Jugendlicher Schlägertrupp: So entsetzt ist die Schweiz

Hauptthema in der Schweiz: Die jugendlichen Schläger, die in München einen Geschäftsmann halb tot geprügelt haben.
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Hauptthema in der Schweiz: Die jugendlichen Schläger, die in München einen Geschäftsmann halb tot geprügelt haben.

Zürich/München - Mit Entsetzen hat die Schweizer Öffentlichkeit auf die brutalen Übergriffe Schweizer Jugendlicher auf einen Geschäftsmann und einen Studenten in München reagiert.

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Die Medien berichteten am Donnerstag und Freitag ausführlich über den Fall der Schläger, die nach eigenen Angaben "ein paar Leute wegklatschen" und Spaß dabei haben wollten. Die Jugendlichen waren mit ihrer Klasse des zehnten Schuljahrs der Weiterbildungs- und Berufswahlschule Küsnacht (WBK) auf Klassenfahrt in München, wie die Schule mitteilte.

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Direktor Max Heberlein sagte im Fernsehen, es sei bekannt, dass es mit Jugendlichen an der Schule Probleme gebe. Daraus könne man aber nicht schließen, "dass alle sozial geschädigt sind", sagte der Direktor. Seine Schule liegt an der sogenannten Goldküste von Zürich am See. Dort wohnen in der Regel die Reichen und Gutsituierten. An der Schule werden Jugendliche unterrichtet und weitergebildet, die bisher keine Lehrstelle gefunden haben. Tief betroffen über den "schrecklichen Vorfall" in München zeigte sich die Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP), wie das Schweizer Portal 20minutenonline berichtet.

Fünf Teenager waren am Donnerstag in München als Tatverdächtige festgenommen worden. Gegen drei 16-Jährige erging Haftbefehl. Ein 15-Jähriger und ein 17-Jähriger sind inzwischen wieder auf freiem Fuß, sie sollen nicht unmittelbar beteiligt gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen versuchten Mordes an dem 46-jährigen Geschäftsmann, der erhebliche Verletzungen erlitt.

Die Zeitung "Blick" berichtete am Freitag, dass einer der Schläger seinen Vater habe anrufen können. Er habe Hochdeutsch und nicht den Schweizer Dialekt sprechen müssen und nur zwei Sätze sagen dürfen. Dabei habe der geständige Täter geweint. Er habe etwas Schlimmes getan, es tue ihm so leid. Der Vater erklärte der Zeitung, sein Sohn habe ab August endlich eine Lehrstelle als Autoersatzteile-Logistiker gefunden. Der Tagesanzeiger zitiert einen Vater: "Eigentlich ist mein Sohn ganz brav. So ein Armer, es wird jetzt nie mehr gut werden."

Zahlreiche Medien spekulieren, wie hoch die Strafen ausfallen werden: In der Schweiz ist in ähnlichen Fällen recht milde geurteilt worden, schreibt NZZonline.ch. Auch das Portal 20minutenonline.ch spekuliert, wie hoch die Strafe für die Schüler sein könnte: "Den drei Tätern drohen in Deutschland härtere Strafen als zu Hause in der Schweiz", heißt es. Die Schweizer haben sich zudem auf den Münchner Internetportalen umgesehen: Wie sehen die Deutschen die Schlägerei?

Eine Augenzeugin aus der Schulklasse berichtete dem "Blick", dass sie alle in einem Park unter anderem Wodka-Redbull getrunken hätten. Einer der späteren geständigen Täter sei "ausgerastet, weil er sein Portemonnaie verloren" habe. Das Mädchen berichtet, dass sie das Opfer am Boden liegen sah: "Er blutete aus dem Ohr, sein Gesicht war aufgeschürft."

Die Beschuldigten hätten bei der Befragung "sehr wenig Reue" gezeigt, sagte Harald Pickert, Kriminaldirektor der Polizei München, der "Tagesschau" des Schweizer Fernsehens. Gegen die drei in Untersuchungshaft sitzenden Jugendlichen sei bereits früher in der Schweiz wegen ähnlicher Taten ermittelt worden. Die Jugendlichen hätten sehr abgebrüht gewirkt, sagte er. Ob ein Mensch sterbe, sei ihnen seiner Ansicht nach im Prinzip egal gewesen.

dpa/mm

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