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MH17: Verwirrspiel um Leichen - Vorwürfe

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Vom Absturzort der malaysischen Passagiermaschine sind der OSZE zufolge die sterblichen Überreste zahlreicher Opfer zunächst in die ostukrainische Stadt Tores gebracht worden.

Donezk - OSZE-Experten berichten von Einschüchterungen und chaotischen Zuständen am Absturzort von Flug MH17. Beweise und Leichen würden weggeschafft. Die Airline hat sich unterdessen entschlossen, die Flugnummer nicht mehr zu nutzen.

+++ UPDATE +++

Nach massiven Klagen über Behinderungen am Absturzort der malaysischen Boeing reisen Luftfahrt-Experten in das von Rebellen kontrollierte Gebiet bei Donezk. Im aktuellen News-Ticker zum MH17-Flugzeugunglück erfahren Sie die neuesten Entwicklungen. 

Die wichtigsten Fakten und Erkenntnisse in Kürze

+++ Das niederländische Königspaar wird am Montag mit Angehörigen des Flugzeugabsturzes in der Ostukraine zusammenkommen. Das teilte Ministerpräsident Mark Rutte am Sonntagabend in Den Haag mit. König Willem-Alexander und Königin Máxima würden an dem nicht-öffentlichen Treffen mit Angehörigen teilnehmen. Bei dem Absturz der Boeing starben 298 Menschen, darunter 193 Niederländer. Auch Mitglieder der Regierung würden persönlich mit den Familien sprechen. Bei dem Treffen sollen die Angehörigen über den Stand der Ermittlungen zum Absturz informiert und psychologisch beraten werden.

+++ Das vom ukrainischen Geheimdienst veröffentlichte Protokoll eines abgehörten Gesprächs zum mutmaßlichen Abschuss von Malaysia-Airlines-Flug MH17 ist nach US-Angaben echt. Experten hätten die Authentizität des Audiomitschnitts zwischen "uns bekannten Separatistenführern" bestätigt, teilte die US-Botschaft in Kiew am Sonntag mit. Die Aufzeichnung sei mit früheren Tondokumenten verglichen worden. Daraus ergebe sich, dass die Passagiermaschine mit 298 Insassen von einer Boden-Luft-Rakete vom Typ SA-11 des Flugabwehrsystems Buk abgeschossen worden sein müsse, die vom Einflussgebiet der Rebellen aus abgefeuert wurde.

+++ Das malaysische Verkehrsflugzeug mit der Flugnummer MH17 ist nach Einschätzung von US-Außenminister John Kerry mit einem Raketensystem abgeschossen worden, das den prorussischen Separatisten im Osten der Ukraine von Russland gestellt wurde. "Es ist ziemlich klar, dass dieses System von Russland in die Hände der Separatisten gelangte", sagte Kerry am Sonntag dem US-Nachrichtensender CNN.

+++ Vom Absturzort der malaysischen Passagiermaschine sind der OSZE zufolge die sterblichen Überreste zahlreicher Opfer zunächst in die ostukrainische Stadt Tores gebracht worden. Drei Kühlwaggons stünden inzwischen auf dem örtlichen Bahnhof, sagte Michael Bociurkiw von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) am Sonntagnachmittag. Die Separatisten hätten von 167 Opfern in den Waggons gesprochen, diese Zahl habe aber nicht geprüft werden können.

Die Waggons sollen bis zum Eintreffen internationaler Experten in Tores bleiben. Zuvor hatte die russische Staatsagentur Ria Nowosti gemeldet, dass der Zug über Ilowaisk nach Donezk fahren werde. Dem widersprach aber Separatistenanführer Alexander Borodaj. „Wir haben nicht vor, die Körper vor der Ankunft der Experten irgendwohin zu bringen. Die Regierung verzögert aber dieses Eintreffen“, sagte er.

Die Aufständischen argumentieren, die sterblichen Überreste hätten seit dem Absturz am Donnerstag in großer Wärme gelegen und hätten „aus hygienischen Gründen“ abtransportiert werden müssen. Hingegen wirft die Führung in Kiew den militanten Gruppen die Vernichtung von Beweisen vor. Die Regierung in Kiew und die prorussischen Separatisten bezichtigen sich gegenseitig, die Maschine abgeschossen zu haben. Bei dem Absturz kamen 298 Menschen ums Leben.

