Trotz internationaler Proteste

Vergewaltiger erstochen: Frau hingerichtet

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Die Iranerin Rejhaneh Dschabbari hat nach eigenen Angaben vor sieben Jahren ihren Vergewaltiger mit einem Messer getötet: Jetzt ist die 26-Jährige wegen Mordes hingerichtet worden.

Teheran - Die Iranerin Rejhaneh Dschabbari hat nach eigenen Angaben vor sieben Jahren ihren Vergewaltiger mit einem Messer getötet: Jetzt ist die 26-Jährige wegen Mordes hingerichtet worden.

Trotz internationaler Appelle ist im Iran am Samstag eine 26-jährige Frau nach fünf Jahren in der Todeszelle wegen Mordes hingerichtet worden. Die Innenarchitektin Reyhaneh Dschabbari sei im Morgengrauen gehängt worden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Irna unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft in Teheran. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International, Washington und London verurteilten die Hinrichtung.

Die 26-Jährige war 2009 wegen Mordes an dem Chirurgen und früheren Geheimdienstmitarbeiter Mortesa Abdolali Sarbandi im Jahr 2007 zum Tod verurteilt worden. Dem UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte im Iran, Ahmed Shaheed, zufolge hatte Sarbandi die Frau als Innenarchitektin engagiert. In seiner Wohnung soll er die damals 19-Jährige körperlich und sexuell angegriffen haben, woraufhin sie ihn in Selbstverteidigung erstochen habe.

Die iranische Nachrichtenagentur Irna meldete dagegen am Samstag unter anderem unter Berufung auf ein ärztliches Gutachten, Dschabbari habe Sarbandi in den Rücken gestochen und vorsätzlich getötet. Die iranische Justiz verwies darauf, dass die junge Frau in einer SMS an einen Freund angekündigt habe, dass sie Sarbandi "diesen Abend töten" werde. Zwei Tage vor der Tat habe sie zu diesem Zweck ein Küchenmesser gekauft.

Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Jen Psaki, verurteilte die Hinrichtung. Es gebe "ernsthafte Bedenken" zu den Umständen des Falls. Auch bestünden Zweifel, ob der Prozess im Jahr 2009 "fair" geführt worden sei. Berichten zufolge seien Geständnisse unter "starkem Zwang" zustande gekommen.

Der für den Nahen Osten zuständige britische Minister Tobias Ellwood erklärte sein "tiefes Bedauern" über die Vollstreckung des Todesurteils und verwies auf Londons Proteste vor der Hinrichtung durch den Strang. Amnesty International sprach von einem "neuen Fleck in der Bilanz der Menschenrechte im Iran".

Neben Menschenrechtlern und Prominenten im Iran hatten auch viele Menschen im Ausland eine Aussetzung der Todesstrafe für die junge Frau gefordert. Nach Angaben der Vereinten Nationen und internationaler Menschenrechtsgruppen kam Dschabbaris Geständnis unter massivem Druck und Drohungen seitens der Anklage zustande. Die UNO hat bereits mehr als 250 Hinrichtungen im Iran in diesem Jahr gezählt.

Sarbandis Familie durfte gemäß dem im Iran geltenden islamischen Recht, der Scharia, auf der Hinrichtung bestehen oder Dschabbari davor bewahren. Um eine Begnadigung durch die Angehörigen des Opfers zu erreichen, hatte die iranische Justiz den Hinrichtungstermin in den vergangenen Wochen mehrfach verstreichen lassen. Doch die Familie lehnte ab.

Im April hatte Sarbandis Sohn Dschalal in einem Zeitungsinterview über Dschabbari gesagt: "In ihrem Geständnis hat sie gesagt, dass ein Mann sich in der Wohnung befand in dem Moment, da mein Vater erstochen wurde. Doch sie weigert sich, seine Identität zu nennen". Er fügte hinzu: "Wenn sie die Wahrheit sagt, wird sie begnadigt". Wenn nicht, werde sie hingerichtet.

AFP/dpa

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