklar sei der Verbleib eines Frachters, der bei der Rettung nach dem Brand der „Norman Atlantic“ geholfen hatte. Am Vortag hatte Volpe von mehr als 170 Menschen gesprochen, die vermutlich auf verschiedenen Schiffen von der Unglücksstelle nach Griechenland gebracht worden seien.

Das Abschleppen des Schiffswracks vor der Küste Albaniens verzögerte sich wegen des schlechten Wetters weiter. Befürchtet wird, dass in den Decks mehr Opfer sind, da sich auf der Fähre laut Behörden blinde Passagiere versteckt hatten.

Überlebende: "Es war wie in der Hölle"

Die Vorwürfe der Passagiere der „Norman Atlantic“, die zur griechischen Anek Lines gehörte, werden derweil immer lauter. „Es war wie in der Hölle, die ganze Zeit Rauch, Rauch, Rauch“, sagte eine Überlebende aus München, Ute Kilger, der Deutschen Presse-Agentur. „Die Crew war nicht anwesend, es gab keinen Ansprechpartner, niemanden, der Informationen hatte, niemanden, der einen beschützt hat.“

Das Feuer war am Sonntag nordwestlich der griechischen Insel Korfu im Fahrzeugdeck ausgebrochen. 427 Menschen wurden gerettet, mindestens 13 Menschen starben, darunter zwei Einsatzkräfte.

Beim Betreten der Fähre habe sie bereits ein schlechtes Gefühl gehabt, sagte die 54-Jährige. „Das Schiff war alt und klein, nicht wie eine richtige Fähre.“ Eigentlich hätten sie ein anderes Schiff gebucht gehabt.

Auf einer Seite des Schiffs seien Rettungsboote verbrannt. Erst nach Stunden wurde Kilger von einem Hubschrauber nach Brindisi geflogen. „Im Großen und Ganzen muss man glücklich sein, dass so viele Menschen gerettet wurden“, sagte sie und dankte ausdrücklich ihren italienischen Rettern.

Ermittlungen gegen den Kapitän und die Reederei

Der Kapitän Argilio Giacomazzi wurde nach der Ankunft in Brindisi in der Nacht mehr als fünf Stunden befragt. Gegen ihn und die italienische Reederei Visemar, die das Schiff verchartert hatte, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung, Körperverletzung und Herbeiführens einer Havarie. Laut Nachrichtenagentur Ansa erklärte der Kapitän, zunächst - um keine Panik auszulösen - wie vorgesehen die Besatzung alarmiert und dann den Alarm im ganzen Schiff ausgelöst zu haben. Passagiere hatten kritisiert, dass es keinen Alarm auf der Fähre gegeben habe.

dpa

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