Emotionaler Appell der Eltern

Nach "XY": 2400 Hinweise zu Fall Maddie

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Ein Foto der damals dreijährigen Madeleine McCann neben zwei neuen Phantombildern eines Mannes herausgegeben von der britischen Polizei.

München - Nach dem emotionalen Auftritt der Eltern von der vermissten Maddie McCann in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ sind etliche neue Hinweise eingegangen.

Nach dem Bericht über den Vermisstenfall "Maddie" in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY" sind hunderte neue Hinweise eingegangen. Unmittelbar nach der Sendung, in der am Mittwochabend Madeleines Eltern und der Chefermittler der Polizei zu Gast waren, hätten sich schon über 500 Hinweisgeber gemeldet, teilte das ZDF am Donnerstag mit. Über die Sendung suchte die Polizei nach Männern, die möglicherweise Deutsch sprechen.

Nach Zeugenaufrufen in Großbritannien, Deutschland und den Niederlanden hat die britische Polizei im Fall der vermissten Madeleine „Maddie“ McCann insgesamt 2400 Hinweise erhalten.

Fast 7,3 Millionen Zuschauer hatten am Mittwochabend den 22-minütigen Filmbeitrag und den anschließenden Live-Auftritt der Eltern im deutschen Fernsehen verfolgt. Das entsprach einem Marktanteil von 24,3 Prozent. Dem ZDF zufolge war die Sendung zum Vermisstenfall "Maddie" damit die meistgesehene Ausgabe von "Aktenzeichen XY" seit dem Jahr 1998.

Eltern appelieren an deutsche Bevölkerung

Knapp sechseinhalb Jahre nach Madeleines Verschwinden hatten sich ihre Eltern in der Sendung direkt an mögliche Entführer ihrer Tochter gewandt. "Sie gehört zu uns, haben Sie deshalb so viel Mitgefühl und Mut, uns zu sagen, was mit ihr passiert ist", sagte Madeleines Mutter, Kate McCann. Sie appelliere "an alle, die damals in Praia da Luz waren": „Wenn Sie irgendetwas wissen, bitte bitte trauen Sie sich und melden Sie sich. Wir brauchen Ihre Hilfe“, sagte sie am Mittwochabend. Ihr Mann Gerry glaubt an einen Durchbruch bei der Suche und betonte: „Es gibt keinen Beweis dafür, dass Madeleine tot ist.“

Zudem präsentierte Chefermittler Andy Redwood neue Spuren auf der Suche nach dem blonden Mädchen. Neu sind unter anderem zwei Phantombilder eines Mannes mit braunem Haar. Ihn hatte eine irische Familie am Abend von Madeleines Verschwinden in dem Ferienort gesehen, als er ein Kind im Alter von drei bis vier Jahren auf dem Arm trug. "Aufgrund der zeitlichen Abfolge erscheint es uns als sehr wahrscheinlich, dass dieser Mann Madeleines Entführer ist", sagte Redwood. Wenig später aber schränkt er ein: "Wir wollen einfach verstehen, wer diese Person war." Es ist auch dies nur eine von mehreren Spuren, die die Londoner Polizei verfolgt.

Erstmals führen Hinweise zudem auch nach Deutschland. Die Ermittler suchen demnach nach zwei Männern mit vermutlich kurzen blonden Haaren, die Zeugen vor Madeleines Verschwinden mehrfach im Umfeld des Ferienapartments der McCanns gesehen hatten. "Wir glauben, dass sie Deutsch oder Holländisch gesprochen haben", sagte Redwood. "Wir wollen unbedingt herausfinden, wer diese Männer sind", betonte er.

Suche in Niederlanden und Deutschland

Vor allem, um diese blonden Männer zu finden, hatten sich die Ermittler in dieser Woche an die deutsche und die niederländische Öffentlichkeit gewandt: Am Dienstag hatte eine Fernsehsendung in den Niederlanden über die neuen Hinweise zu Madeleines Verschwinden berichtet. Zudem hatten die Ermittler schon am Montag im britischen Fernsehen ihre neuen Erkenntnisse zu dem Fall präsentiert. Sie waren dort auf große Resonanz gestoßen und hatten binnen eines Tages tausend neue Hinweise zu dem Fall bekommen.

Madeleine McCann war am 3. Mai 2007 kurz vor ihrem vierten Geburtstag aus der Ferienanlage in Praia da Luz an der portugiesischen Algarve verschwunden, als ihre Eltern beim Abendessen waren. Jede Suche nach dem Mädchen blieb bisher vergebens. Die portugiesische Polizei stellte 2008 ihre Ermittlungen ergebnislos ein. Die Eltern heuerten Privatdetektive an und suchten weiter. Auch das blieb ohne Erfolg. Seit Mitte 2011 untersucht das britische Scotland Yard den Fall und geht jedem Detail noch einmal nach.

Im Gespräch mit Moderator Rudi Cerne gaben die McCanns einen Einblick in das, was sie durchleben, seitdem ihre kleine Tochter spurlos verschwunden ist. „Wir vermissen sie jeden Tag“, sagte Gerry McCann. „Es ist immer noch schwer zu verstehen, dass etwas so Katastrophales, etwas so Unfassbares mit unserer Tochter geschehen ist“, sagte seine Frau. Sie versuchten, nach vorne zu schauen, auch ihren beiden jüngeren Kindern zuliebe. Inzwischen gebe es „Zeiten der Normalität“, sagte Kate McCann. „Natürlich müssen wir jeden Tag damit leben und wir haben uns angepasst an das Leben ohne Madeleine.“ Aber: „Wir sind zu fünft, auch wenn derzeit nur vier von uns zusammen sind.“

dpa/AFP

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