Wer ist Dylann R.?

Kirchen-Massaker: Das weiß man über den Täter

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Dylann R. soll nach der Ermordung von neun Menschen in einer Kirche in North Carolina wegen Mordes angeklagt werden.

Charleston - Nach und nach ergibt sich ein Bild von dem Mann, der in Charleston neun schwarze Besucher eines Gottesdienstes erschossen hat. Kann es erklären, woher der Hass kam?  

Die Fotos, die Dylann R. von sich ins Internet gestellt hat, lassen einige Rückschlüsse auf seine Gesinnung zu. Auf Facebook posierte er in einer Jacke mit aufgenähten Flaggen von Südafrika zu Zeiten der Apartheid und von Rhodesien, dem von Weißen beherrschten Vorgängerstaat Simbabwes. Auf einem anderen Bild lehnt der 21-Jährige an der Motorhaube eines Autos, zwischen seinen Beinen prangt "Konföderierte Staaten von Amerika" auf dem Nummernschild. Ein Bekenntnis zum alten Süden, der im amerikanischen Bürgerkrieg für die Fortsetzung der Sklaverei gekämpft hatte.

R. ist ein schmächtiger, jungenhaft wirkender Mann mit Topffrisur. Am Mittwochabend soll er neun Menschen in einer von Afroamerikanern besuchten Kirche in Charleston erschossen haben - einfach nur, weil sie eine andere Hautfarbe haben. Laut US-Medien gestand der Verdächtige die Tat. Einen "Krieg der Rassen" habe er entfachen wollen, soll R. den Angaben zufolge in den Verhören ausgesagt haben.

Bekannte des mutmaßlichen Todesschützen sprachen in Interviews über das verquere Weltbild des jungen Mannes. Ein ehemaliger Mitschüler erinnerte sich im Nachrichtensender CNN an "rassistische Beleidigungen". Ein Freund erzählte dem Sender ABC, R. habe die Rassentrennung befürwortet und "gesagt, dass er einen Bürgerkrieg anfangen will". Bereits seit Monaten habe R. eine Tat gegen Schwarze geplant.

Am Mittwochabend saß der junge Mann dann eine Stunde lang mit seinen späteren Opfern im Bibelunterricht, ehe er das Feuer eröffnete. Jemand habe ihn nach den ersten Schüssen noch von weiteren Morden abbringen wollen, sagte die Verwandte eines Opfers. Doch R. habe entgegnet: "'Nein, ihr habt unsere Frauen vergewaltigt und ihr übernehmt die Macht im Land. Ich muss tun, was ich tun muss'."

Woher kommt der Hass auf Afroamerikaner, den R. offensichtlich verspürt hat? Der mutmaßliche Todesschütze wuchs in dem Dorf Gaston auf, nicht weit entfernt von South Carolinas Hauptstadt Columbia. Nachbarn und Bekannte beschrieben R. im Gespräch mit der "Washington Post" und der "New York Times" als schüchternen und ruhigen Jungen. Die High School habe der Teenager nach der neunten Klasse abgebrochen, berichteten die Zeitungen. Vorübergehend soll er in einer Gärtnerei gearbeitet haben, einer festen Beschäftigung ging er aber offenbar nicht nach.

Menschen, die R. kannten, wollen im Laufe des Jahres Veränderungen bei ihm bemerkt haben. Ein Freund sagte der "New York Times", dass R. plötzlich rassistische Äußerungen von sich gegeben habe. Außerdem habe er darüber gesprochen, "einen ganzen Haufen Leute" zu verletzen.

Im April kaufte R. sich eine Glock-Pistole, angeblich mit Geld, das er von seinen Eltern zum 21. Geburtstag bekommen hatte. Gleich zwei Mal geriet er US-Medien zufolge in den vergangenen Monaten mit dem Gesetz in Konflikt, einmal wegen Drogenbesitzes und ein anderes Mal wegen illegalen Betretens eines Einkaufszentrums, in dem er Hausverbot hatte.

Nun wirft die Staatsanwaltschaft dem 21-Jährigen neunfachen Mord und den Besitz einer Schusswaffe bei einer Gewalttat vor. In den kommenden Wochen muss eine sogenannte Grand Jury aus Laienrichtern entscheiden, ob die Beweise für eine offizielle Anklage ausreichen. Die Gouverneurin von South Carolina, Nikki Haley, sprach sich bereits für die Todesstrafe aus. Das rassistisch motivierte Verbrechen sei "der schlimmste Hass, den ich und dieses Land in einer langen Zeit gesehen haben", sagte die Republikanerin am Freitag.

afp

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