Situation wird immer gefährlicher

Lateinamerikanische Staaten: Aktionsplan gegen Zika-Virus

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Bis vor wenigen Monaten galt das Zika-Virus noch als weitgehend harmlos - das hat sich inzwischen geändert.

Montevideo - Zahlreiche lateinamerikanische Staaten haben einen Aktionsplan zur Bekämpfung des Zika-Virus beschlossen. Die WHO hat bereits den "weltweiten Gesundheitsnotstand" ausgerufen.

Mehr als ein dutzend lateinamerikanische Staaten haben sich auf einen gemeinsamen Aktionsplan zur Bekämpfung des Zika-Virus geeinigt. Die Gesundheitsminister aus 14 Ländern, darunter Brasilien und Kolumbien, beschlossen bei ihrem Treffen in Uruguays Hauptstadt Montevideo neben einer besser abgestimmten Gesundheitspolitik unter anderem Aufklärungskampagnen für die Bevölkerung.

Insbesondere die Geschwindigkeit, mit der sich das vor allem für Schwangere gefährliche Zika-Virus ausbreite, sei beunruhigend, sagte die Direktorin der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation OPS, Carissa Etienne, nach dem Treffen am Mittwoch. Laut Etienne sind bereits 26 Länder betroffen, bis Ende 2016 werde mit einem Anstieg der Krankheitsfälle auf vier Millionen gerechnet.

Zur Verfügung gestellte Summe ist zu gering

An der Konferenz beteiligten sich zwölf südamerikanische Länder sowie Mexiko und Costa Rica. Zu Angaben aus den USA, wonach das Virus auch durch Sexualkontakte übertragen werden könne, äußerten sich die Teilnehmer des Treffens zurückhaltend.

"Wenn dies bestätigt wird, wird das dem Problem eine ganz neue Dimension geben", sagte Etienne. Die OPS stelle den betroffenen Ländern 850.000 Dollar (780.000 Euro) im Kampf gegen das Virus zur Verfügung, gebraucht werde aber die zehnfache Summe.

Das von der Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) übertragene Virus grassiert derzeit in Süd- und Mittelamerika. Brasilien ist besonders von der Epidemie betroffen: Die Zahl der Zika-Infektionen wird dort auf 1,5 Millionen geschätzt, nach Angaben der Behörden sind seit Oktober über 4000 Babys mit Verdacht auf Mikrozephalie auf die Welt gekommen, 404 Fälle sind bislang bestätigt. Der Kopf der Kinder ist deutlich zu klein und die Gefahr groß, dass sie geistig behindert bleiben oder unter neurologischen Schäden leiden werden.

WHO ruft "weltweiten Gesundheitsnotstand" aus

Bis vor wenigen Monaten galt das Zika-Virus noch als weitgehend harmlos. Viele Infizierte merken gar nicht, dass sie das Virus in sich tragen, nur bei 20 Prozent führt es zu grippeähnlichen Symptomen oder Hautausschlag. Inzwischen weisen Mediziner aber darauf hin, dass das Zika-Virus auch das Guillain-Barré-Syndrom - eine Nervenkrankheit - auslösen kann. Wegen der Risiken rief die WHO am Montag den "weltweiten Gesundheitsnotstand" aus.

Am Mittwoch rief die WHO zudem die europäischen Länder auf, sich vor einer Ausbreitung des Zika-Virus zu schützen. Jedes Land, in dem die Stechmückengattung Aedes vorkomme, sollte geeignete Maßnahmen zur Kontrolle der Mücken ergreifen, erklärte das WHO-Europabüro.

Es schlug vor, die Brutplätze der Mücken zu beseitigen und Pläne zum Einsatz von Insektengift auszuarbeiten. Allerdings gibt es die Gelfiebermücke derzeit noch gar nicht in Europa, und bei den bisher registrierten Zika-Fällen handelte es sich ausschließlich um Rückkehrer von Reisen aus den betroffenen Gebieten.

Auch sexuelle Übertragung möglich

Nach Bekanntwerden von sechs neuen Zika-Fällen erklärte der US-Bundesstaat Florida unterdessen den Gesundheitsnotstand - und machte damit den Weg frei für das großangelegte Versprühen von Insektengift. Die kanadischen Behörden schränkten ihrerseits Blutspenden von Reiserückkehrern ein: Um keine Risiken einzugehen, sollen Rückkehrer aus Zika-Gebieten vor einer Spende künftig 21 Tage warten.

Da auch eine sexuelle Übertragung des Virus über die Samenflüssigkeit nicht mehr ausgeschlossen wird, raten mehr und mehr Gesundheitsbehörden Reisenden nach ihrer Rückkehr zudem zur Nutzung von Kondomen. Nach Angaben der deutschen Gesellschaft für Virologie sollten alle männlichen Reiserückkehrer, bei denen eine akute Infektion nicht ausgeschlossen werden kann, "für einen Zeitraum von drei bis vier Wochen" Kondome zu verwenden. Gleichzeitig räumt die GfV ein, dass es noch keine Studien dazu gibt, wie lange das Virus im Blut oder Sperma überlebt.

Internationaler Gesundheitsnotfall Zika-Virus

AFP

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