Längster Schiffstunnel der Welt

Norwegen baut Tunnel für Schiffe

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Oslo. An der norwegischen Westküste soll der längste Schiffstunnel der Welt gebaut werden. Damit soll das berüchtigte Stad-Meer umfahren und der Küstenschiffsverkehr gesichert werden. Kritiker bemängeln die fehlende Wirtschaftlichkeit des ehrgeizigen Projekts.

Die Hurtigruten sind einer der größten Touristenattraktionen Norwegens. Einstmals waren die Postschiffe, die auf dieser Strecke verkehrten, für viele Norweger die einzige Verbindung zur Außenwelt. Heute entführen die Schiffe Besucher aus aller Welt an die schönsten Orte des Landes. Größtenteils pflügen sich die rustikalen Schiffe durch eine meist ruhige See, doch beim Abschnitt über das offene Stad-Meer an der Westküste kommt dann schnell Seekrankheit auf.

Zwischen Måløy und Ålesund sticht die Halbinsel Stadlandet in die norwegische See und bildet das Westkap Norwegens. Dieses Kap müssen alle Schiffe umrunden. Stad ist berüchtigt für die Stürme, das harte Wetter und hohe Wellen und nahezu unzählig sind die Schiffsunglücke und Schiffsuntergänge. Um diese wichtige Transportader zu sichern und die gefährliche Stad-Strecke zu umschiffen, will die norwegische Regierung nun ein Schiffstunnel bauen. Nicht nur für die Schiffe der Hurtigruten, sondern auch in Hinblick auf die Industrie.

Längster Schiffstunnel der Welt

Im nationalen Transportplan, der diesen Frühling vorgelegt werden soll, plant die norwegische Regierung für dieses Projekt nun eine Milliarde norwegische Kronen (130 Millionen Euro/160 Millionen Franken) ein, sagte Regierungschef Jens Stoltenberg zum Fernsehsender TV2. „Das ist ein wichtiges Projekt. Es trägt zur Sicherheit und Zugänglichkeit bei und ist eine ein wichtiges Projekt für die Küste“, meinte Stoltenberg weiter.

„Das ist sehr gut, darauf haben wir lange gewartet“, sagt Randi Humborstad, Projektleiterin des „Stad Schiffstunnels“. Allerdings werden die gesamten Kosten für das Schiffstunnel-Projekt auf rund 1,6 Milliarden Kronen veranschlagt. Das bekümmert Humborstad nicht, sie rechnet damit, dass die Regierung auch die fehlenden Mittel noch bewilligen wird.

2018 soll mit dem Bau des Tunnels begonnen werden, wie lange gebaut werden wird, ist nicht klar, doch das Projekt wird bautechnisch als nicht sehr schwierig eingestuft. Mit einer Länge von rund 1,8 Kilometer wird der Schiffstunnel der längste der Welt werden. Die wassergefüllte Röhre für den Schiffsverkehr wird 36 Meter breit und 49 Meter hoch sein. Und bei Ebbe einen Tiefgang von zwölf Metern haben.

Skeptiker bemängeln Wirtschaftlichkeit

Rund 38.000 Schiffe passieren jährlich das Stad-Meer. Mit dem Schiffstunnel könnten vor allem die kleineren Schiffe sicher diese gefährliche Strecke umgehen. Das macht den Verkehr auch zuverlässiger, was wiederum der Wirtschaft an der Küste dient. Vor allem die Fischerei, aber auch die ständig mehr nach dem Norden drängende Erdölwirtschaft werden damit vom Schiffstunnel profitieren können.

Dem Projekt schlägt aber auch heftige Kritik entgegen. Der Schiffstunnel lohne sich wirtschaftlich ganz einfach nicht. Zu dieser Auffassung kommt das norwegische Küsten-Direktorat in einem Bericht aus dem Jahr 2011.

Die Regierung wolle ja gleichzeitig auch eine Küstenstrasse, dies reduziere natürlich die Verkehrsgrundlage für den Schifftunnel, sagt Lasse Fridstrøm, Forschungschef des Transportökonomischen Institutes zur Zeitung „Aftenposten“. In Zukunft würden deshalb auch an der norwegischen Küsste Stückgüter vermehrt auf der Strasse transportiert werden. Andre Kritiker meinen auch, die modernen Schiffe seien viel sicherer und könnten heute den gefährlichen Küstenabschnitt viel leichter umschiffen.

Von Thomas Hug (ce)