+++ Bundeskanzlerin Angela Merkel, der französische Präsident François Hollande und der britische Premierminister David Cameron haben Russland mit einer Verschärfung der EU-Sanktionen gedroht. Der russische Präsident Wladimir Putin müsse umgehend Druck auf die prorussischen Separatisten in der Ostukraine ausüben, um den Ermittlern einen ungehinderten Zugang zur Absturzstelle von Flug MH17 zu gewährleisten, betonten der Élyséepalast und die britische Regierung nach Telefonaten am Sonntag.

+++ Das Passagierflugzeug MH17 von Malaysia Airlines war am Donnerstag mit 298 Menschen an Bord im umkämpften Osten der Ukraine abgestürzt. Unter ihnen waren 193 Niederländer, dutzende Malaysier sowie vier Deutsche.

+++ Die Boeing 777-200 kann nach Ansicht von US-Experten nur von einer hoch komplexen Waffe getroffen worden sein.

+++ Wer hinter dem Absturz steckt, ist noch immer unklar. Laut US-Präsident Barack Obama sind dafür aber sehr wahrscheinlich moskautreue Kräfte verantwortlich. Die Boden-Luft-Rakete, die das Flugzeug abgeschossen habe, sei aus einem von prorussischen Separatisten kontrollierten Gebiet abgefeuert worden, sagte Obama. Kiew macht daher die Separatisten verantwortlich, diese geben hingegen den ukrainischen Streitkräften die Schuld.

+++ Von mehr als 100 Absturzopfern fehlte auch zwei Tage nach dem Unglück weiter jede Spur. Bislang seien 196 Leichen geborgen worden, teilte der staatliche ukrainische Rettungsdienst am Samstag mit. Die Suche nach den übrigen Opfern gestalte sich sehr schwierig, da die Wrackteile über etwa 25 Quadratkilometer verstreut seien. Inzwischen hat Malaysia Airlines aber eine Liste mit den Namen der Passagiere von Flug MH17 veröffentlicht.

+++ An diesem Sonntag wollen 132 malaysische Experten, darunter Ärzte und Militärs, zum Absturzort fahren. Sie waren am Samstag in Kiew gelandet. Der niederländische Außenminister Frans Timmermans kam ebenfalls mit einer Gruppe von 15 Experten in der ukrainischen Hauptstadt an.

MH17: Die News vom Sonntag

  • Nach dem tödlichen Absturz eines ihrer Flugzeuge in der Ostukraine will Malaysia Airlines die Flugnummer MH17 künftig nicht mehr nutzen. Die Entscheidung erfolge aus Respekt vor den 298 getöteten Passagieren und Besatzungsmitgliedern, teilte die Fluggesellschaft am Sonntag mit. Die neue Flugnummer für die Verbindung Amsterdam-Kuala Lumpur und zurück lautet MH19.
  • Mit einer Schweigeminute für die Opfer des abgestürzten MH17-Fluges hat die 20. Welt-Aids-Konferenz am Sonntag in Melbourne begonnen. An Bord des Flugzeugs, das offenbar über der Ukraine abgeschossen wurde, waren sechs Delegierte der Konferenz, darunter der ehemalige Präsident der Internationalen Aids-Gesellschaft, Joep Lange aus den Niederlanden.

Rund 12.000 Forscher, Experten, Aktivisten und HIV-Positive aus 200 Ländern erörtern in Melbourne bis kommenden Freitag Fortschritte bei der Impfstoff- und Medikamentenforschung.

  • An den Sucharbeiten nach den Leichen der insgesamt 298 Passagiere beteiligen sich 380 ukrainische Experten. Darunter sind auch Taucher, die einen See absuchen. Der Bereich der Arbeiten sei von 25 auf 34 Quadratkilometer ausgeweitet worden. 
  • Nach dem mutmaßlichen Abschuss eines malaysischen Passagierflugzeugs im Osten der Ukraine hat Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) lückenlose Aufklärung gefordert. Nötig sei eine "unabhängige internationale Untersuchung, die über jeden Zweifel erhaben ist", sagte Steinmeier der Zeitung "Bild am Sonntag" aus Berlin. "Die Täter und ihre Hintermänner dürfen nicht davonkommen", fügte er hinzu.

