Nach Anfrage der Linken-Fraktion im Bundestag 

Kriminelle sprengten vergangenes Jahr mehr als 100 Geldautomaten

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Diesen Geldautomaten in Bielefeld sprengten Unbekannte am 30.12.2015. 

Berlin - Im vergangenen Jahr haben Kriminelle laut Zahlen des Bundeskriminalamts (BKA) deutschlandweit mindestens 108 Geldautomaten gesprengt.

Das geht aus der Antwort der Regierung auf eine Anfrage der Linken-Fraktion im Bundestag hervor, die der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch vorlag. Die Zahl blieb damit zuletzt in etwa auf gleichbleibendem Niveau. 2014 hatte das BKA 116 Vorfälle registriert, in denen Geldautomaten in oder an Bankgebäuden gesprengt wurden, um Bargeld zu stehlen. 

Zahl könne sogar noch höher liegen 

Bundesweit gibt es nach Branchenangaben mehr als 60.000 Geldautomaten in Deutschland. In die genannte BKA-Statistik wurden den Angaben der Bundesregierung zufolge nur Taten bis zum 15. Dezember 2015 aufgenommen, zu denen dem BKA ein "polizeilicher Sachverhalt" mit genügend Informationen vorlag. Sie umfasst dabei sowohl vollendete als auch versuchte Sprengungen. Die Regierung selbst ergänzte unter Verweis auf Presseberichte aus den vergangenen Wochen, dass die Zahl für das Gesamtjahr womöglich etwas höher liegen könnte. Demnach gehe das BKA offenbar davon aus, dass es insgesamt in etwa 130 Fälle von Geldautomatensprengungen gegeben habe. 

Zum Diebstahl von Bargeld kam es der Statistik zufolge im vergangenen Jahr lediglich in der Hälfte der statistisch erfassten Fälle (54). Die Erfolgsquote der Täter ist auch über einen längeren Zeitraum gesehen relativ gering. Bei 478 Fällen von Geldautomatensprengungen, die seit 2010 vom BKA erfasst wurden, wurde nur 179-mal Bargeld entwendet. In etlichen Fällen wurde eine Sprengung nur versucht oder der eigentliche Diebstahl ging schief. Die Täter erbeuteten seit 2010 laut Bundesregierung zwischen 500 Euro und rund 380.000 Euro. Vielfach sei der Sachschaden durch die beschädigten Geräte und Gebäude höher als der Wert der Beute. 

Die Täter sind oft regional agierend 

Das Verletzungsrisiko für Unbeteiligte sei in Einzelfällen sehr hoch. Der Regierung lagen demnach aber keine Erkenntnisse darüber vor, dass jemals Dritte zu Schaden gekommen seien. 2006 sei aber ein Täter schwer verletzt worden. Bei den Täter handelt es sich den Angaben nach üblicherweise entweder um reisende oder um regional agierende Tätergruppen. Nur in einigen wenigen Fällen gingen die Sprengungen auf das Konto von Einzeltätern. Bei Geldautomaten-Sprengungen leiten die Täter üblicherweise ein Gas oder Gasgemisch in die Geräte ein, das sie anschließend entzünden. Dabei werden Bankfilialen in dünner besiedelten Regionen bevorzugt. Auch Fahrkarten- oder Zigarettenautomaten sind Ziel derartiger Attacken. 

afp

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