Mysteriöse Todesfälle

Mindestens elf Wale verenden an der Nordseeküste

Vor Helgoland sind zwei verendete Pottwale gesichtet worden. Foto: Peter Kuchenbuch-Hanken
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Vor Helgoland sind zwei verendete Pottwale gesichtet worden.

Texel - Wangerooge, Helgoland, Texel und das Wattenmeer vor Büsum: Die Zahl der an der Nordseeküste entdeckten Pottwal-Kadaver steigt. Mindestens elf Tiere sind bei ihrer Wanderung durch den Atlantik gestorben.

An der Nordseeküste sind mindestens elf Pottwale verendet. Fünf Tiere starben nach einem stundenlangen Todeskampf in der Nacht zum Mittwoch an der Küste der niederländischen Wattenmeer-Insel Texel. Drei Pottwale kamen an der Küste Schleswig-Holsteins ums Leben, bereits am Freitag waren zwei Wale auf der ostfriesischen Insel Wangerooge gestrandet. Ein weiterer toter Meeressäuger trieb in der Wesermündung.

Weshalb die Tiere sich in die Nordsee verirrten, ist unklar. Michael Dähne vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund berichtete von verschiedenen möglichen Gründen: „Es kann natürliche Ursachen haben, an Unterwasserlärm, an Solaraktivitäten oder an Krankheiten liegen, aber auch an seismischen Aktivitäten oder militärischem Sonar.“

Auf Texel begannen Experten sofort mit der Untersuchung der Kadaver. Eine Rettungsaktion war zuvor gescheitert. Augenzeugen berichteten von einem quälenden Todeskampf der Giganten. „Sie drehten sich hin und her und lagen auf der Seite“, sagte ein Fischer im niederländischen Fernsehen.

In Schleswig-Holstein entdeckten Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamts (WSA) Tönning nach zwei Funden bei Helgoland am Mittwoch ein weiteres totes Tier auf einer Sandbank, wie WSA-Sprecher Asmus Plötz sagte. Der zehn bis zwölf Meter lange Kadaver sollte an diesem Donnerstag geborgen werden.

Unterdessen konnte ein Gewässerschutzschiff einen der beiden am Dienstag nahe Helgoland entdeckten Jungbullen an Deck nehmen. Mit Seilen und einem Kran hatte die Besatzung zuvor bereits über einen Tag lang an der Bergung der 12 bis 16 Meter langen Meeresriesen gearbeitet. Anschließend wurde das erste Tier auf den Schlepper „Odin“ des Landesbetriebes für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) verladen. Es sollte noch am Abend nach Nordstrand in Schleswig-Holstein gebracht werden. Die Wale sollen an der Tierärztlichen Hochschule Hannover untersucht werden.

Auf Wangerooge zieht sich die Beseitigung der beiden Pottwale hin. Laut der niedersächsischen Umweltstaatssekretärin Almut Kottwitz müsse für den rund 80 000 Euro teuren Abtransport der Kadaver zunächst eine Rinne gegraben werden. Ihr Haus berichtete am Mittwoch auch von einem weiteren Wal an einer Sandbank vor dem Leuchtfeuer Eversand in der Wesermündung. Mit einem Patrouillenflug sollte zudem nach weiteren toten Walen Ausschau gehalten werden.

Mit den jüngsten Funden sind nach Angaben des schleswig-holsteinischen LKN seit 1990 insgesamt 80 Pottwale an den Küsten Dänemarks, Deutschlands und der Niederlande gefunden worden. In aller Regel handle es sich um Jungbullen, die auf ihrer Wanderung durch den Atlantik zwischen November und März vom Kurs abkommen. Ein Zusammenhang zwischen den Strandungen gilt nach Einschätzung eines Sprechers als wahrscheinlich, da die Tiere in Gruppen auftreten.

Nach Angaben der Leiterin des Büsumer Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung, Ursula Siebert, seien Strandungen seit dem 16. Jahrhundert dokumentiert. „Bisher müssen wir davon ausgehen, dass das ein Phänomen ist, das seit vielen hundert Jahren auf der Wanderroute der Pottwale stattfindet.“ Es gibt ihr zufolge „keine direkten Hinweise, dass ein bestimmter, einzelner Einfluss dazu geführt hat, dass die Tiere in die Nordsee kommen und stranden“.

Die gelegentlich in der Nordsee vorkommenden Tiere werden dem LKN zufolge dem Azoren-Bestand der weltweit rund einer Million Pottwale zugerechnet. Mit ihrem akustischen Orientierungssinn können sich die schweren Tiere in der Nordsee schlecht orientieren. Geraten sie ins Flachwasser und stranden kann das Gewicht ihres Körpers ihre Blutgefäße und die Lunge abdrücken - daran sterben sie.

dpa

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