"Es muss mit Hochdruck daran gearbeitet werden, die notwendigen und verfügbaren Erkenntnisse heranzuziehen", sagte der Minister der Zeitung. Dazu gehöre "auch die Untersuchung der Wrackteile". Auch deshalb sei "ein freier und ungehinderter Zugang zur Absturzstelle so wichtig". "Wer das behindert oder gar verweigert, hat entweder etwas zu verbergen oder kein Herz - oder beides", sagte Steinmeier.

  • Auch Deutschland beteiligt sich an der Bergung und Identifizierung der Opfer von Flug MH17. Zwei Fachleute des Bundeskriminalamtes reisten am Samstag in die Ukraine. Ein BKA-Sprecher sagte, sie wollten sich in Kiew mit einem größeren Team von Identifizierungsexperten treffen und das weitere Vorgehen besprechen. Sowohl der genaue Einsatzort als auch die Führung der Mission müssten noch geklärt werden.
  • Auf Seiten der Aufständischen fehle es an Ansprechpartnern. „Es gibt dort keinen eindeutigen Befehlshaber“, sagte OSZE-Sprecher Bociurkiw. Das erschwere auch die Suche nach den beiden Flugschreibern der Boeing. Es sei unklar, wo sich die Geräte befinden. „Niemand kann das beantworten. Das ist ein sehr, sehr großes Rätsel.“ Zwischenzeitlich hatten regierungstreue, ukrainische Stellen mitgeteilt, sie hätten die Flugschreiber sichergestellt.

Seperatisten haben Leichen von der Absturzstelle nach Donezk gebracht

  • Die Regierung in Kiew warf den prorussischen Separatisten vor, am Absturzort Beweismaterial zu vernichten. Die Aufständischen wollten mit Lastwagen Wrackteile über die russische Grenze bringen. Die Separatisten versuchten, „Beweise ihrer Mitwirkung an dem Unglück vertuschen“. Zudem hätten die militanten Gruppen 38 Leichen von der Absturzstelle in die Großstadt Donezk gebracht.

Die Separatisten wiesen alle gegen sie gerichteten Vorwürfe zurück und sagten den Experten eine Zusammenarbeit zu. Die Rebellen wollten aber im Absturzgebiet bleiben, um vor Ort eine „objektive Untersuchung“ zu gewährleisten.

Die Aufständischen bestätigten den Abtransport sterblicher Überreste von der Absturzstelle. „Einige Dutzend Leichen“, die mitten in der Ortschaft Grabowo gelegen hätten, seien „in Anwesenheit von OSZE-Beobachtern“ nach Donezk gebracht worden, sagte der Rebellensprecher Sergej Kawtaradse.

  • Es besteht die große Sorge, dass es den beteiligten Kräften in der Ostukraine gelingen könnte, eine Aufklärung der Katastrophe zu verhindern und Täter ihrer Strafe entgehen könnten.
  • In der ukrainischen Hauptstadt Kiew traf ein Team aus Malaysia ein. Die insgesamt 132 Experten, darunter Ärzte und Militärs, wollen am Sonntag zum Absturzort fahren. Auch der niederländische Außenminister Frans Timmermans kam mit einer Gruppe von 15 Experten in Kiew an.
  • Der niederländische Regierungschef Mark Rutte hat Moskau aufgefordert, zu einer raschen Aufklärung des Absturzes der malaysischen Passagiermaschine mit vorwiegend niederländischen Insassen beizutragen. Rutte sagte am Samstag, er habe mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin ein "sehr intensives Gespräch" geführt. Er habe deutlich gemacht, dass Putin "jetzt die Verantwortung gegenüber den Rebellen tragen muss". "Ich habe ihm gesagt, dass er der Welt zeigen muss, dass er helfen will", sagte Rutte.

Der Regierungschef zeigte sich zudem "schockiert" über Bilder von "schamlosen" prorussischen Separatisten, die über die Absturzstelle gingen und Habseligkeiten der Absturzopfer in den Händen hielten. Der niederländische Außenminister Frans Timmermans äußerte sich während eines Treffens mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko ebenfalls "schockiert" und "empört" über den Umgang mit den Leichen.

