118 Opfer

Absturz in Mali: Zweiter Flugschreiber gefunden

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Ein Bild der Verwüstung: Die Absturzstelle einen Tag nach dem Unglück.

Paris - Nach dem Absturz der Air-Algérie-Maschine in Mali ist eine zweite Blackbox aufgetaucht. Auch deutsche Experten sollen nun die Ursache des Unglücks untersuchen.

Experten rechnen auch nach dem Fund der zweiten Blackbox des abgestürzten Air-Algérie-Flugzeugs mit schwierigen Ermittlungen. Sie dämpften Hoffnungen auf eine schnelle Aufklärung des Unglücks in Mali, bei dem alle 118 Menschen an Bord ums Leben kamen, darunter vier Deutsche. Experten des Bundeskriminalamts sollen jetzt bei der Identifizierung helfen: Zwei Spezialisten reisten nach Paris, um sich mit den französischen Behörden abzustimmen, wie das BKA am Sonntag mitteilte. Am Unfallort in Mali fanden Soldaten der UN-Mission den zweiten Flugdatenschreiber. Die Absturzstelle in dem westafrikanischen Krisenland ist inzwischen abgesichert, die ersten Ermittlerteams sind eingetroffen.

Es sei noch zu früh, um irgendwelche Hypothesen aufstellen zu können, sagte der Direktor des französischen Amts für Unfallanalysen (BEA), Rémi Jouty, der französischen Nachrichtenagentur AFP. Die Datenträger werden höchstwahrscheinlich nach Frankreich geschickt, um dort analysiert zu werden, wie der Behördenleiter erklärte. Die malischen Behörden hätten um die BEA-Hilfe gebeten. Bereits am Samstag trafen die ersten französischen Unfallermittler an der Absturzstelle in der Region Gossi in der Nähe der Grenze zu Burkina Faso ein, darunter auch zwei BEA-Experten.

Identifizierung der Toten könnte Wochen dauern

Frankreichs Präsident François Hollande empfing am Samstag die Angehörigen der 54 französischen Toten im Élysée-Palast. In Gedenken an die Opfer will er am Unglücksort eine Stele errichten lassen. Zudem kündigte er an, dass alle 118 Toten nach ihrer Identifizierung nach Frankreich übergeführt werden sollen. Allerdings verlangt Algerien hierzu eine Klarstellung. Außenminister Ramtane Lamamra sei in Kontakt mit seinem französischen Amtskollegen Laurent Fabius, sagte ein Sprecher des algerischen Außenministeriums der algerischen Nachrichtenagentur.

Da das Flugzeug völlig zerstört ist, gehen Experten davon aus, dass die Identifizierung der menschlichen Überreste mehrere Wochen dauern wird. Ab Montag herrscht in Frankreich dreitägige Staatstrauer. Bei den vier toten Deutschen handelt es sich um eine Entwicklungshelferin und ihre Kinder. Die Frau war in Burkina Faso für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) tätig. Die Air-Algérie-Maschine war 50 Minuten nach dem Start in Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos, abgestürzt - möglicherweise wegen schlechten Wetters.

Pilotengewerkschaft kritisiert Spar- und Abbaupraxis

Als Reaktion auf die jüngsten Flugzeugabstürze fordert die Pilotengewerkschaft Cockpit neue internationale Sicherheitsregeln und mehr Vorsicht beim Überfliegen von Krisenherden. „Es müssen auf internationaler Ebene Instrumentarien geschaffen werden, die einen vergleichbaren Standard gewährleisten, so dass sich der wirtschaftliche Druck nicht zu sehr auf Sicherheitsentscheidungen auswirkt“, sagte Sprecher Jörg Handwerg der „Leipziger Volkszeitung“. Inzwischen werde „bis runter zum absoluten gesetzlichen Minimum abgebaut, gespart, reduziert“. Dem gelte es etwas entgegenzusetzen, „wenn wir nicht eine Zunahme an Unfällen sehen wollen“.

Innerhalb weniger Tage sind im internationalen Luftverkehr drei Flugzeuge verunglückt. Beim mutmaßlichen Abschuss einer Boeing der Malaysia Airlines starben am 17. Juli in der Ostukraine 298 Menschen. Nach der Bruchlandung eines Flugzeugs der taiwanesischen Airline Transasia am 23. Juli in Taiwan gab es 48 Tote. Am Donnerstag verschwand dann die Maschine der Air Algérie von den Radarschirmen.

dpa

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