Ehefrau will nicht mehr putzen: Mann verklagt sie vor Gericht

Florenz. Sie verweigerte ihrem Ehemann das Schlafgemach, hörte auf, für ihn zu kochen und das Haus zu putzen. Nun muss sich eine 42-jährige Italienerin vor Gericht verantworten.

Wie die römische Tageszeitung „La Repubblica“ berichtet, habe der Staatsanwalt Klage wegen „Misshandlung der Familie“ erhoben.

Die zuständige Richterin hat die Klage akzeptiert. Sollte die Frau aus Sonnino, Provinz Latina, wegen der Vorwürfe verurteilt werden, droht ihr eine Haftstrafe zwischen zwei und sechs Jahren.

Dem anachronistisch anmutenden Rechtsakt ging die Anzeige des sieben Jahre älteren Ehemannes voraus. Er war auf der örtlichen Carabinieri-Station der Gemeinde mit 8000 Einwohnern erschienen und hatte angezeigt, dass seine Frau ihm verweigere, seine Lieblingsleckerbissen zuzubereiten. Überdies sei er seit mehr als zwei Jahren den ständigen Beleidigungen der Frau ausgesetzt. Seine Angetraute verwehre ihm von Zeit zu Zeit sogar das eheliche Schlafzimmer und sperre ihn aus, klagte der Mann. Überhaupt sei sie nicht mehr so reinlich wie früher und versäume den Hausputz, ergänzte er.

Dem stellvertretenden Staatsanwalt von Latina reichte die Fülle der Beschuldigungen, um Anklage gegen die Frau zu erheben. Das Beispiel könnte in Italien Schule machen. Weit weg vom Ringen um Gleichberechtigung oder auch den Prinzipien von gleichen Rechten und gleichen Pflichten zeigt der Alltag in einer kleinen Gemeinde, dass eine Hausfrau sehr schnell vor einem Gericht landen kann. Zumindest, wenn sie nicht nach den patriarchalischen Vorstellungen einer vergangen geglaubten Gesellschaft funktioniert, den Haushalt vernachlässigt und ihrem Mann nicht jeden Wunsch von den Augen abliest.

Sollte sie für ihre vermeintlichen Missetaten im Oktober verurteilt werden, kann dieser Präzedenzfall zu einer Flut von Klagen führen.

Von Wolfgang H. Wagner

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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