OSZE-Mission beklagt chaotische Zustände am Absturzort

  • Die Ermittlungen am Absturzort der malaysischen Passagiermaschine mit 298 Menschen an Bord werden nach OSZE-Angaben weiter durch Einschüchterungen und chaotische Zustände erschwert. Die Experten der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) würden in der Ostukraine bei jedem Schritt von bewaffneten und zum Teil maskierten Männern verfolgt, berichtete der OSZE-Sprecher Michael Bociurkiw am Samstagabend aus Donezk dem US-Sender CNN.

„Das Problem ist, dass es keine Absperrung des Ortes gibt, wie sonst üblich. Jeder kann da rein und womöglich mit Beweisstücken herumhantieren“, kritisierte der Kanadier.

Um die Arbeit der eigentlichen Spezialisten am Absturzort vorbereiten zu können, bräuchten die OSZE-Mitarbeiter Bewegungsfreiheit und eine Atmosphäre der Ruhe. Das sei nicht gegeben.

OSZE-Experten untersuchen über Stunden Absturzort von MH17

  • Im Osten der Ukraine hat eine OSZE-Expertengruppe erstmals über längere Zeit den Unfallort der am Donnerstag abgestürzten malaysischen Passagiermaschine untersuchen können. „Wir waren drei Stunden lang an der Absturzstelle und konnten uns freier bewegen als gestern“, berichtete eine Sprecherin der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) am Samstagabend aus Donezk. Zuvor hatten sich die Experten über massive Einschränkungen durch bewaffnete Kämpfer der prorussischen Separatisten beschwert.

Der Einsatz der internationalen Expertengruppe wird von Gefechten zwischen ukrainischer Armee und den Aufständischen in der Region überschattet. „Wir haben Explosionen in der Umgebung gehört“, sagte die Sprecherin. Es seien in der Nähe aber keine Schüsse zu hören. „Wenn die Sicherheitslage es zulässt, wollen wir am Sonntag wieder versuchen, Zugang zur Absturzstelle zu bekommen.“

Augenzeugen hatten zuvor von chaotischen Zuständen am Absturzort berichtet. OSZE-Mitarbeiter beobachteten, wie Leichen der 298 ums Leben gekommenen Passagiere von Unbekannten in Plastiksäcke gepackt und an den Straßenrand geräumt wurden. Erklärungen dafür erhielten die OSZE-Vertreter nicht.

Moskau wirft Westen Stimmungsmache nach MH17-Absturz vor

  • Angesichts des internationalen Drucks auf Moskau im Ukraine-Konflikt nach dem mutmaßlichen Abschuss einer malaysischen Passagiermaschine hat der russische Vizeaußenminister Sergej Riabkow den USA und dem Westen Stimmungsmache gegen Russland vorgeworfen. "Die Mitteilungen der Vertreter der amerikanischen Verwaltung sind ein Beweis für eine völlig abwegige Wahrnehmung Washingtons dessen, was in der Ukraine vor sich geht", erklärte Riabkow gegenüber russischen Nachrichtenagenturen. "Trotz des eindeutigen und unbestreitbaren Charakters der von den Rebellen und von Moskau vorgebrachten Argumenten, verfolgt die amerikanische Verwaltung ihre eigenen Ziele."

Riabkow warf den "offiziellen Vertretern einiger Staaten" in der Erklärung zudem vor, "sich eifrig zu bemühen, ihre Versionen der Katastrophe zu verbreiten und damit sogar den Ablauf der Untersuchung zu beeinflussen". Der russische Vizeregierungschef Dmitri Rogosin kritisierte im Kurznachrichtendienst Twitter, dass Washington bereits festgestellt habe, wer "schuldig ist, bevor die Untersuchung der Katastrophe beginnt".

Malaysia Airlines-Flugzeug abgestürzt - Bilder

Malaysia Airlines-Flug MH17 abgestürzt - Bilder

Alle Nachrichten und aktuellen Informationen vom Samstag können Sie in unserem News-Ticker zum MH17-Absturz von gestern nachlesen.

AFP/dpa/pie/ole

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