Anstatt Barack

Michelle Obama: Rundfunkansprache zu Nigeria

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Michelle Obama.

Washington - Die First Lady der USA, Michelle Obama, wird am Samstag erstmals an Stelle ihres Mannes die wöchentliche Rundfunkansprache des Präsidenten halten.

"Wie Millionen von Menschen rund um den Globus sind mein Mann und ich empört und bekümmert über die nächtliche Verschleppung von mehr als 200 nigerianischen Mädchen aus dem Schlafsaal ihrer Schule", sagte Obama in ihrer Rede anlässlich des Muttertags am Sonntag. Die First Lady geißelte die entführung als "skrupellose Tat" einer Terrorgruppe, die jegliche Bildung für Mädchen verhindern wolle. Die Tat sei kein Einzelfall. Jeden Tag "riskieren Mädchen in aller Welt ihr Leben", um ihren Traum von Bildung und einem eigenständigen Leben zu verfolgen, sagte Michelle Obama. Die Täter sähen in den Opfern "unsere eigenen Töchter" und könnten sich den Schmerz der Eltern gut vorstellen.

Die US-Präsidenten nehmen einmal wöchentlich im Radio zu Themen ihrer Wahl Stellung, das Weiße Haus veröffentlicht auf seiner Internetseite dazu eine Video-Version. Dort war Michelle Obama bereits mehrmals an der Seite ihres Mannes zu sehen, doch bisher ergriff sie noch nie allein das Wort.

Amnesty: Militär hätte Entführung verhindern können

Von den verschleppten Mädchen fehlt bislang jede Spur. Sekten-Führer Mohammed Abubakar Shekau kündigte am Montag in einem Video an, sie zwangsverheiraten oder versklaven zu wollen. Am Mittwoch zeigte sich Michelle Obama mit einer Foto-Aktion auf Twitter mit den Schülerinnen solidarisch. Die USA schickten inzwischen erste Polizei- und Militärexperten nach Nigeria, um bei der Suche nach den Mädchen zu helfen. Auch andere Staaten kündigten Unterstützung an.

Amnesty International erhebt in diesem Fall schwere Vorwürfe gegen das Militär. Die Sicherheitskräfte seien Stunden vor dem Überfall auf die Schule vor der bevorstehenden Attacke gewarnt worden und hätten die Entführung der Mädchen womöglich verhindern können.

Die Menschenrechtsorganisation beruft sich auf „Informationen aus mehreren Interviews mit glaubwürdigen Quellen“, die unabhängig geprüft worden seien. Demnach hätten beispielsweise Zivilpatrouillen im Nachbarort Gagilam Alarm geschlagen, als eine große Gruppe bewaffneter Männer auf Motorrädern durch ihr Dorf kam und angab, sie wären unterwegs nach Chibok. Trotzdem habe niemand der lokalen Polizei und den dort stationierten 17 Soldaten Verstärkung geschickt, teilte Amnesty in Washington mit.

UN: 250.000 Menschen in Nordnigeria auf der Flucht

Rund ein Jahr nach der Verhängung des Ausnahmezustandes in drei nordnigerianischen Bundesstaaten sind dort nach UN-Angaben eine Viertelmillion Menschen auf der Flucht vor Gewalt. Rund 61.000 weitere hätten sich in die Nachbarländer Kamerun, Tschad und Niger begeben, teilte das UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) am Freitag unter Berufung auf nigerianische Behördenangaben mit. Die Binnenflüchtlinge und die Vertriebenen berichteten demnach von extremer Gewalt und Brutalität.

Boko Haram morden weiter

Die Islamisten von Boko Haram setzten derweil ihre Angriffe fort. Mutmaßliche Mitglieder der Extremisten sprengten im Norden eine Brücke und töteten mindestens 30 Menschen. Der Anschlag ereignete sich in dem Dorf Gamboru Ngala an der Grenze zu Kamerun, wie die Zeitung „Punch“ am Freitag berichtete. Dort hatte Boko Haram erst vor wenigen Tagen über 300 Menschen ermordet und elf Mädchen entführt.

Die Mitglieder des UN-Sicherheitsrats verurteilten die neuerliche Attacke und auch die Entführung der mehr als 200 Schülerinnen. Das Vorgehen von Boko Haram bezeichneten sie in einer Mitteilung vom späten Freitagabend als Gefahr für die Stabilität in West- und Zentralafrika.

afp/dpa

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