Eklat in Indien

Minister: Vergewaltigungen sind "Versehen"

Babulal Gaur
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Der Innenminister des Bundesstaats Madhya Pradesh, Babulal Gaur, hatte gesagt, Vergewaltigungen seien "manchmal richtig".

Mumbai - Zum zweiten Mal binnen weniger Tage hat ein ranghoher Parteifreund des indischen Premierministers Narendra Modi die Vergewaltigung von Frauen in seinem Land bagatellisiert.

"Solche Dinge passieren nicht absichtlich. So etwas geschieht versehentlich", sagte der Innenminister des Bundesstaats Chattisgarh, Ramsevak Paikra, am Wochenende vor Journalisten. Paikra versuchte später noch, seine Entgleisung vom Samstagabend mit dem Hinweis zu relativieren, er sei falsch zitiert worden. Mehrere Fernsehsender strahlten die Äußerungen jedoch im Original aus.

Der ebenfalls der BJP angehörende Innenminister des Bundesstaats Madhya Pradesh, Babulal Gaur, hatte die sexuelle Gewalt gegen Frauen in Indien am Donnerstag ebenfalls verharmlost. Vergewaltigung sei "ein soziales Verbrechen, das von Männern und Frauen abhängt", sagte Gaur. "Manchmal ist es richtig, manchmal ist es falsch." Die BJP-Führung distanzierte sich daraufhin von Gaur. Der Vorsitzende der Samajwadi-Partei hatte bereits im April bei einer Wahlkampfveranstaltung gesagt, er sei gegen die jüngst verschärften Strafen für Vergewaltiger, weil "Jungs eben Fehler machen".

In Indien war die gesellschaftliche Entrüstung über sexuelle Gewalt gegen Frauen zuletzt deutlich gewachsen, nachdem mehrere besonders brutale Fälle an die Öffentlichkeit gelangt waren. So waren Ende Mai in einem Dorf des Bundesstaats Uttar Pradesh die Leichen zweier zwölf und 14 Jahre alter Cousinen gefunden worden, die mehrfach vergewaltigt und dann an einem Baum aufgehängt worden waren.

Der wegen seiner Reaktion auf den Vorfall kritisierte Kabinettschef von Uttar Pradesh, Akhilesh Yadav, beschuldigte die Familien der Opfer, sie hätten sich politisch instrumentalisieren lassen. Telefonate von Angehörigen mit einem Politiker der rivalisierenden Bahujan-Samaj-Partei legten dies nahe.

Alle 22 Minuten wird in Indien eine Frau vergewaltigt

Die grassierende sexuelle Gewalt in Indien war in den vergangenen Monaten breit diskutiert worden und hatte auch international hohe Wellen geschlagen. Im Dezember 2012 hatte die tödliche Gruppenvergewaltigung einer jungen Studentin in Neu Delhi Massenproteste gegen die alltägliche Gewalt gegen Frauen ausgelöst. Seitdem wurden die Strafen für Vergewaltiger zwar verschärft - auf Vergewaltigung mit Todesfolge steht nun beispielsweise die Todesstrafe. Frauenrechtsaktivisten zufolge werden Sexualverbrechen jedoch in vielen Fällen bis heute nicht geahndet.

Nach Angaben der Regierung wird in Indien alle 22 Minuten eine Frau vergewaltigt. Aktivisten gehen aber von einer weitaus höheren Dunkelziffer aus, da die Opfer sexueller Gewalt aus Angst vor ihrer gesellschaftlichen Ächtung schweigen.

Regierung: Null Toleranz bei Gewalt gegen Frauen

Die neue indische Regierung will verstärkt gegen sexuelle Gewalt vorgehen. Es gebe eine „Null-Toleranz-Politik bei Gewalt gegen Frauen“, sagte Präsident Pranab Mukherjee am Montag im Parlament in einer Rede, die von der Regierung vorbereitet wurde. In den Landes- und Bundesparlamenten soll ein Drittel der Sitze für Frauen reserviert werden. Dieses Gesetzesvorhaben steckt seit Jahren fest. Mit einer riesigen Kampagne will die Regierung gegen die gezielte Abtreibung weiblicher Föten vorgehen.

AFP/dpa

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