Fall belastet Nerven der Anwohner

Nachbarn berichten vom Paar aus Höxter: "Mord nicht zugetraut"

Höxter. Nach dem Tod zweier Frauen, die im ostwestfälischen Höxter-Bosseborn misshandelt wurden, ist die Aufregung in dem Dorf weiter groß. Ein Ortsbesuch.

Kastenwagen der Polizei und des Landeskriminalamtes weisen den Weg zu dem Gebäude, das seit Ende der vergangenen Woche als „Horrorhaus von Höxter“ bundesweit in den Schlagzeilen ist. Ein von der Polizei aufgestellter Zaun mit weißer Plane dient als Sichtschutz für die Arbeit der Beamten, die auf dem Gelände des Hofes in Bosseborn, einem 500 Einwohner zählenden Stadtteil von Höxter, nach weiteren Opfern suchen.

In dem Haus mit der grauen Fassade sollen Wilfried W. (46) und Angelika B. (47) bis zu sieben Frauen eingesperrt und womöglich auch gequält haben. Mindestens zwei von den Opfern überlebten die Misshandlungen des Paares nicht.

Bei den Opfern handelt es sich einerseits um eine 33 Jahre alte Frau, die nach Recherchen unserer Zeitung viele Jahre im Uslarer Land lebte: Sie wuchs im Uslarer Ortsteil Dinkelhausen auf – bis sie zu Wilfried W. nach Bosseborn zog. Die beiden heirateten. Im August 2014 verstarb die Frau wohl an den Folgen der Misshandlungen.

Das andere Opfer, Susanne F. (41), stammte aus Bad Gandersheim und zog im März nach Höxter. Der Fall flog auf, nachdem Wilfried W. und Angelika B. die schwerverletzte Frau kürzlich wieder nach Bad Gandersheim bringen wollten. Sie starb schließlich an heftiger Gewalteinwirkung auf den Kopf in einem Northeimer Krankenhaus.

Seit Tagen wird die Straße, in dem das Haus des Paares steht, nun von Medienvertretern belagert. „Wir können nicht mehr, es muss wieder Ruhe einkehren“, sagt eine ältere Dame, die direkt neben dem Horrorhaus wohnt. Ihr Fenster, so sagt die Frau, gehe zum Hof von Wilfried W. und Angelika B. Gesehen habe sie aber nie etwas, die Fenster seien abgedunkelt gewesen. „Mein Mann hat gestern geweint, er hält den Druck nicht mehr aus“, sagt sie. Auch zur Polizei habe sie schon gehen müssen, um auszusagen. Und nun stünden die Vorwürfe im Raum, warum sie als Nachbarn nicht etwas von den Taten mitbekommen haben. „Das finde ich nicht in Ordnung“, sagt die ältere Dame.

„Hoffentlich finden sie keine anderen Opfer“, sagt eine andere Nachbarin. Das Paar habe sie häufiger auf der Straße gesehen, aber nie mit ihnen geredet. Komisch seien sie schon immer gewesen – nicht nur weil sich die beiden als Geschwister ausgegeben hätten. „Aber Mord hätte ich denen nicht zugetraut.“

Die Polizisten vor Ort äußern sich gegenüber den Medien nicht. Immer wieder verschwinden sie hinter dem Zaun mit der Plane. Nur wenige Menschen gehen an dem Haus vorbei – ab und an fahren Autos durch die Straße. Vorbei an den Medien, vorbei an der Polizei, und schauen auf das Haus, an dem Menschen Kerzen und Rosen abgelegt haben.

Spurensuche in Höxter: Ermittlungen zu weiteren Opfern

Kartenansicht: Höxter-Bosseborn

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