Polizeihunde brauchen Kraft und Mut

Kommissare auf vier Pfoten

Auf dem Sprung: Polizeihund Spike (Rasse Belgischer Schäferhund) im Ausbildungszentrum in Mühlheim am Main.

Auf Kommando sucht „Colt“ die Mauer ab. Der Hund fährt mit seiner Nase systematisch von oben nach unten, lässt keine Stelle aus. Plötzlich legt sich der Rüde hin, wartet.

Er hat Sprengstoff entdeckt. Polizeioberkommissar Uwe Stockmann (48) gibt dem Dreijährigen eine Belohnung, eine Beißwurst zum Spielen.

Der holländische Schäferhund „Colt“ ist einer von etwa 235 Polizeihunden in Hessen. Sie werden an der Polizeiakademie im Mühlheim am Main ausgebildet und immer wieder trainiert. Die Kommissare auf vier Pfoten sind auf Schwerpunkte spezialisiert, etwa auf Rauschgift, Sprengstoff, Falschgeld, Leichen.

Die Voraussetzungen, die die Vierbeiner erfüllen müssen, sind streng: Gefragt sind ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein und ein gutes Wesen. „Sie müssen über ein gesundes Aggressionspotenzial verfügen, das aber auch beherrschbar ist“, erklärt der Diensthunde-Chef, Kriminaloberrat Gerold Günther (56). „Die Hunde brauchen Ausdauer. Sie müssen einem Stöckchen schon viele Male hinterher rennen.“

Mit ihren Hundeführern sind sie ein Gespann auf Jahre. „Die Hunde gehen mit den Beamten nach Hause, wie ein Familienhund“, sagt Günther. Sie verbringen Arbeitszeit zusammen – und auch Freizeit.

Pro Jahr werden über Fachzeitschriften, von Tierhändlern und sogar auch von Tierheimen etwa 40 Hunde gekauft – im Durchschnitt für mindestens 1500 Euro. „Er muss nicht unbedingt einen Stammbaum haben“, sagt Polizeihauptkommissarin Sandra Breyer (33). „Er darf nur keine Angst haben.“

Drogenproben zu Ausbildungszwecken: Kokain, Crack und Heroin sollen Polizeihunde aufspüren.

Nach einer zwölfwöchigen Grundausbildung werden die Hunde auf einen Bereich spezialisiert. Meist sind es Rüden. Hündinnen sind wegen ihrer Läufigkeit als Polizisten auf vier Pfoten nicht ganz bei der Sache, ihr Wesen verändert sich. In Mühlheim wurden auch schon zahlreiche Hunde für andere Länder ausgebildet, vorzugsweise Rauschgiftspürhunde für südamerikanische Länder.

„Die Hundeführer bilden wir dazu aus, dass sie ihren Hund ausbilden“, beschreibt Günther die Vorgehensweise. Für welchen Bereich ein Polizeihund schließlich speziell weiter trainiert wird, ist Günther zufolge „immer bedarfsabhängig“.

Bei Hunden wie bei Hundeführern hat die Polizei Nachwuchsprobleme. „So viele Hunde mit dem Anforderungsprofil gibt es nicht.“ Ein Polizeihund ist ein Kraftpaket. Beim Rennen nach der Beißwurst legt „Colt“ eine Geschwindigkeit hin, die einen Staunen lässt. Der Rüde kann auf Tempo 40 bis 45 kommen, erzählt Günther. Wenn „Colt“ in voller Fahrt einen Menschen anspringt, reißt er diesen um. Der Hund ist 43 Kilogramm schwer, er hat die Wucht eines Mehlsacks.

Gemeinsames Training: „Colt“ und Uwe Stockmann.

Polizeioberkommissar Stockmann und „Colt“ verstehen sich ohne viele Worte. Stockmann hat einen Zeigestock dabei, und auch das Kommando „Platz“ sagt es dem holländischen Schäferhund, dass jetzt die Arbeit beginnt. „Colt“ ist nur auf seinen Hundeführer fixiert, von den anderen Leuten lässt er sich nicht ablenken. Für Hundetrainerin Stefanie Weinrich von „Hundewelten Deutschland“ (Werne) sind körperliche Signale eines Menschen für einen Hund entscheidend: „Es geht nicht primär um Sprache, sondern um Körpersprache.“

Bei der Polizei wird ein Vierbeiner entweder Sprengstoff- oder Rauschgifthund. „Beides geht nicht“, sagt Günther. „Umschulen auch nicht.“ Allerdings könnte ein Schutzhund, der nicht mehr so hoch und kräftig springen kann, als älterer Vierbeiner doch noch eine Zeit als Rauschgiftfahnder dranhängen. Oder wie bei „Kira“, die Hündin von Günther. Als Schutzhund hatte sie bei Fußballveranstaltungen Angst bekommen. Nun sucht die Achtjährige Banknoten, ist also auf Falschgeld spezialisiert. (dpa)

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