Erinnerungen an Köln

Darmstadt: Frauen zeigen 18 sexuelle Belästigungen an

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Auf dem Festival "Schlossgraben" in Darmstadt zeigten Frauen 18 sexuelle Belästigungen an. Bei dem Festival trat auch die Sängerin Namika auf.

Darmstadt - Ein zweites Köln? Bei einem Musikfestival in Darmstadt sind mehrere Frauen sexuell belästigt worden. Sie zeigten die Täter an, die ähnlich vorgingen wie in Köln.

Erinnerungen an die Kölner Silvesternacht werden geweckt: Nach einem großen Musikfestival in der Innenstadt von Darmstadt melden sich immer mehr Frauen bei der Polizei und berichten von sexuellen Belästigungen. Das Aussehen der Täter beschreiben sie als südasiatisch. Nach den Schilderungen der Opfer wurden die zumeist jungen Frauen in der Nacht zum Sonntag inmitten des gut besuchten Fests jeweils von einer Kleingruppe umzingelt, begrapscht und belästigt. „Wir wissen aber noch nicht, was im Detail passiert ist“, sagt der Darmstädter Polizeisprecher Ferdinand Derigs am Dienstag.

Ähnlich waren die Täter in der Silversternacht in Köln vorgegangen, als massenhaft Frauen Opfer sexueller Übergriffe und einige von ihnen sogar von Vergewaltigungen wurden. Die Dimension der Kölner Geschehnisse erreichen die Übergriffe in Darmstadt nach den bisher vorliegenden Erkenntnissen aber bei weitem nicht. In Köln liegen 1000 Strafanzeigen vor, die Polizei geht von mehr als 150 Beschuldigten aus, davon fast zwei Drittel Algerier und Marokkaner. In Darmstadt haben sich bislang knapp 30 Frauen gemeldet und von Übergriffen berichtet. Auch beim Berliner Karneval der Kulturen kam es Mitte Mai zu solchen Übergriffen auf Frauen.

Die südhessische Polizei kann außerdem einen raschen Fahndungserfolg vorweisen: Noch in der Nacht zum Sonntag nahm sie drei Verdächtige aus Pakistan fest, zumindest zwei von ihnen sind Asylbewerber. Die zunächst festgenommenen Männer sind inzwischen wieder auf freiem Fuß, gegen sie wird wegen Beleidigung und sexueller Nötigung ermittelt. Die Suche nach weiteren möglichen Verdächtigen läuft.

Beamte sind während des Musik-Festivals, das die Veranstalter als größtes in Hessen bewerben, regelmäßig als Streife unterwegs. „Das Schlossgrabenfest steht bei uns seit Jahren aufgrund der allgemeinen Sicherheitslage im Fokus“, betont Polizeisprecher Derigs. „Wir sind hier seit Jahren präsent.“ Die Frauen hätten sich „unmittelbar“ an die Polizei gewendet. „Für uns ist es wichtig, dass sich Frauen gleich melden.“

Übergriffe dieser Art sind nach Ansicht der Hilfsorganisation Weißer Ring keine Einzelfälle. „Bei Volksfesten oder auch an Karneval kommt es in Feierstimmung und mit Alkohol immer wieder zu sexueller Gewalt gegen Frauen, die verharmlost wird und über die überhaupt nicht gesprochen wird“, sagte Bundesgeschäftsführerin Bianca Biwer. „Die Opfersicht kommt viel zu kurz. Dies ist nicht hinnehmbar und muss sich dringend ändern.“

Für den Vorsitzenden des Weißen Ringes Hessen, Horst Cerny, zeigt Darmstadt, dass die Herkunft der Tatverdächtigen betrachtet werden muss: „Das eigentliche Problem ist doch, dass die Menschen, die so etwas tun, ein Frauenbild haben, das unserer Gesellschaft entgegensteht“, sagte der 69-Jährige frühere Kriminalbeamte. „Die sind von Geburt an so erzogen, dass der Mann die Macht über die Frau hat.“

Die Veranstalter des Festivals, Frank-Friedrich Grossmann und Thiemo Gutfried von der Stage Groove Festival GmbH, zeigen sich „sehr bestürzt, dass durch diese Vorfälle ein Schatten auf das diesjährige Schlossgrabenfest fällt“. Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) erklärt: „Wir tolerieren keine Form von Gewalt und verurteilen sexuelle Übergriffe ebenso wie häusliche Gewalt. Täter, egal wo sie herkommen, müssen bestraft, Opfer müssen geschützt werden.“

dpa

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