Studie der Vereinten Nationen

Im Jahr bekommen 7,3 Millionen Minderjährige ein Kind

New York - Schockierende Zahlen der Vereinten Nationen: Jedes Jahr bringen 7,3 Millionen Mädchen unter 18 Jahren ein Kind zur Welt. Zwei Millionen von ihnen sind jünger als 14 Jahre.

Jedes Jahr bringen 7,3 Millionen Mädchen unter 18 Jahren ein Kind zur Welt. Zwei Millionen von ihnen sind jünger als 14 Jahre. Das geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten Jahresbericht des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) hervor. Vor allem junge Mädchen litten unter schweren gesundheitlichen und sozialen Folgen der Schwangerschaft. Den Daten zufolge sterben weltweit jedes Jahr 70.000 Mädchen wegen Komplikationen während Schwangerschaft und Geburt.

Eine frühe Mutterschaft beeinträchtigt laut dem Bericht auch die Ausbildung und die Rechte der Mädchen. Sie könnten ihre Möglichkeiten nicht entfalten; dies habe auch nachteilige Wirkung auf ihre Kinder. Zudem erlitten die Volkswirtschaften erhebliche Schäden durch Teenagerschwangerschaften.

Als Beispiel verweist der Bericht auf Kenia: Dort verliere die Volkswirtschaft durch 200.000 Schwangerschaften von Jugendlichen im Jahr umgerechnet fast 2,5 Milliarden Euro, weil die Mädchen nicht am Erwerbsleben teilnähmen. Diese Summe entspreche dem Beitrag des gesamten Bausektors des Landes zur Wirtschaftsleistung. In den Vereinigten Staaten schafften laut UNFPA nur die Hälfte der jugendlichen Mütter einen High-School-Abschluss bis zum 22. Lebensjahr; von den anderen Mädchen seien es neun von zehn. Der Ausfall belaste den Steuerzahler in den USA mit umgerechnet acht Milliarden Euro.

Um die mit Teenagerschwangerschaften verbundenen Probleme anzugehen, sei neben einer Verhaltensänderung der Mädchen auch eine andere Haltung der Gesellschaft nötig, so der UN-Bevölkerungsfonds. Dazu gehöre, Mädchen in der Schulausbildung zu halten, Kinderehen zu unterbinden und den Umgang mit Geschlechterrollen zu verändern. Mädchen brauchten Zugang zu Verhütungsmitteln und frauenärztlicher Versorgung; junge Mütter müssten besser unterstützt werden.

„Zu oft gibt die Gesellschaft nur dem Mädchen die Schuld daran, dass es schwanger wird“, sagte UNFPA-Direktor Babatunde Osotimehin. In den meisten Fällen sei eine Teenagerschwangerschaft jedoch nicht Ergebnis einer überlegten Entscheidung, sondern resultierte aus mangelnden Wahlmöglichkeiten und äußeren Umständen. Dazu zählten „wenig oder kein Zugang zu Schulbildung, Beschäftigung, verlässlicher Information und Gesundheitsfürsorge“, so Osotimehin.

Der UNFPA-Direktor in Deutschland, Werner Haug, betonte bei der Vorstellung des Berichts in Berlin, die Wahrscheinlichkeit einer frühen Schwangerschaft steige, wenn Mädchen arm und wenig gebildet seien. Auch Faktoren wie die gesellschaftliche Akzeptanz von Kinderehen und sexualisierte Gewalt spielten eine wichtige Rolle. Nach Haugs Angaben bekommen in Entwicklungsländern täglich 20.000 Mädchen unter 18 Jahren ein Kind.

Die Geschäftsführerin der Stiftung Weltbevölkerung, Renate Bähr, betonte, die Vermeidung von Teenagerschwangerschaften könne nur dann erfolgreich sein, wenn Mädchen gleichberechtigt seien. Sie brauchten bessere Bildung, Zugang zu altersgerechter, umfassender Aufklärung und Verhütung. Zudem müssten sie bessere Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt bekommen. Dabei müsse das Umfeld der Mädchen, ihre Familien, die Partner, Lehrer und politische Entscheidungsträger miteinbezogen werden.

KNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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