Alexander Gerst wartet auf Nachschub

Nasa-Rakete explodiert nach Start

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Nach dem Start explodiert: Die Nasa-Rakete "Cygnus".

Washington - Astronaut Alexander Gerst und seine fünf Kollegen auf der ISS warten auf Lebensmittel und anderen Nachschub. Doch der Raumfrachter „Cygnus“ explodiert beim Start.

Eine Rakete mit rund 2,3 Tonnen Nachschub für die Internationale Raumstation ISS ist wenige Sekunden nach dem Start in den USA explodiert. Der Raumfahrtbehörde Nasa zufolge gab es beim Unfall der „Cygnus“ keine Opfer. Der Schaden für die US-Raumfahrt gilt aber als enorm.

Erfolg dagegen für Moskau: Nur wenige Stunden nach dem Unglück hob vom Kosmodrom in Baikonur (Kasachstan) am Mittwoch planmäßig ein russischer Versorgungstransporter für die ISS ab. Derzeit arbeiten drei Russen, zwei US-Amerikaner und der Deutsche Alexander Gerst auf dem Außenposten der Menschheit in rund 400 Kilometer Höhe.

Riesiger Feuerball

Die private amerikanische Antares-Rakete mit dem Frachter „Cygnus“ war am Dienstagabend pünktlich um 18.22 Ortszeit (23.22 MEZ) vom Weltraumbahnhof Wallops (US-Staat Virginia) an der US-Ostküste gestartet. Sekunden später stürzte sie in einem riesigen Feuerball zur Erde. Flammen umhüllten die Startplattform, brennende Trümmer flogen in alle Richtungen.

In diesem Video soll die Explosion zu sehen sein:

Die Ursache der Explosion war zunächst unklar. Offensichtlich seien Treibstofftanks detoniert. „Es ist noch viel zu früh, um genau zu wissen, was passiert ist“, sagte der frühere Nasa-Astronaut Frank Culbertson, der jetzt Vizepräsident der US-Privatfirma Orbital Sciences ist.

Die von Orbital Sciences entwickelte „Cygnus“ (Schwan) sollte rund 2300 Kilogramm Lebensmittel und Forschungsmaterial zur ISS bringen. Seit 2013 gab es drei erfolgreiche Flüge. Nach Nasa-Angaben waren keine dringend notwendigen Güter an Bord. „Die Mannschaft ist in keiner Gefahr“, sagte William Gerstenmaier, Chef für bemannte Raumfahrt.

Russland bietet Versorgungsflug an

Russland, Partner der USA beim ISS-Programm, bot Hilfe an. Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos könnte einen zusätzlichen Versorgungsflug übernehmen, sagte Alexej Krasnow von Roskosmos. Für den russischen Nachschub habe der Unfall keine negativen Folgen. Moskau bringe die Güter meist in einem eigenen Progress-Transporter zur ISS, sagte Krasnow.

Bilder vom Cygnus-Unglück

"Cygnus"-Flug zur ISS endet im Flammeninferno

Kurz zuvor war am Mittwoch ein russischer Frachter mit Nachschub gestartet. Die Sojus-Trägerrakete mit mehr als 2,5 Tonnen Nahrungsmitteln, Treibstoff und privater Post hob wie geplant gegen 8.10 Uhr (MEZ) von Baikonur in Kasachstan ab. Im Dezember ist ein Flug des privaten US-Transporters „Dragon“ zur ISS angesetzt.

Dem Ex-Astronauten Culbertson zufolge war bei dem Unglück nach einer ersten Explosion der Befehl zur völligen Zerstörung des Fluggeräts gegeben worden. Damit soll etwa verhindert werden, dass Raketenteile auf bewohntes Gebiet einschlagen. Die Rakete und der Transporter, die zusammen umgerechnet mehr als 157 Millionen Euro kosteten, seien verloren, sagte Culbertson.

Der russische Raumfahrtexperte Igor Marinin sagte, möglicherweise hätten technische Änderungen am Triebwerk den Unfall verursacht. Für die Antares-Rakete hätten die USA das ursprünglich sowjetische Triebwerk NK-33 modifiziert und als Modell AJ-26 verwendet. Die Änderungen hätten die Rakete wohl instabil gemacht, so Marinin.

„Wir sind sehr enttäuscht“, sagte Gerstenmaier. Das Unglück zeige, „dass Raumfahrt ein harter Job ist“, der nicht ohne Gefahren sei. Culbertson fügte hinzu: „Wir werden herausfinden, was schiefgegangen ist, wir werden es beheben und wir werden wieder fliegen.“

„Cygnus“ ist wie Progress ein Frachter, der nach einem Flug nicht wiederverwendet wird. Das Raumfahrzeug, das auf dem Rückweg von der ISS Müll befördert, verglüht beim Wiedereintritt in die Atmosphäre.

Die Nasa hatte 2011 ihr Shuttle-Programm nach rund 30 Jahren beendet. Seitdem sind US-Astronauten auf „Mitfahrgelegenheiten“ russischer Raumkapseln angewiesen. Zur Versorgung der Astronauten und zur Lieferung wissenschaftlicher Ausrüstung setzten die USA seitdem auf private Unternehmen. Im Rahmen des knapp zwei Milliarden Dollar schweren Vertrags sollte es bis 2016 mindestens sieben weitere „Cygnus“-Missionen geben.

Experiment mit deutscher Beteiligung von „Cygnus“-Unglück betroffen

Vom Absturz des Raumfrachters „Cygnus“ ist auch ein Experiment mit deutscher Beteiligung betroffen. Es handle sich um das dritte Experiment aus einer Versuchsreihe zum Verhalten von Flüssigkeiten, die aus mehreren Komponenten bestehen, sagte Andreas Schütz, Pressesprecher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Das von Prof. Werner Köhler vom Physikalischen Institut der Universität Bayreuth koordinierte Experiment namens DCMIX-3 soll neue Erkenntnisse für eine verbesserte Förderung an Erdöllagerstätten bringen.

dpa

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